Car Stories: Barbier Andreas Reisinger
Car Stories

Automodelle im Trend

Stilecht am Bart

Ein Bild wie aus einer anderen Zeit? Nicht nur in Sachen Kleidung geht es um Trend, Mode und den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Auch Automodelle spiegeln den jeweiligen Zeitgeist wider und sind eine Typ-Frage.

27. Februar 2015

Das Foto ist kein Überbleibsel alter Tage. Andreas Reisinger gehört einer fast ausgestorbenen Branche an – denn er betreibt neben einem Tattoo-Studio auch einen Barbershop in Österreich und ist ein absoluter Autonarr. Der Beruf des Barbiers gehört zu einem fast vergessenen Bereich vergangener männlicher Körperkultur. Ende des 19. Jahrhunderts wurden diese frauenfreien Frisier-Salons der soziale Treffpunkt für einen auch mal herben Schnack zwischen den Männern des Viertels. Hier musste nicht überlegt werden, ob sich der Gesprächsgegenstand auch für die Ohren einer Frau ziemt. 

Doch durch die Möglichkeit, selbst Rasierprodukte kaufen zu können, die eine Selbstrasur immer einfacher machten, wurden Barbershops im Laufe der Jahre zur Seltenheit. Hinzu kam der Trend zu weniger Bartwuchs, der aus Barbieren zwangsläufig Unisex-Friseure machte. Nur in kleineren Szenen, zum Beispiel den Rockabillys, die den 50ern und 60er Jahren optisch treu blieben, fand der Barbier noch Andrang und Haare, die getrimmt werden mussten.

Retro-Chic

Wer wie Andreas Reisinger in 30er-Jahre-Klamotten herumläuft und sich über Körperschmuck in Form von Tattoos oder der Bartfrisur ausdrückt, der bleibt seiner Linie wahrscheinlich auch bei der Wahl des Autos treu. Man fährt das, was auch optisch zu einem passt. In diesem Fall unterstreicht ein umdesignter Mercury aus der Nachkriegszeit das Lebensgefühl des Österreichers. Denn ein Auto muss nicht nur nützlich sein, sondern auch Accessoire. Quatsch? Die Geschichte der Auto-Optik ist schon lange nicht mehr nur eine Frage der Nützlichkeit, sondern auch Ausdruck des herrschenden Zeitgeistes und seinen hervorgebrachten Trends. Ist es das alte Klischee von Hund und Herrchen? Sehen Autobesitzer vielleicht ihren Fahrzeugen ähnlich? Auf jeden Fall verkörpern auch Autos eine Einstellung und einen Lifestyle. Gerade bei Fans der alten Tage ist die Symbiose deutlich zu erkennen. Schließlich nehmen vor allem bei Fans vergangener Mode Autos einen hohen Stellenwert ein. Denn der Traum mit einem aufpolierten Mercury stilecht durch die Landschaft zu cruisen, verursacht bei vielen Auto-Nerds schwitzige Hände. Preislich über der Muttermarke Ford, aber unter dem Lincoln angesiedelt, waren die Mercury-Modelle auch immer an die Ford-Modelle angelehnt, aber besser ausgestattet.

Mehr Individualismus

Aber Fakt bleibt – wir haben eine Vorstellung von einem Auto und seinem Fahrer. Aber wonach suchen wir die Wagen aus? Geprägt von unserer Jugend und den damals vorherrschenden Modellen verbinden wir etwas mit ihnen. Darum üben nicht nur Old-, sondern gerade auch Youngtimer eine Faszination auf viele Autofans aus, die Kindheitserinnerungen mit den alten Wagen verbinden. Gleichzeitig kann man sich mit einem älteren, nicht mehr so gängigen Automodell von der Masse abheben und spiegelt seinen jungen und kreativen Wunsch zu mehr Individualismus wider. Schließlich sehen die meisten Designs der aktuellen Automodelle ziemlich gleich aus. Oder nehmen wir den alten VW-Bus, dem Inbegriff des automobilen Hippie-Images – der ewigen Suche nach Freiheit und Abenteuer. Das ist auch das, was die Faszination Auto ausmacht – sich ins Auto setzen und das Lebensgefühl Realität werden zu lassen. Einfach mal abtauchen und den eigenen Stil leben.

Der Barbier ist wieder im Trend

Und was den Bart angeht, verhält es sich ähnlich: Mittlerweile schießen Barbershops gerade in Großstädten wieder aus dem Boden. Das liegt vor allem an dem anhaltenden Trend zu mehr Bart, der sich seit dem letzten Jahr konstant hält. So bekommt das traditionsreiche Handwerk wieder mehr Aufmerksamkeit und Männer ihren alten Rückzugsort zurück – ohne Frauenzeitschriften auf dem Tisch, sondern mit Bier im Kühlschrank.