Image: Die wahren Prophezeiungen von „Blade Runner“Digitale Cockpits und moderne Infotainmentsysteme - Was im Film „Blade Runner“ in der 1980er Jahren noch Zukunftsmusik war, ist bei heutigen Autos bereits Realität. | iStock
NewsHollywood-Serie Teil 6

Die wahren Prophe­zei­ungen von „Blade Runner“

Lesezeit ca.: 4 Minuten

Wenn Hollywood Autos entwirft, dann wird’s verrückt… Obwohl, viele Film-Erfindungen sind tatsächlich automobile Realität geworden. Wir zeigen in unserer neuen Blog-Serie, wie „Zurück in die Zukunft“, „Batman“ & Co. die Automobil­welt von heute beeinflussten. Teil 6: „Blade Runner“.

11. Dezember 2020

Riesige Stichflammen lodern über den Dächern von Los Angeles auf. Die Metropole an der US-amerikani­schen Westküste ist zu einem gigantischen Slum verkommen. Genetisch produzierte Menschen, sogenannte Replikanten, die eigentlich ferne Welten erkunden sollten, kehren im Jahr 2019 auf die überbevöl­kerte Erde zurück, um ihr künstlich begrenztes Leben zu verlängern. Ein besonders finsteres Zukunfts­sze­nario, das Hollywood-Regisseur Ridley Scott 1982 im Science-Fiction-Film „Blade Runner“ skizzierte.

Der Streifen wurde Kult – und eine zentrale Frage des Films beschäftigt uns bis heute: Was macht Menschsein eigentlich aus? Ist ein künstlich erzeugter Mensch auch ein Mensch? Oder eine Maschine? Heute, fast 40 Jahre nachdem „Blade Runner“ in den Kinos lief, beschäftigt die Fragestel­lung nicht mehr bloß Kunst- und Filminter­es­sierte. Seitdem am Autonomen Fahren geforscht wird, versuchen auch Mobilitäts­ex­perten die Antwort darauf zu finden, ob selbstfah­rende Autos Entschei­dungen treffen können und dürfen, die im Zweifel über Leben und Tod entscheiden. Macht ein künstlich intelligentes System eine Maschine am Ende menschlich?

Vorbild für Hollywood und Mobilitäts­in­dus­trie

In „Blade Runner“ kommt Rick Deckard, gespielt von Harrison Ford, eine besonders drastische Aufgabe zu. Als Replikan­ten­jäger ist es sein Auftrag, die genetisch produzierten „Replikanten-Menschen“ im Auftrag der Polizei auszuschalten. Steter Begleiter ist sein Polizeiwagen. Der kann fliegen und gehört zur Fahrzeug-Gattung der „Spinner“: Autos, die auf der Straße fahren, vertikal aufsteigen und dann fliegen können. Damit gilt das Film-Fahrzeug als revolutionär, diente es doch späteren Generationen von Science-Fiction-Filmen wie „Das Fünfte Element“ mit seinen fliegenden Taxis oder „Zurück in die Zukunft“ mit der fliegenden DeLorian-Zeitmaschine als Vorbild. 

Das Besondere an dem „Blade Runner“-Modell, das entworfen wurde vom legendären und 2019 verstorbenen Industrie­de­si­gner und Neo-Futurismus-Künstler Sydney Jay Mead: Der „Spinner“ muss nicht wie ein Flugzeug starten, sondern kann dank eines Düsenantriebs am Heck senkrecht vom Boden abheben. Eine den überfüllten Straßen des fiktionalen Los Angeles angepasste Antriebsart, die nicht nur in Hollywood Nachahmer fand. Denn auch die tatsächlich inzwischen in der Entwicklung befindli­chen Flugtaxi-Projekte funktionieren ganz ähnlich. Die Prototypen des Flugtaxi-Vorreiters Volocopter, das Flugtaxi-Projekt von BMW und auch die ersten Modelle von den Flugzeug­bauern Airbus und Boeing starten auch platzspa­rend senkrecht in die Luft. Noch ist keines der Projekte serienreif. Doch die ersten Flüge finden bereits statt. Zuletzt startete der „City Airbus“, das Flugtaxi-Modell von Airbus im Juli 2020.

