Car Stories: Mercury Comet
Car Stories

Mercury Comet

Denn sie wissen nicht, was sie tun

In einem Mercury Comet den Sonnenuntergang genießen. Das war damals nicht nur für die amerikanische Jugend ein Traum. In den Fünfzigern schwappte der Rock ’n Roll sowie Pomade und jugendliche Rebellion bis nach Europa. Da war ein Auto nicht nur Fahrzeug – nein, es wurde zum Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit. Sowie unser Mercury Comet aus dem Jahr 1972.

23. November 2015

Einer machte den Mercury weltberühmt. Mitte der 50er spielte sich James Dean zusammen mit einem 49er Mercury in die Herzen der Jugend. In dem Film „Rebell without a cause“, oder auf Deutsch „Denn sie wissen nicht, was sie tun“, fuhr der Mädchentraum James Dean mit seinem Mercury als Outlaw durch die Welt auf der Suche nach Anerkennung. So sprach er Millionen von Jugendlichen aus der Seele. Genau zu diesem Zeitpunkt kam eine Generation zu Wort, die dem konservativen Amerika entfliehen wollte. Dieser Trend kam auch in Europa an und die Halbsstarken waren geboren. Sie verdienten jetzt genug eigenes Geld, um sich solch ein Statussymbol wie einen Wagen leisten zu können. Natürlich sprang der Automobil-Markt auf den Zug auf und lockte die neue Kundschaft an. Die Jugend war es leid, von Papi rumkutschiert zu werden, und wollte das Privileg des Fahrens auch für sich. Allerdings weg von dem Familienschlitten hin zu dem Vorbild James Deans: Röhrende Maschinen, die um die Wette fuhren – das war was für die echten Kerle. So wurde das Auto in den 60ern nicht nur Statussymbol, sondern auch das Symbol für den Freiheitstrieb der Jugend.

Kompakt soll es sein

Lederjacken, Petticoats und vor allen Dingen starke Motoren begannen die Welt zu erobern. Mercury gelang es den Wünschen der Halbstarken gerecht zu werden. Die Marke startete nach dem Weltkrieg mit dem ersten Modell richtig durch. Der Mercury Comet kam dann zwischen 1960 bis 1977 vom Band und wollte die Ära der Straßenkreuzer ablösen. Ein Wagen für die aufstrebende Mittelschicht sollte er werden. Von Edsel Ford, dem Sohn Henry Fords, höchstpersönlich aus dem Boden gestampft, sollten auch Kompaktwagen endlich durchstarten. Der Plan ging zu Beginn auch auf. In der Nachkriegszeit schossen die Verkaufszahlen nach oben. Doch zu Beginn der 60er Jahre waren die Kompaktwagen nicht mehr begehrt, trotz der insgesamt hohen Verkaufszahlen in der Automobilbranche. Es sollten wieder Straßenkreuzer sein – also längere und breitere Wagen. Mercury verlor seine Kundschaft um ein Fünftel, bis es seine Modelle dem neuen Trend anpasste.

Nie wieder in Bestform

Doch der Mercury war nicht nur etwas für Rowdys aus der Mittelklasse. Später wurden ältere Modelle vor allen Dingen eines: günstig. Auch Charles Bukowski „gönnte“ sich aus diesem Grund einen 62er Mercury Comet. Einmal schrieb er, welchen Radau er beim Starten seiner alten Kiste in der Nachbarschaft veranstaltete. Der Qualm und Gestank trieb seine Nachbarin vor die Tür und in den Wahnsinn. Ob er es da schon geahnt hat? Nach 70 Jahren kam dann das Aus für die Tochter von Ford. Nach einem großartigen Einstieg in der Anfangsphase dümpelten die Verkaufszahlen immer weiter von einem Umsatztief zum nächsten. Mercury war der Mutter Ford optisch einfach zu ähnlich. 2010 war es dann vorbei. Aber in Vergessenheit wird diese Marke so schnell nicht geraten. Auch heute noch lassen die alten Modelle vor allen Dingen Hot-Rodder-Herzen höherschlagen. Mit einem Mercury V8 hatte man, zumindest gefühlt, seine Eintrittskarte zu einem schnellen Weg in die Freiheit. Oder die auf den Feierabend beschränkte Version davon. So wie damals.