Car Stories: Hot Rod Ove und sein Team mit der „Dancing Queen“.
Car Stories

Drag Racing

„Da bebt die Erde, da wackelt die Luft“

Was bewegt Menschen dazu, ihre ganze Freizeit dem Drag Racing zu widmen? Wir haben einen von ihnen gefragt. Ove Kröger gibt uns einen Einblick in das Leben eines Tempo-Süchtigen und seines Teams, ohne welches gar nichts geht.

01. Juni 2015

Wenn Ove Kröger über Drag Racing spricht, wirkt seine Leidenschaft ansteckend: „Da bebt die Erde, da wackelt die Luft – das ist unglaublich, das ist einmalig.“. Kröger gehört zu den Autoverrückten. Sein Leben gilt aufgemotzten US-Wagen. Seitdem er 18 ist, hat er noch nie einen Kleinwagen gefahren, sondern nur Maschinen mit ordentlich „Wumms“. Als „Hot Rod Ove“ macht der Autohändler für US-Cars seit zehn Jahren die Viertelmeilen dieser Welt unsicher und geht mittlerweile mit seinem Slingshot Dragster „Dancing Queen“ in den Wettkampf.

Die Sucht nach dem „V8-Blubbersound“

Ove Kröger ist schon seit jeher ein Fan von amerikanischen Autos. Seine erste Errungenschaft kaufte er sich mit 18: einen alten Thunderbird für 2.000 Mark. Ein paar Jahre später hatte er dann das Geld zusammen und erfüllte sich zur Geburt seines Sohnes im Jahr 1997 endlich den Wunsch eines eigenen Hot Rods. „Ganz automatisch kommt man dann auch zu Drag Racing.“, erklärt Kröger. Mit seinem besten Freund ist er danach zu Rennen auf dem Hockenheim gefahren – als Zuschauer. 2005 fuhr er sein erstes Rennen. Bis heute hat es ihn nicht losgelassen – das Gefühl abzuheben. Der Lübecker war schnell erfolgreich, das hat ihn natürlich auch gepusht. Süchtig macht ihn vor allem das Adrenalin: „Ich weiß nicht, womit man das vergleichen kann, aber das ist so ähnlich wie Bungee Jumping oder ein Fallschirmsprung. Man sitzt dann da und ist angespannt – 40.000 Leute schauen einem zu.“.

Wagen oder Schleuder?

Den Namen „Dancing Queen“ hat Kröger seinem jetzigen Slingshot selbst verpasst. Zwei Jahre hat er gebraucht, um ihn fertigzustellen: „Jeder Dragster ist ein Einzelstück, es gibt keine zwei gleichen.“. In der Probephase kommen dann eventuelle Mängel zum Vorschein. An dem Wagen muss alles sitzen und einwandfrei funktionieren, sonst kann es lebensgefährlich werden. Die Dancing Queen ist der dritte Dragster von Kröger, aber der erste Slingshot, zu Deutsch „Steinschleuder“. Slingshot Dragster sind Wagen aus den 60ern mit Frontmotor, was sie noch gefährlicher macht als andere Dragster. Dabei liegt der Sitz noch hinter den Hinterrädern, was zu der Namensgebung führte. 

Und die abgebildete Maske? Die sogenannten Fuel Masks sind ebenfalls ein Relikt aus den 60ern, dienen heutzutage allerdings eher als Accessoire. Früher wurde die Gasmaske bei Rennen getragen, um sich vor Hitze und Atemgiften zu schützen. Durch die Atemschutzfilter bekam der Fahrer frische Luft. Bei richtigen Rennen sind diese veralteten Fuel Masks mittlerweile verboten. Dafür gibt es Schutzhelme, welche auch den Atemschutz übernehmen.

Auf der Viertelmeile

Auch wenn Kröger mittlerweile durch seine lange Erfahrung etwas gelassener geworden ist, das Lampenfieber holt ihn trotzdem ein. Kurz vor dem Start ist der Moment gekommen, der absoluten Konzentration und Anspannung. Denn neben all dem Adrenalinkick, ist und bleibt das Drag Racing ein lebensgefährlicher Sport, in dem alles sitzen muss. Bei dem Start des Rennens geht es um Reaktionsschnelligkeit in Millisekunden und auch um viel Intuition und eine enorme Belastung. „Man steht da mit Vollgas an der Ampel und lässt dann den Transbrake-Knopf los. Dann wird die gesamte Kraft des Motors, in meinem Fall 1.000 PS, mit einem Sprung – mit einem Mal – auf die Hinterachse gegeben und dann geht’s natürlich los. Das haut richtig rein.“, lacht Kröger. Das kann auch mal schieflaufen. Motorschäden, Getriebeschäden, Hinterachseschäden – all das hat er schon mitmachen müssen, aber das hat ihn nicht eingeschüchtert. Die Faszination bleibt. „Man fährt gegen einen anderen. Das ist wie ein moderner Ritterkampf: Zwei gehen rein, einer kommt raus.“

Sein Hobby geht sogar so weit, dass er die Hochzeit mit seiner Frau Arnie verschieben musste, um an einem Rennen teilzunehmen. Und seine Frau? Die ist immer mit dabei und steht absolut hinter ihrem Mann. Ohne seine Frau fühlt sich Kröger nicht wohl bei den Rennen: „Ich fahre am liebsten, wenn sie dabei ist, weil man als Fahrer natürlich unter einer enormen Anspannung steht und mich beruhigt das, wenn meine Frau dabei ist.“ Und Kröger fügt hinzu: „Bei jedem Rennen, das man fährt, spielt man mit seinem Leben. Ich habe ja eine Beschleunigung von 0 auf 300 in 7,5 Sekunden und da kann das Leben schnell zu Ende sein. Da muss man sich darauf verlassen können, dass die Handgriffe sitzen.“ Aber familiäre Unterstützung in seinem Team hat er nicht nur von seiner Frau: Krögers Neffe Joel Sander, hin und wieder auch die beiden 15- und 17-jährigen Söhne Felix und Johannes sind mit am Start. Das gibt Sicherheit, das sind die Menschen, denen Kröger vertraut. Und genug vom Drag Racing wird er wahrscheinlich nie haben: „Die Beschleunigung macht den Reiz aus, diese enorme Beschleunigung macht den Kick. Wenn man aus dem Stand loskatapultiert“ so Kröger, „das bietet kein anderer Sport, das kann nur Drag Racing. Also ein Formel1-Auto ist langsamer.“.