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Car StoriesMercury Comet

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Lesezeit ca.: 3 Minuten

In einem Mercury Comet den Sonnenun­ter­gang genießen. Das war damals nicht nur für die amerikani­sche Jugend ein Traum. In den Fünfzigern schwappte der Rock ’n Roll sowie Pomade und jugendliche Rebellion bis nach Europa. Da war ein Auto nicht nur Fahrzeug – nein, es wurde zum Symbol für Freiheit und Unabhängig­keit. Sowie unser Mercury Comet aus dem Jahr 1972.

23. November 2015

Einer machte den Mercury weltberühmt. Mitte der 50er spielte sich James Dean zusammen mit einem 49er Mercury in die Herzen der Jugend. In dem Film „Rebell without a cause“, oder auf Deutsch „Denn sie wissen nicht, was sie tun“, fuhr der Mädchent­raum James Dean mit seinem Mercury als Outlaw durch die Welt auf der Suche nach Anerkennung. So sprach er Millionen von Jugendli­chen aus der Seele. Genau zu diesem Zeitpunkt kam eine Generation zu Wort, die dem konserva­tiven Amerika entfliehen wollte. Dieser Trend kam auch in Europa an und die Halbsstarken waren geboren. Sie verdienten jetzt genug eigenes Geld, um sich solch ein Statussymbol wie einen Wagen leisten zu können. Natürlich sprang der Automobil-Markt auf den Zug auf und lockte die neue Kundschaft an. Die Jugend war es leid, von Papi rumkutschiert zu werden, und wollte das Privileg des Fahrens auch für sich. Allerdings weg von dem Familien­schlitten hin zu dem Vorbild James Deans: Röhrende Maschinen, die um die Wette fuhren – das war was für die echten Kerle. So wurde das Auto in den 60ern nicht nur Statussymbol, sondern auch das Symbol für den Freiheits­trieb der Jugend.

Kompakt soll es sein

Lederjacken, Petticoats und vor allen Dingen starke Motoren begannen die Welt zu erobern. Mercury gelang es den Wünschen der Halbstarken gerecht zu werden. Die Marke startete nach dem Weltkrieg mit dem ersten Modell richtig durch. Der Mercury Comet kam dann zwischen 1960 bis 1977 vom Band und wollte die Ära der Straßenkreuzer ablösen. Ein Wagen für die aufstrebende Mittelschicht sollte er werden. Von Edsel Ford, dem Sohn Henry Fords, höchstper­sön­lich aus dem Boden gestampft, sollten auch Kompaktwagen endlich durchstarten. Der Plan ging zu Beginn auch auf. In der Nachkriegs­zeit schossen die Verkaufs­zahlen nach oben. Doch zu Beginn der 60er Jahre waren die Kompaktwagen nicht mehr begehrt, trotz der insgesamt hohen Verkaufs­zahlen in der Automobil­branche. Es sollten wieder Straßenkreuzer sein – also längere und breitere Wagen. Mercury verlor seine Kundschaft um ein Fünftel, bis es seine Modelle dem neuen Trend anpasste.

Nie wieder in Bestform

Doch der Mercury war nicht nur etwas für Rowdys aus der Mittelklasse. Später wurden ältere Modelle vor allen Dingen eines: günstig. Auch Charles Bukowski „gönnte“ sich aus diesem Grund einen 62er Mercury Comet. Einmal schrieb er, welchen Radau er beim Starten seiner alten Kiste in der Nachbarschaft veranstal­tete. Der Qualm und Gestank trieb seine Nachbarin vor die Tür und in den Wahnsinn. Ob er es da schon geahnt hat? Nach 70 Jahren kam dann das Aus für die Tochter von Ford. Nach einem großartigen Einstieg in der Anfangsphase dümpelten die Verkaufs­zahlen immer weiter von einem Umsatztief zum nächsten. Mercury war der Mutter Ford optisch einfach zu ähnlich. 2010 war es dann vorbei. Aber in Vergessen­heit wird diese Marke so schnell nicht geraten. Auch heute noch lassen die alten Modelle vor allen Dingen Hot-Rodder-Herzen höherschlagen. Mit einem Mercury V8 hatte man, zumindest gefühlt, seine Eintritts­karte zu einem schnellen Weg in die Freiheit. Oder die auf den Feierabend beschränkte Version davon. So wie damals.