Image: Komplette Palette in Sachen AggregateträgerbauM PlanM PlanGut geschützt vor neugierigen Blicken: Bis Ende des Jahres sollen bis zu 15 Aggregateträger aufgebaut sein.
ErfahrungsberichteFahrzeugbau

Komplette Palette in Sachen Aggre­ga­te­trä­gerbau

Lesezeit ca.: 5 Minuten

Ausweitung des mobility engineering bei M Plan Wolfsburg: Nach Anmietung von weiteren 1.000 Quadratme­tern Werkstatt­fläche in Haldensleben (Sachsen-Anhalt) hat die Niederlas­sung ihr Leistungs­spek­trum im Bereich Fahrzeugbau um den Aufbau von Aggregate­trä­gern erweitert.

10. Dezember 2015

Für Dr. Todor Zahariev, Stellver­tre­tender Niederlas­sungs­leiter von M Plan Wolfsburg, ist es ein logischer Schritt: „Wir haben unseren OEM-Kunden im Rahmen diverser Modellpfle­ge­pro­jekte bewiesen, dass bei uns Kompetenz, Prozesse, Qualität und Termintreue stimmen. Da lag es nahe, auf Basis entsprechender Investitionen die nächste Stufe, den kompletten Aufbau von Aggregate­trä­gern, anzugehen. Mit der Anmietung der Halle in Haldensleben, die neben der großen Werkstatt­fläche auch Räumlich­keiten für den Backoffice-Bereich bietet, wurde dieses Vorhaben erfolgreich in die Tat umgesetzt.“Damit entspricht der mobility engineering-Spezialist der Vergabestra­tegie der OEMs, die nach den Worten von M Plan-Vertriebs­leiter Nord Holger Schramm „eine immer umfassen­dere Delegation von Verantwor­tung an die zentralen Entwicklungs­partner vorsieht“. So auch im Bereich Aggregate­träger, wo das Aufgaben­spek­trum von der Klärung technischer Details bis zur Inbetrieb­nahme reicht. Gekoppelt ist das Ganze in der Regel an enggefasste Terminpläne, die für die reine Aufbauphase ein Zeitfenster von mehreren Wochen veranschlagen. „Das“, so Dr. Todor Zahariev, „lässt sich nur von einem verlässli­chen Partner bewerkstel­ligen, der neben der benötigten Manpower über stabile Prozesse und die entsprechenden technischen Ausstattungen verfügt.“

Mehr als 20 Hebebühnen

M Plan kann all das vorweisen. So stehen an den rund 60 Kilometer voneinander entfernten Standorten Wolfsburg und Haldensleben mehr als 20 Hebebühnen zur Verfügung. Dazu kommen unter anderem zwei elektroni­sche Achsvermes­sungs­stände, Klimafüll­ge­räte, Schweißsta­tionen für die Durchfüh­rung von Improvisa­ti­ons­ar­beiten und demnächst auch Bremsenfüll­ge­räte für Neufahrzeuge. Darüber hinaus sind alle notwendigen Anbindungen an die OEM-Systeme vorhanden, so dass die Fahrzeuge im Hinblick auf Software­be­da­tung und Software­ak­tua­li­sie­rungen auf Stand gebracht werden können. „Wir haben zum Beispiel die Möglichkeit, Systeme wie das aktive Zylinder­ma­nage­ment ACT zu aktivieren.“ Mittelfris­tiges Ziel ist es, die technische Ausstattung für beide Standorte zu duplizieren. Darüber hinaus läuft die Zertifizie­rung der Haldensle­bener Halle nach VDA-Norm. Die Nutzung des neuen Angebots ist schon jetzt bemerkens­wert: Bis Ende des Jahres sollen bereits bis zu 15 Aufbauten von Aggregate­trä­gern realisiert sein.

Der Ablauf der Projekte ist jeweils exakt durchgeplant: Nach der Erteilung des Bauauftrags erfolgt im ersten Schritt die Technikklä­rung. Bei einem Kick-off-Meeting mit dem OEM werden der technische Rahmen der Beauftra­gung abgesteckt und Details geklärt. Dabei geht es um Fragen wie: Was muss verbaut werden, welche Teile davon sind Serienteile, wo gibt es Abweichungen von der Serie? Danach ist M Plan Wolfsburg am Zug. Es folgen die Prozesssteue­rung und Arbeitsvor­be­rei­tung mit der Organisa­tion der Beschaffungs­pro­zesse und der Erstellung der Timings sowie die Teilelogistik.

