Image: Als Bruce Willis das Fliegen lernteBereits 2025 sollen die ersten Flugtaxis abheben. Nicht autonom, sondern wie bei „Das fünfte Element“ mit einem Piloten am Steuerknüppel. | iStock
NewsHollywood-Serie Teil 4

Als Bruce Willis das Fliegen lernte

Lesezeit ca.: 5 Minuten

Wenn Hollywood Autos entwirft, dann wirds verrückt… Obwohl, viele Film-Erfindungen sind tatsächlich automobile Realität geworden. Wir zeigen in unserer Blog-Serie, wie „Zurück in die Zukunft“, „Blade Runner“ & Co. die Automobil­welt von heute beeinflussten. Teil 4: „Das Fünfte Element“.

20. Oktober 2020

Der Fahrgast knallt durchs Autodach ins Taxi. Rote Haare und am Leib nur eine Art Bikinihose sowie ein paar seltsame weiße Bandagen. Woher kommt die Frau? Was macht sie in seinem Auto? Fahrer Korben Dallas ahnt: Das gibt Ärger. Und tatsächlich, schon kurz darauf schneidet ihm ein Wagen des New York City Police Departments den Weg ab. Doch als die junge Frau im Fond des Taxis mit Tränen in den Augen und bebender Unterlippe flüstert „Please, help“, überlegt es sich Taxichauf­feur Dallas anders und jagt davon. Verfolgt von vier Polizeistreifen brüllt er schließlich nach hinten „Hang on“, reißt das Lenkrad herum, dreht ab und rast im Sturzflug senkrecht nach unten.

Fahren ist out, Fliegen ist die neue Normalität

Man schreibt das Jahr 2263 – und New York ist deutlich gewachsen. Vor allem nach oben: Die Skyscraper kratzen nun tatsächlich am Himmel, Straßen gibt es nicht mehr. Die Mobilität im 23. Jahrhundert sieht so aus: Fahren ist out, Fliegen ist die neue Normalität. Pkw, Busse, Taxis zischen in verschie­denen Höhen zwischen den Hochhäusern durch die Rushhour. Fliegende Schnellim­biss-Mobile von der Form alter Fischerboote halten an den Fenstern, riesengroße Fahrstühle rasen an den endlosen Häuserwänden auf und ab. So stellte sich Regisseur Luc Besson in seinem mittlerweile legendären Science-Fiction-Klassiker „Das Fünfte Element“ den Verkehr der Zukunft vor. Eine wahrhaft visionäre Imagination im Jahr 1997, als der Film in die Kinos kam. Eine Vision, die es Protagonist Korben Dallas, gespielt von Bruce Willis, erlaubt, im Sturzflug vor der Polizei zu fliehen. Und so seinen Fahrgast, die Außerirdi­sche Leeloo, dargestellt von Milla Jovovich, in Sicherheit zu bringen und letztlich die Welt vor dem Untergang zu retten.“

Doch so absurd, wie eine Welt mit Flugautos erscheinen mag, ist sie gar nicht. Die Idee vom fliegenden Auto ist nur wenig jünger als das Auto selbst. Bereits 1917 versuchte der amerikani­sche Rennfahrer und Erfinder Glenn Curtiss, mit seinem „Curtiss Autoplane“ in den Luftraum vorzudringen. Auch wenn das noch nicht wirklich gelang, heute arbeiten viele große Hersteller und Start-up-Unternehmen an der Realisie­rung des automobilen Traums vom Fliegen. Immerhin prophezeite bereits Auto-Pionier Henry Ford 1940, „eine Kombination aus Flugzeug und Auto wird kommen. Ihr werdet mich belächeln, aber das fliegende Auto wird kommen."

