Image: Formel 1 der LüfteDie Racing-Drohne der australischen Firma Alauda wirkt so, als sei sie frisch aus einem Science-Fiction-Film entsprungen. | airspeeder.com
NewsVom Rennboliden zum Flugtaxi?

Formel 1 der Lüfte

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Ein australi­sches Unternehmen plant den Motorsport von morgen – in der Luft. Pfeilschnelle, bemannte Racing-Drohnen sollen schon 2022 gegenein­ander antreten. Das soll die Drohnen-Technologie stetig optimieren – und auch die urbane Mobilität soll profitieren.

01. September 2021

Sand, Sand und nochmal Sand – soweit das Auge reicht. Nur ein paar Windräder drehen sich in der Ferne. Der Wind säuselt leise. Ansonsten ist es ruhig in der tristen Wüstenland­schaft im Süden Australiens. Bis plötzlich ein lauter werdendes, hohes Sirren erklingt. Dann schießt ein silberner, torpedoar­tiger Rennbolide durch die karge Landschaft. Der Mk3, wie sich dieses Geschoss nennt, sieht aus wie ein Formel-1-Rennwagen. Allerdings einer ohne Räder. Und die braucht der Mk3 auch nicht. Denn der Flitzer fährt nicht, er fliegt durch die Luft.

Bei dem Geschoss der australi­schen Firma Alauda handelt es sich um eine Racing-Drohne. Acht Propeller lassen den Boliden senkrecht abheben und landen. Damit gehört er zur Kategorie der eVTOL-Maschinen (electric vertical takeoff and landing), der neuesten Vision rund um das fliegende Auto. Mehrere Hersteller versuchen sich derzeit an derartigen elektrischen Rennflie­gern. Sie wollen die Technologie vorantreiben und die Akzeptanz für Drohnen erhöhen. Davon könnten auch die zahlreichen Flugtaxi-Projekte auf der ganzen Welt profitieren, die die urbane Mobilität unterstützen sollen.

Fliegende Automobile – seit mehr als einem Jahrhundert forschen Menschen an dieser automobilen Vision. Bereits 1917 präsentierte der Amerikaner Glenn Curtiss sein mit Flügeln bestücktes „Mobil Autoplane“. Das konnte zwar nur einige Meter lang abheben, gilt aber dennoch als erstes Design eines fliegenden Wagens. Viele versuchten sich anschlie­ßend an der Vision des Flug-Autos. Doch keins schaffte es über den Status des unbekannten Flug-Objektes hinaus. Einzig auf der Kinolein­wand wurde die Vision regelmäßig zur Realität – bislang. Denn Alauda will der eVTOL-Technologie zu einem massiven Aufschwung verhelfen.

Erste bemannte Drohnen-Rennen schon 2022?

Die erste Rennserie für Drohnen-Racer, sie trägt den Namen EXA, ist bereits angekündigt. Vier Teams mit je zwei Mk3-Boliden von Alauda sollen noch in diesem Jahr gegenein­ander antreten. „EXA löst das Versprechen einer Zukunft ein, die zuerst in Science-Fiction-Filmen gezeigt wurde“, sagt Matthew Pearson, der Gründer von Alauda und der Organisa­tion Airspeeder, die die Drohnen-Rennen ausrichten wird. Vorerst werden die Drohnen noch vom Boden aus ferngesteuert. So soll die Technologie sicher getestet werden. Doch bereits im nächsten Jahr sollen Piloten an Bord sitzen und die Flitzer von dort steuern.

Damit ist das Projekt der Australier von allen Racing-Drohnen-Projekten auf der Welt am weitesten fortgeschritten. Zwar arbeitet zum Beispiel auch die Drone Champions AG, ein Unternehmen aus Luxemburg, an bemannten Drohnen: Deren Modell „Big Drone“, das im vergangenen Jahr vorgestellt wurde, soll jedoch auch in Zukunft ausschlie­ß­lich per Fernsteue­rung manövriert werden. Und um das als fliegende Formel-1-Auto betitelte Projekt „Maca Carcopter“ aus Frankreich ist es ruhig geworden. Einzig in Dubai gibt es noch Konkurrenz für Alauda und Airspeeder. Die „Air Race E“-Serie, die 2018 in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegründet wurde, plant ebenfalls eine Art Formel 1 der Lüfte. Ein erster Prototyp für einen eVTOL-Flieger wurde Anfang dieses Jahres präsentiert.

Alauda-Gründer Matthew PearsonFür den Bau des Drohnen-Racers Mk3 stellte Alauda-Gründer Matthew Pearson (links) ein Team aus ehemaligen Formel-1-Renningenieuren sowie technischen Experten aus der Luftfahrt und Automobilbranche zusammen.

Know-how aus Formel 1 und Luftfahrt

Alauda kann bei seinen Bemühungen auf namhafte Unterstüt­zung zurückgreifen. Für den Bau des Mk3 stellte Alauda-Gründer Pearson ein Team aus absoluten Fachleuten zusammen. Darunter ehemalige Renninge­nieure aus der Formel 1 sowie technische Experten vom Luftfahrt­un­ter­nehmen Airbus und vom Luxusauto­bauer Rolls Royce. Entsprechende Leistungs­daten bringt der Rennbolide Mk3 mit sich. Er ist nur 130 Kilogramm schwer, entwickelt aber dennoch eine Leistung von bis zu 320 kW, also umgerechnet 435 PS. In 2,8 Sekunden knackt der Rennflieger die 100 km/h-Marke. Fürs erste sollen die Modelle mit bis zu 120 km/h fliegen können – und zwar in einer Höhe von bis zu 600 Metern.

Sicher durch Sensoren

Ein besonders wichtiger Aspekt in der Entwicklung des Alauda Mk3 ist das Thema Sicherheit. 22 Sensoren hat der Bolide verbaut: darunter acht Kameras und diverse Radar-, Höhen-, und Lidar-Sensoren, die auch als technische Basis des Autonomen Fahrens gelten. Alauda zufolge soll so eine Art Kraftfeld um die Drohnen erzeugt werden. Unfälle und Zusammen­stöße in der Luft sollen so verhindert werden. Die ersten Flugversuche des Mk3 in Australien wurden zudem unter strenger Beaufsich­ti­gung der australi­schen Flugsicher­heits­be­hörde durchgeführt.

Gesteuert werden die Drohnen von ausgebil­deten Kampfpiloten, Rennfahrern und auch von geschulten E-Sportlern. „Damit diese fortschritt­liche Luftmobi­li­täts­tech­no­logie sich etabliert, müssen wir den sportlichen Wettbewerb nutzen“, sagt Alauda-Chef Pearson. Er sieht sich und sein Unternehmen damit auf historischen Spuren. „Die Pioniere von Mercedes, Renault oder Bentley wussten, dass sie, um eine Mobilitäts­re­vo­lu­tion voranzutreiben, ihre Maschinen für den Rennsport bauen müssen.“ Ob die Revolution gelingt und so auch der Weg der Flugtaxi-Projekte geebnet wird, werden die nächsten Jahre zeigen.