Bei Letzterer ist es Aufgabe der zuständigen Mitarbeiter, dafür zu sorgen, dass Mechanikern und Mechatro­ni­kern die für den Aufbau der Aggregate­träger benötigten Teile rechtzeitig zur Verfügung stehen. Keine leichte Aufgabe, da nur die wenigsten Ausstattungen, wie zum Beispiel Motor, Hand-/Fußhebel­werk, Vorderachse, Armaturen­brett, direkt vom OEM bereitge­stellt werden. Der Löwenanteil der Teile kommt direkt von Lieferanten, so dass die entsprechenden Aufträge über das OEM-System auf den Weg gebracht werden müssen. Zu diesem Zweck sind die Logistiker teilweise direkt beim Kunden vor Ort tätig. 

Improvisa­tion gehört dazu

Für die Montage der Aggregate­träger stehen am Ende des Prozesses neben der aus Dach, Kotflügeln und Türen bestehenden Rohkarosse sowie den weiteren Zuliefer­teilen des OEMs zahlreiche Teilekisten der Lieferanten bereit. Der Zusammenbau selbst erfolgt auf Basis bereitge­stellter Unterlagen, zu denen unter anderem Montagean­wei­sungen, Produktdaten und Manuals, aber auch das Virtual Try-out (VTO) des OEMs gehören. Im VTO sind entsprechende Zusammen­bausze­na­rios nachzuver­folgen, die sowohl für die Routings als auch für die Verifizie­rung bestimmter Einbausi­tua­tionen genutzt werden. Etwa wenn es um die genaue Baureihen­folge bei der Türverklei­dung inklusive der Fensterheber geht oder wenn Probleme mit nicht passenden Klimalei­tungen im Vorderwagen auftreten und ein Abgleich zum Serienstand notwendig wird.

Apropos Serie: Aufbauten von Aggregate­trä­gern weichen naturgemäß vom Serienstand ab. Das betrifft nicht nur „Klassiker“ wie breitere Kotflügel, sondern auch Feinheiten im Detail, beispiels­weise was die schon angespro­chenen Routings für die Leitungen der Klimaanlage betrifft. „Da gibt es zum Beispiel Abschirm­bleche, die anders verschraubt werden müssen“, weiß Dr. Todor Zahariev. Aber auch ansonsten ist man auf handwerk­liche Improvisa­tionen eingestellt: „Wir sind zwar im klassischen Sinn keine Modellbauer, sind aber durch Schweißen und Biegearbeiten jederzeit in der Lage, erforder­liche Anpassungen vorzunehmen.“

Umfassende Inbetrieb­nahme

Die eigentliche Inbetrieb­nahme der Aggregate­träger erfolgt durch speziell geschulte Fachkräfte. „Wie bereits erwähnt, haben wir durch die Anbindung an die OEM-Systeme die Möglichkeit, die noch jungfräu­liche Kombination von Motor und Karosserie mit der entsprechenden Software zu bedaten und das Ganze anschlie­ßend in Betrieb zu nehmen. Das reicht bis hin zur Ansteuerung der Fensterheber und schließt auch das Scharfstellen der Wegfahrsperre ein – eine wesentliche Anforderung im Hinblick auf die Prototypen­si­cher­heit.“ Neben der statischen kann in Haldensleben auch eine erste dynamische Inbetrieb­nahme vorgenommen werden. Diese erfolgt jedoch in der Regel im Rahmen der mehrere Tage dauernden Qualitäts­ab­nahme beim OEM.

Bliebe als nächster logischer Schritt der Aufbau kompletter Prototypen. Eine Option für M Plan? „Das ist für uns durchaus ein weiterfüh­rendes Ziel, das wir uns vorstellen können“, bestätigt Dr. Todor Zahariev. „In diesem Zusammen­hang müsste dann natürlich auch über notwendige Sicherheits­as­pekte wie Sicht- und Fotografier­schutz nachgedacht werden.“ Eines jedenfalls scheint sicher: Mit dem Aufbau von Aggregate­trä­gern ist das Ende der (Dienstleis­tungs-)Fahnenstange bei M Plan Wolfsburg noch lange nicht erreicht.

Ausgabe 2015/04

Ausgabe 2015/04

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