Image: Aquaplaning – die unterschätzte GefahrEine der gefährlichsten und am meisten unterschätzten Fahrsituationen: das Aquaplaning. | welcomia
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Aqua­pla­ning – die unter­schätzte Gefahr

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Mit dem Herbst kommt auch die Zeit der Platzregen und des Aquaplanings. Neue Technolo­gien helfen, die Gefahren nasser Straßen zu verringern.

18. September 2019

Nebel liegt wie Watte auf den Feldern. Goldgelbes Laub tanzt im Wind um die Bäume – das sind die schönen Seiten des Herbstes. Wer mit dem Auto unterwegs ist, hat es oft mit dem anderen Gesicht des Herbstes zu tun. Frost, Schnee oder sintflut­ar­tige Regengüsse – scheinbar aus dem Nichts können Gefahren auftauchen. Extreme Wetterbe­din­gungen sind für rund 39 Prozent aller Unfälle in Deutschland verantwort­lich. Eine der gefährlichsten und am meisten unterschätzten Fahrsitua­tionen: das Aquaplaning. Das ist für den Fahrer, aber auch für automati­sierte Fahrzeuge schwer vorhersehbar und schwierig zu meistern.

Plötzlicher Platzregen oder Nassschnee können Fahrbahnen im wahrsten Sinne überfluten. Durch die Gischt voranfah­render Fahrzeuge sind Pfützen und Wasserka­näle oft nicht mehr zu erkennen. Bei solchen Straßenver­hält­nissen bildet sich vor den Reifen schnell ein Wasserkeil, den das Reifenprofil nicht mehr vollständig verdrängen kann. Der Keil schiebt sich unter die Aufstands­fläche, der Reifen schwimmt auf. Die Kontrolle über das Auto geht verloren.

Aquaplaning-Assistenten warnen

Neueste Sicherheits­tech­no­lo­gien helfen nun Fahrern und Fahrzeugen, die Gefahr des Aquaplanings zu verringern. Auf Basis von Sensorin­for­ma­tionen, Software sowie Bildern von Surround-View-Kameras werden Aquaplaning-Assistenten entwickelt, die das Gefahren­po­ten­tial von nassen Straßen erkennen und den Fahrer frühzeitig warnen. Weitwinkel-Kameras in den Seitenspie­geln, im Kühlergrill und im Heck sollen mit dem Bordcomputer typische Spritz- und Sprühmuster der Reifen erkennen – und somit eine drohende Aquaplaning-Gefahr. Solche Technolo­gien sind zwar noch in der Vorentwick­lung, könnten aber zeitnah serienreif werden.

Das Problem zunehmender Aquaplaning-Gefahr haben auch die großen Autohersteller erkannt. Porsche zum Beispiel hat die neue Generation des 911 mit einem sogenannte „Wet Mode“ ausgerüstet. Die Technologie arbeitet mit Akustiksen­soren, die in den beiden vorderen Radhäusern verbaut sind. Wird Spritzwasser aufgewir­belt, registrieren das die Sensoren – und die sind sogar so intelligent, dass sie Wasser von Sand oder Schmutz unterscheiden können.

Car-to-Car-Kommunika­tion für mehr Fahrsicher­heit

Entschei­dend dafür ist das unterschied­liche Frequenz­bild. Sobald die Sensoren eine kritische Menge an Wasser auf der Fahrbahn registrieren, erhält der Fahrer die Empfehlung, den „Wet Mode“ zu aktivieren. Mehrere Fahrzeug­sys­teme werden dann neu justiert: Der Motor reagiert langsamer auf Befehle des Gaspedals, die Getriebe­steue­rung wird angepasst, ABS und ASR reagieren sensibler, die vorderen Luftklappen werden voll geöffnet und der Heckspoiler wird aktiviert, die Aerodynamik steht auf maximalem Abtrieb. Die Fahrstabi­lität steigt. Zusätzlich aktiviert auch dieses System die Car-to-Car-Kommunika­tion und teilt die gesammelten Daten mit anderen Fahrzeugen. Es entsteht ein solidari­sches Auto-Netzwerk, das sich gegenseitig mit entschei­denden Informationen für mehr Fahrsicher­heit versorgt.

Die Automobil­in­dus­trie rüstet sich weltweit für Starkrege­ner­eig­nisse, die in den kommenden Jahren vermehrt auftreten könnten. Indien etwa verzeichnet in den letzten Jahren stetig wachsende Zahlen in der Automobil­pro­duk­tion – und wird vor allem zwischen Juni und September von heftigen Niederschlägen heimgesucht. Die Aquaplaning-Gefahr ist hoch. Wenn die Motorisie­rung der 1,3 Milliarden Inder weiter so voranschreitet, muss vor allem auch für die Regenzeit vorgesorgt werden – ein großer Markt auch für Aquaplaning-Assistenten.

Richtiges Verhalten im Ernstfall

Egal ob in Indien, Island oder dem bayerischen Ismaning: So verhält man sich bei Aquaplaning, wenn keine intelligenten Assistenz­sys­teme eingreifen können: Aquaplaning kündigt sich durch eindeutige Warnsignale an – kräftiges Wasserrau­schen von unten und eine zunehmend schwammi­gere Lenkung. Bei einer solchen Notsitua­tion nicht lenken, das Lenkrad aber mit beiden Händen festhalten, Fuß vom Gas, Tempo langsam drosseln – aber nicht bremsen. Abstand zum Vordermann vergrößern, dabei Lenk- und Bremsver­suche unterlassen. Leerlauf einlegen und Fahrzeug ausrollen lassen, bis die Reifen wieder auf der Straße haften.