Car Stories: Plymouth Belvedere „Desperado“
Car Stories

Plymouth Belvedere

Der Desperado aus der Wüste

Dieser 65er Plymouth Belvedere bretterte mit Vollgas über den Dragstrip des Las Vegas Motor Speedway. Der rote Desperado macht seinem Namen alle Ehre und führt uns zu einer weiteren Jahrhundertmarke der Automobilgeschichte: Plymouth.

23. Juli 2015

„Desperado“ ist ein 65er Plymouth Belvedere. Der Name des Nostalgia Funny Car kommt nicht von ungefähr. Desperados sind Gesetzlose, die nichts mehr zu verlieren haben. Daher gilt für sie: keine Rücksicht auf Verluste. Bei 500 PS bleibt auch wenig Zeit für Rücksicht. Wer solche Wagen auf die Viertelmeile bringt, der will als Sieger aus dem Rennen gehen. Konzentration pur. Dabei muss eines die oberste Priorität haben: das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Plymouth

Plymouth wurde 1928 als Tochter von Chrysler gegründet. Der Name Plymouth hat einen patriotischen Hintergrund. Er entspringt zwar nicht dem US-amerikanischen Westen wie die Desperados, dafür erinnert er an den Entdecker-Ehrgeiz der amerikanischen Urväter. Englische Siedler segelten 1620 auf der Mayflower in das Neuland und landeten im heutigen Massachussets. Den Ort, an dem sie ankamen, benannten die Pilgrims nach ihrem Ursprungsort in England: Plymouth. Chrysler wollte mit dem Namen die Willensstärke und die Entschlusskraft ihrer Urväter auf die Marke projizieren. Denn genauso – mit großer Willenskraft und Entschlossenheit – ging Chrysler die neue Marke an. Im niedrigeren Preissegment als die Mutterfirma angesiedelt, sollte Plymouth mit Ford und Chevrolet konkurrieren können – was auch gelang. Das letzte Modell war der Plymouth Neon aus dem Jahr 2001.

Miss Belvedere

Eine der bekanntesten Anekdoten über den Belvedere ist wohl das „Begräbnis“ im Jahr 1957 in Tulsa, Oklahoma. Ein nagelneuer Belvedere sollte für 50 Jahre vergraben  werden, um der Nachwelt einen Eindruck über die damalige Zeit zu geben und die Haltbarkeit der Plymouth-Modelle zu beweisen. Er bekam sogar einen eigenen Sarg, der so robust war, dass ihm neben Wasser und anderen witterungsbedingten Gefahren angeblich auch ein Atomangriff nichts anhaben konnte. Der Wagen wurde auf den Namen „Miss Belvedere“ getauft. Bei der Ausgrabung im Jahr 2007 wurde allerdings ein vollkommen verrotteter Wagen aus der Erde geholt. Die Versprechungen, auch noch nach 50 Jahren eine Miss Belvedere in Topzustand auszugraben, erfüllten sich leider nicht.

Las Vegas Motor Speedway

Alte Modelle von Plymouth werden nach wie vor gerne zu Dragstern umgebaut und sind Gast auf den Rennstrecken dieser Welt, wie zum Beispiel auf dem Las Vegas Motor Speedway in Nevada. Dort war der Desperado Teil eines Dragster-Rennens. Auf dem Speedway können aber auch private Drag Races gefahren werden. Dafür stehen jede Woche zwei Termine zur Verfügung. Gerade wird in Las Vegas noch ein weiteres Highlight für PS-Fans geplant: Speedvegas. Hierbei handelt es sich um eine Rennstrecke in der Wüste Nevadas, auf der Autofahrer das Limit ihrer eigenen oder gemieteten Wagen austesten können. Eine Rennstrecke, angelehnt an Formel 1 Strecken, die auch für „Normalos“ zugänglich ist und befahren werden kann – sogar bei Nacht. In Las Vegas ist eben alles möglich. Speedvegas soll Anfang 2016 eröffnet werden. Dann kann jeder einmal ein Tempo-Desperado sein – ohne Rücksicht auf ein Limit.