Autonom fliegende Transport­mittel

Und es kommt: „Autonom fliegende Transport­mittel sind eine sehr interessante Möglichkeit“, sagt zum Beispiel der renommierte Zukunfts­for­scher und Unterneh­mens­be­rater der Automobil­in­dus­trie Lars Thomsen erst kürzlich im Gespräch mit dem Magazin Mobility World von M Plan (Ausgabe 1.20). „Es gibt bereits erste spannende Projekte. Das klingt futuristisch, aber diese Konzepte sind realisti­scher als viele denken.“

Zwar fliegen derzeit noch keine gelben Taxis durch New York. Auch erinnern viele derzeitige Konzepte eher an Fluggeräte als an Autos. Der Prototyp des slowakischen Herstellers Aeromobil zum Beispiel kann tatsächlich fahren und fliegen. Im Fahrmodus sind die Tragflächen zwar eingeklappt, im Flugmodus aber ähnelt die Maschine einem kleinen Passagier­flug­zeug. Vor allem der Umstand, dass eine Start- und Landebahn benötigt wird, sehen Experten als Nachteil an. Die Vision, einen Stau aus dem Stand zu überfliegen, würde damit obsolet. Das ist der Grund, warum das Unternehmen Terrafugia sich von dem einstigen Konzept mit Landebahn abkehrte und den aktuellen Prototypen TF-X entwickelte. Der hat zwar auch noch Tragflächen. Doch in diesen befinden sich bewegliche Rotoren, die einen Senkrecht­start ermöglichen. Auch die Terrafugia-Vision ist auf Fahren und Fliegen ausgelegt und kann die Tragflächen ein und ausklappen.

Automobil­kon­zerne investieren in Flugtaxi-Start-ups

Die Idee von beweglichen Rotoren in den Tragflächen hat auch das Unternehmen Lilium aus München realisiert. Denn der Senkrecht­start gilt in der Branche als wichtiges Kriterium. Allerdings kann der Lilium-Jet nicht fahren, sondern nur fliegen. Das ist ein zukunfts­wei­sendes Prinzip. Wenn es um ein Flugtaxi geht, setzen sich vermehrt ähnliche Konzepte durch: der Helikopter-Drohnen-Hybrid. Volocopter aus Deutschland, Ehang aus China, Bell aus den USA oder auch Airbus und Uber – all diese Unternehmen haben bereits Flugtaxi-Konzepte vorgestellt, die in der Form einem Helikopter, im Antrieb einer Drohne gleichen. Die Vision: Per App eine Fluggele­gen­heit anfordern, am verabredeten Startpunkt eintreffen, einsteigen, losfliegen. 

Das ähnelt Taxidiensten oder Ridesharing-Modellen. Anvisiert werden zunächst Touristen sowie Geschäfts­leute, die von Flughäfen in die Innenstadt möchten. Insgesamt ist den meisten Prototypen gemein, dass sie von Elektromo­toren angetrieben werden. Dass es nicht mehr lange dauern dürfte, bis die ersten Flüge gechartert werden können, zeigt auch die Tatsache, dass große Hersteller wie Daimler (Volocopter) oder Toyota (Ehang) in die Flugtaxi-Start-ups investiert haben.

Der VolocopterDer Helikopter-Drohnen-Hybrid – Volocopter aus Deutschland.

Bereits 2025 sollen Fluggeräte einsatzbe­reit sein

Also könnte es bald losgehen? „Rein technisch wären die Fluggeräte in fünf Jahren bereit“, sagt Thomsen. „Natürlich müssen rechtliche, regulato­ri­sche und gesellschaft­liche Aspekte geklärt werden.“ Auch wenn es nach den Herstellern geht, heben die ersten Flugtaxis bereits bis 2025 ab. Dann aber noch mit Piloten am Steuerknüppel – das autonome Fliegen ist wohl noch echte Zukunfts­musik. Auch in diesem Punkt erwies sich Regisseur Luc Besson mit „Das Fünfte Element“ als guter Visionär: Sein Held Korben Dallas muss auch im Jahr 2263 noch selbst lenken, um die Welt zu retten.