Image: Drahtlos auf dem neuesten StandVernetzte Fahrzeuge sind Teil des Internets der Dinge. Per Over-the-air (OTA) können Fahrzeuge aktualisiert werden. | metamorworks
NewsConnected CarConnected Car

Drahtlos auf dem neuesten Stand

Lesezeit ca.: 3 Minuten

Updates für Tablets oder Smartphone-Geräte sind heute Standard. Auch das Fahrzeug kann sich per Over-the-air – kurz OTA – aktualisieren.

13. November 2019

Ein vernetztes Auto muss verlässlich sein – egal wo, egal wann. Es ist Teil des Internets der Dinge: Es kommuniziert mit anderen vernetzten Fahrzeugen, Smart Homes und Apps – kabellos, bei Wind und Wetter, und das möglichst an jedem Ort der Erde. In einem Zeitalter, in dem Daten als das neue Öl gelten, sind innovative Sendetech­no­lo­gien wie Over-the-air die neuen Zündkerzen für das Connected Car. Darunter verbergen sich Standards wie LTE und 5G, WLAN, Bluetooth oder NFC. Sie alle haben gemein, dass die Übertragung von Daten über elektroma­gne­ti­sche Wellen erfolgt, unsichtbar, über die Luft sozusagen.

Die Technik wird in absehbarer Zeit wesentlich höheres Gewicht haben, als es die kabelgebun­dene Infrastruktur je erreichte. Denn per OTA bekommt das Auto schon in der eigenen Garage ein Update – drahtlos ohne Prüfstand und Kfz-Meister. Wie bei einem Update für das Smartphone werden dann Fehler behoben, Aktualisie­rungen und neue Funktionen für mehr Komfort und Sicherheit bequem übertragen. Größtenteils werden heute Updates jedoch immer noch beim Servicepartner vor Ort per Kabel aufgespielt. Dabei wurden mit Einführung des automati­schen Notrufs eCall vom 31. März 2018 die technischen Vorausset­zungen für OTA-Updates durch die Ausstattung mit der Mobilfunk­schnitt­stelle (SIM-Karte) bereits geschaffen.

OTA-Vorreiter Tesla

OTA ermöglicht auch „Function on demand“: Damit können Kunden bestimmte Funktionen noch nachträg­lich beziehen oder anpassen und damit Fahrzeuge noch individu­eller als je zuvor zu gestalten. Das funktioniert bereits bei einigen digitalen Diensten von Herstellern wie BMW für die Aktualisie­rung von Kartenma­te­rial für das Navigati­ons­gerät oder Erweiterungen für das Infotain­ment­system. Auch Gebraucht­wagen-Käufer profitieren, da sie die Möglichkeit haben, Funktionen nachzurüsten, auf die der Erstkäufer verzichtet hatte. OTA kann aber auch tieferge­hende Ebenen wie Fahrwerk und Assistenz­sys­teme aktualisieren.

Zahlreiche Hersteller sind mit OTA derzeit aber noch nicht so weit, auch aus Sicherheits­be­denken. Fahrzeuge des US-amerikani­schen Autobauers Tesla dagegen empfangen längst Software­up­dates ausschlie­ß­lich per WLAN, die neue Merkmale einrichten und bestehende Funktionen verbessern. Sobald ein Update verfügbar wird, erscheint eine Nachricht auf dem Touchscreen. Der Fahrzeug­halter hat dann die Option, das Update sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt zu installieren. Alternativ kann das Update über die Mobilfunk­ver­bin­dung des Fahrzeugs erfolgen.

VW forciert OTA

VW arbeitet derzeit an einer fahrzeug­nahen IT-Architektur, die ab 2020 in der Elektro-Familie I.D. zum Einsatz kommen soll. Im Kern verzichtet diese auf verschie­dene Steuerge­räte mit hersteller­spe­zi­fi­scher Software, von denen sich heute noch bis zu 60 allein in einem Kompaktwagen befinden. Stattdessen soll es für den Kunden künftig ein einheitli­ches Betriebs­system geben, das über den Lebenszy­klus des Autos Updates und Upgrades der Systeme via einer Cloud bezieht.

Auch der rein elektrisch betriebene Porsche Taycan geht diese Richtung. Mithilfe von Over-the-Air-Services wird der Funktions­um­fang des Boliden quasi über Nacht erweitert werden. Für Erweiterungen für das Infotain­ment­system, die Motorsteue­rung oder Fahrwerks­ab­stim­mung genügt ein Update in Verbindung mit einem Smartphone oder Tablet. Ein Werkstatt­be­such wird dann seltener anstehen. Und kostspie­lige Rückrufak­tionen, die auf Software­fehler zurückzu­führen sind, könnten dank OTA künftig sogar ganz der Vergangen­heit angehören.