Digitales Cockpit, Sprachsteue­rung und Videotele­fo­nate

Digitale Displays im Fahrzeugin­nen­raum, ein zentral platzierter Bordcomputer – der Innenraum des „Blade Runner“-Wagens „Spinner“ sieht aus wie ein Ur-Ahn des aktuellen Interieurs der Elektroauto-Modelle von US-Hersteller Tesla. Schon in den 80er-Jahren zeigte „Blade Runner“ also den Weg hin zu digitali­sierten Cockpits und modernen Infotain­ment-Systemen auf. Und auch die Steuerung von Deckards Autos erfuhr erst kürzlich ein Revival in der Realität. Nur mit einer Hand und sanften Bewegungen manövriert der Film-Protagonist den „Spinner“ förmlich intuitiv durch die Häuserschluchten der „Blade Runner“-Welt. Und ganz ähnlich fuhr auch Daimler-Chef Ola Källenius die Mercedes-Zukunfts­studie „Vision AVTR“ – ebenfalls nur durch vorsichtige Berührungen eines Touchscreens auf der Mittelkon­sole – auf die Bühne der CES 2020 in Las Vegas.

Replikanten gibt es keine, aber…

Es sind die vielen kleinen Details, die sich in „Blade Runner“ finden, die den Film nahezu prophetisch erscheinen lassen. Mal abgesehen von der Tatsache, dass es natürlich keine Replikanten gibt, die ferne Welten erforschen. Entsprechend überprüft natürlich auch kein „Blade Runner“ die Pupillen­ak­ti­vität und erkennt so den Unterschied zwischen Mensch und Replikant. Assistenz­sys­teme moderner Autos können jedoch an den Augenbewe­gungen bereits erkennen, ob der Autofahrer müde wird und eventuell eine Pause benötigt.

Sprachas­sis­tenz­pro­gramme von Google, Apple und Amazon gehören für viele Menschen heute bereits zum Alltag. Fahrzeug-Infotain­ment-Systeme lassen sich durch Sprachbe­fehle bedienen. „Blade Runner“ sagte das voraus. Replikan­ten­jäger Deckard steuert mit seiner Stimme technische Geräte und Fahrstühle nach Belieben. Und Videotele­fo­nate, die während der Corona-Pandemie nochmal an Bedeutung für unseren Alltag gewannen, gehören auch in der „Blade Runner“-Welt bereits zum Alltag. 

Was kommt in der Zukunft?

Bereits gearbeitet wird übrigens auch an Hautfrag­menten, Knochen und Organen aus dem 3-D-Drucker. Und Tesla-Chef Elon Musk will im Rahmen des Projekts SpaceX bis 2050 eine Kolonie auf dem Mars errichten. Im August wurde eine neuartige Rakete erfolgreich getestet. Schon klingt ein Leben auf dem Mars gar nicht mehr so fern… Die Film-Fortsetzung „Blade Runner 2049“ aus dem Jahr 2017, in der Replikan­ten­jäger K, gespielt von Ryan Gosling, erneut im Flugwagen „Spinner“ unterwegs ist, spielt ein Jahr vor dieser möglichen Mars-Koloniali­sie­rung, im Jahr 2049. K erhält Luftunter­stüt­zung durch eine Drohne, führt eine Beziehung mit dem holografi­schen Programm „JOI“ und kämpft sich durch triste Sand- und Eiswüsten, die Zeugnis vergangener Nuklearkriege sind. Es bleibt zu hoffen, dass Regisseur Denis Vilneuve mit dieser Zukunfts­vi­sion daneben liegt.