Image: Wie Scheinwerfer intelligent werdenScheinwerfer von Autos werden intelligent. | ValeryBrozhinsky
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Wie Schein­werfer intel­li­gent werden

Lesezeit ca.: 3 Minuten

Licht spricht – bei Fahrzeugen werden moderne Scheinwerfer zum intelligenten Assistenz- und Sicherheits­system, das sogar virtuelle Zebrastreifen auf die Straße projizieren kann. Oder „Guten Morgen“ wünscht.

04. September 2019

Das Reh am Straßenrand, der schwarz gekleidete Fahrradfahrer mit defektem Rücklicht, zwei Autos, die sich auf nächtlicher Landstraße gegenseitig mit grellem Fernlicht blenden – auf dunklen Straßen gibt es eine Vielzahl kritischer Verkehrs­si­tua­tionen. Wenn künftig vernetzte Fahrzeuge zunehmend mit anderen Autos sowie digital aufgerüs­teter Infrastruktur wie Ampeln, Verkehrs­zei­chen und Leitplanken kommunizieren, dann gewinnt ein lange vernachläs­sigtes Fahrzeug­bau­teil zunehmend an Bedeutung: der Scheinwerfer. Bei vielen Herstellern wird an vollkommen neuen Licht-Szenarien geforscht. So soll Licht zum wesentli­chen Kommunika­ti­ons­mittel werden.

Licht, das mitdenkt

Technisch ist es schon heute realisierbar, mittels der Scheinwerfer zum Beispiel einen Zebrastreifen auf die Fahrbahn zu projizieren – damit Passanten an unübersicht­li­chen Straßenab­schnitten sicher kreuzen können. Möglich machen das auch neue Generationen von LED-Einheiten im Scheinwerfer. „Dank der LED-Technologie bieten sich heute noch einmal mehr Funktions­mög­lich­kei­ten“, sagt Ricardo Plöger, Leiter der Abteilung „Licht und Sicht“ bei Volkswagen. „Dabei ist nicht nur die Lichtquelle eine andere, sondern auch die Technologie, die sich dahinter verbirgt.“ Ein Licht, das nicht nur stur geradeaus leuchtet, sondern mitdenkt – und lenkt.

„Das intelligente LED-Matrix-Lichtsystem erfasst bei Dunkelheit alle relevanten Details des Straßenbildes, also zum Beispiel ein Reh links am Straßenrand ebenso wie das langsam vorausfah­rende Fahrzeug oder das Vorfahrts­schild rechts an der Straße,“ sagt Plöger. Diese Informationen werden ins intelligente Bordsystem gespeist – andere Assistenz­sys­teme reagieren entsprechend, reduzieren zum Beispiel die Geschwin­dig­keit. An Forschungs­fahr­zeugen werden derartige Technolo­gien in Wolfsburg bereits getestet, der „Optical Lane Assist“ ermöglicht es etwa, die Fahrzeug­breite auf die Fahrbahn zu projizieren, um das Fahrzeug an Engstellen sicher zu steuern. Das Licht wird somit selbst zum intelligenten Assistenz­system und zum sicherheits­re­le­vanten Faktor – nicht nur bei Volkswagen.

Nie mehr geblendet, dank des intelligenten Lichts

"IntelliLux LED Matrix-Licht" heißt etwa die neue Lichtlösung bei Opel. Lässt ein Auto die Stadtgrenzen hinter sich, wird automatisch das Fernlicht aktiviert. Entgegen­kom­mende Fahrzeuge werden nicht geblendet – die Lichtkegel teilen sich so auf, dass Gegenver­kehr aus dem erhellten Raum ausgeschnitten werden. Auch bei Ford wird im neuen Focus intelligentes Licht eingesetzt. Seit September 2018 fährt das Kompaktmo­dell ebenfalls mit einem blendfreien Fernlicht­as­sis­tenten und kameraba­siertem Kurvenlicht durch die Nacht. Zum Einsatz kommt eine reichwei­ten­starke Frontkamera, um die vorauslie­gende Strecke berechnen zu helfen. Dabei werden Fahrbahn­mar­kie­rungen und Verkehrs­schilder erfasst. Unter Berücksich­ti­gung von Lenkeinschlag und Geschwin­dig­keit leuchtet das System die Abschnitte optimal aus.

Zu den wichtigen Zulieferern, die für Automobil­her­steller Lichtfor­schung betreiben, gehört das 2018 gegründete Joint Venture Osram Continental. Das Unternehmen stellt auf der IAA im Herbst 2019 ein innovatives HD-Scheinwer­fer­system vor. Hier arbeitet ein hochauflö­sendes LED-Modul zusammen mit Lasertech­no­logie und leistungs­starken digitalen Komponenten, um neue, digital gesteuerte Lichtfunk­tionen zu ermöglichen. Das System basiert auf sogenannter Smartrix-HD-Technologie mit einer hohen Anzahl an einzeln ansteuer­baren Pixeln für blendfreies Fernlicht und dynamisches Abblendlicht.

Lichtsystem wünscht „Guten Morgen“

Solche leistungs­starken Scheinwerfer sollen künftig in die intelligente Fahrzeug­ar­chi­tektur mit smarten Assistenz­sys­temen und Bordcompu­tern integriert werden. Der Fahrer eines Autos schaltet dann zum Beispiel auf „Automatik“, das intelligente Lichtsystem übernimmt. Entgegen­kom­mende Verkehrs­teil­nehmer werden automatisch aus dem Lichtkegel ausgeblendet. Gleichzeitig folgt das Licht automatisch dem Straßenver­lauf, etwa in einer Kurve, und leuchtet Verkehrs­zei­chen bei Bedarf gezielt aus. Und auch das ist künftig denkbar: Ein Fahrzeug­halter wird morgens beim Betreten seiner Garage vom Frontschein­werfer begrüßt. In Kombination mit einem intelligenten, schlüssel­losen Zugangssystem meldet sich das Lichtsystem mit einem freundli­chen „Guten Morgen“ an der Garagenwand.