Image: Hollywood-Sounds für die StraßeNeue E-Autos haben einen ganz neuen Sound. | istock.com

Unsere Zukunft: Wir fusionieren mit FERCHAU Automotive

Zum 01.01.2022 fusionieren wir mit dem Geschäftsbereich der FERCHAU Automotive. Mit diesem Neustart bündeln wir unser technologisches Know-how und unsere Kompetenzen, um gemeinsam die Mobilität der Zukunft zu gestalten.

NewsEU-Verordnung für E-Autos

Holly­wood-Sounds für die Straße

Lesezeit ca.: 4 Minuten

Seit dem 1. Juli 2021 müssen neue E-Autos, Wasserstoff­fahr­zeuge und Hybride künstlich Fahrgeräu­sche erzeugen. Grund ist eine EU-Verordnung, die insbeson­dere Sehbehin­derte schützen soll. Für den neuen Straßen-Sound ihrer Stromer-Modelle haben einige Hersteller sich prominente Unterstüt­zung aus Hollywood geholt.

05. Juli 2021

Es sirrt, es summt, es dröhnt. Die Geräusche, die der BMW i4 beim Beschleu­nigen von sich gibt, klingen weniger nach einem Automobil, sondern eher wie ein Raumschiff aus einem Science-Fiction-Film. Zuständig für den Sound des neuesten E-Autos von BMW ist Hans Zimmer, Hollywoods bekanntester Filmmusik-Komponist. Normaler­weise gestaltet er die Songs für Blockbuster wie „Fluch der Karibik“, „Gladiator“ und „Batman Begins“. Nun designte er für BMW den Straßen-Sound von morgen. Hans Zimmer ist dabei nur einer von vielen prominenten Unterstüt­zern der aktuellen Klang-Offensive der Hersteller. Denn auch Volkswagen, Fiat und Audi haben kreative Sounds für ihre Autos entwickelt. Grund ist die EU-Verordnung 540/2014, die am 1. Juli 2021 in Kraft trat. Neue Elektroautos, Hybride und Brennstoff­zel­len­fahr­zeuge müssen seitdem mit einem sogenannten „Acoustic Vehicle Alerting System«, kurz AVAS, ausgestattet sein. Das System soll andere Verkehrs­teil­nehmer durch ein künstliches Geräusch warnen und so die Verkehrs­si­cher­heit erhöhen.

Künstliche Klänge, weniger Unfälle

E-Autos waren bislang bei geringen Geschwin­dig­keiten unter 20 km/h kaum bis gar nicht wahrzunehmen – eine technische Eigenheit des E-Antriebs. Insbeson­dere für Sehbehin­derte, aber auch für Kinder, Radfahrer und abgelenkte Fußgänger war das ein Problem. „In der Vergangen­heit kam es schon zu Unfällen und Beinahe-Unfällen mit nicht hörbaren Elektrofahr­zeu­gen“, sagt Stephan Heinke vom Deutschen Blinden- und Sehbehin­der­ten­ver­band. In den USA – dort ist eine entsprechende Verordnung bereits 2020 in Kraft getreten – geht die US-Verkehrs­be­hörde NHTSA davon aus, durch ein AVAS-Warnsystem pro Jahr etwa 2.400 Fußgänge­run­fälle verhindern zu können. Ähnliches erhofft sich auch die EU.

Wie die Autos nun klingen sollen, lässt die EU weitestge­hend offen. Das Geräusch muss lediglich mit dem Sound eines Verbrenners vergleichbar sein. Und es soll Hinweise auf das Fahrverhalten des E-Autos geben können. Der vorgeschrie­bene Geräusch­pegel des AVAS ist auf 56 bis 75 Dezibel festgesetzt. Die in der Regel im Motorraum verbauten Lautspre­cher­boxen, aus denen die Geräusche kommen, müssen mindestens so laut wie ein brummender Kühlschrank und maximal so lärmend wie eine schleudernde Waschmaschine wummern.

Ein Pop-Song für die Straße

Den richtigen, zum Fahrzeug passenden Klang für das AVAS zu finden, kann Monate dauern. BMW-Sound-Chef Renzo Vitale, der Hollywood-Komponist Hans Zimmer bei der Komposition des E-Auto-Sounds unterstützte, bestätigt das. Er sagt, die Arbeiten mit Zimmer hätten etwa sechs Monate gedauert. Auch bei Volkswagen strich viel Zeit ins Land, ehe der AVAS-Klang für die elektrische ID-Modellreihe fertig war. Leslie Mandoki gab dabei den Ton vor. Den meisten ist er wahrschein­lich noch als Mitglied des Künstler­kol­lek­tivs Dschingis Khan bekannt, das einst für Deutschland am Eurovision Song Contest teilnahm. Mandoki machte sich anschlie­ßend jedoch auch als Song-Producer einen Namen, arbeitete unter anderem mit Lionel Richie und Jennifer Rush zusammen. Das Komponieren von E-Auto-Sounds beschrieb Mandoki in der Vergangen­heit als ähnlich anspruchs­voll wie das Schreiben eines Popsongs. „Es muss beim ersten Mal hängen bleiben“, so der Musik-Experte. Nun hofft er, dass sein ID-Klang zum nächsten großen Hit wird.

Kreissäge, Akkubohrer und Modellhub­schrauber

M Plan hat sich in den vergangenen Jahren am Standort in Weissach ebenfalls ein spezielles Akustiklabor aufgebaut. Um den passenden AVAS-Klang zu kreieren, trommelte zum Beispiel M Plan-Soundexperte Rüdiger Kränzlein auch schon mit Hölzern auf Baumstämme und fing die Geräusche einer Kreissäge ein. Im Studio entstand so das AVAS eines prominenten deutschen Herstellers. Wie anspruchs­voll die Zusammen­set­zung eines AVAS sein kann, lässt sich am Beispiel des Audi e-tron GT aufzeigen. Der Klang des Sportwagens besteht aus 32 Tonspuren, die gemixt wurden. Darunter ein Ventilator, ein Akkubohrer und ein Modellhub­schrauber. Einen anderen Ansatz wählte hingegen die italieni­sche Automarke Fiat. Die ließ den Klang des Elektrowa­gens Fiat 500 e vom finnischen Stimmena­kro­baten Rudi Rok im Tonstudio performen, der zuvor auch bereits für Disney und Amazon im Einsatz war. Ergänzt wurde Roks Vocal-Acting mit der Melodie aus der italieni­schen Filmkomödie „Amarcord“ von Federico Fellini. Ein Hauch italieni­sches Flair solle den Wagen so umwehen, heißt es bei Fiat.