Aggregateträgerbau bei der Niederlassung Wolfsburg
Erfahrungsberichte

Fahrzeugbau

Komplette Palette in Sachen Aggregateträgerbau

Ausweitung des mobility engineering bei M Plan Wolfsburg: Nach Anmietung von weiteren 1.000 Quadratmetern Werkstattfläche in Haldensleben (Sachsen-Anhalt) hat die Niederlassung ihr Leistungsspektrum im Bereich Fahrzeugbau um den Aufbau von Aggregateträgern erweitert.

10. Dezember 2015

Für Dr. Todor Zahariev, Stellvertretender Niederlassungsleiter von M Plan Wolfsburg, ist es ein logischer Schritt: „Wir haben unseren OEM-Kunden im Rahmen diverser Modellpflegeprojekte bewiesen, dass bei uns Kompetenz, Prozesse, Qualität und Termintreue stimmen. Da lag es nahe, auf Basis entsprechender Investitionen die nächste Stufe, den kompletten Aufbau von Aggregateträgern, anzugehen. Mit der Anmietung der Halle in Haldensleben, die neben der großen Werkstattfläche auch Räumlichkeiten für den Backoffice-Bereich bietet, wurde dieses Vorhaben erfolgreich in die Tat umgesetzt.“Damit entspricht der mobility engineering-Spezialist der Vergabestrategie der OEMs, die nach den Worten von M Plan-Vertriebsleiter Nord Holger Schramm „eine immer umfassendere Delegation von Verantwortung an die zentralen Entwicklungspartner vorsieht“. So auch im Bereich Aggregateträger, wo das Aufgabenspektrum von der Klärung technischer Details bis zur Inbetriebnahme reicht. Gekoppelt ist das Ganze in der Regel an enggefasste Terminpläne, die für die reine Aufbauphase ein Zeitfenster von mehreren Wochen veranschlagen. „Das“, so Dr. Todor Zahariev, „lässt sich nur von einem verlässlichen Partner bewerkstelligen, der neben der benötigten Manpower über stabile Prozesse und die entsprechenden technischen Ausstattungen verfügt.“

Mehr als 20 Hebebühnen

M Plan kann all das vorweisen. So stehen an den rund 60 Kilometer voneinander entfernten Standorten Wolfsburg und Haldensleben mehr als 20 Hebebühnen zur Verfügung. Dazu kommen unter anderem zwei elektronische Achsvermessungsstände, Klimafüllgeräte, Schweißstationen für die Durchführung von Improvisationsarbeiten und demnächst auch Bremsenfüllgeräte für Neufahrzeuge. Darüber hinaus sind alle notwendigen Anbindungen an die OEM-Systeme vorhanden, so dass die Fahrzeuge im Hinblick auf Softwarebedatung und Softwareaktualisierungen auf Stand gebracht werden können. „Wir haben zum Beispiel die Möglichkeit, Systeme wie das aktive Zylindermanagement ACT zu aktivieren.“ Mittelfristiges Ziel ist es, die technische Ausstattung für beide Standorte zu duplizieren. Darüber hinaus läuft die Zertifizierung der Haldenslebener Halle nach VDA-Norm. Die Nutzung des neuen Angebots ist schon jetzt bemerkenswert: Bis Ende des Jahres sollen bereits bis zu 15 Aufbauten von Aggregateträgern realisiert sein.

Der Ablauf der Projekte ist jeweils exakt durchgeplant: Nach der Erteilung des Bauauftrags erfolgt im ersten Schritt die Technikklärung. Bei einem Kick-off-Meeting mit dem OEM werden der technische Rahmen der Beauftragung abgesteckt und Details geklärt. Dabei geht es um Fragen wie: Was muss verbaut werden, welche Teile davon sind Serienteile, wo gibt es Abweichungen von der Serie? Danach ist M Plan Wolfsburg am Zug. Es folgen die Prozesssteuerung und Arbeitsvorbereitung mit der Organisation der Beschaffungsprozesse und der Erstellung der Timings sowie die Teilelogistik.

Bei Letzterer ist es Aufgabe der zuständigen Mitarbeiter, dafür zu sorgen, dass Mechanikern und Mechatronikern die für den Aufbau der Aggregateträger benötigten Teile rechtzeitig zur Verfügung stehen. Keine leichte Aufgabe, da nur die wenigsten Ausstattungen, wie zum Beispiel Motor, Hand-/Fußhebelwerk, Vorderachse, Armaturenbrett, direkt vom OEM bereitgestellt werden. Der Löwenanteil der Teile kommt direkt von Lieferanten, so dass die entsprechenden Aufträge über das OEM-System auf den Weg gebracht werden müssen. Zu diesem Zweck sind die Logistiker teilweise direkt beim Kunden vor Ort tätig. 

Improvisation gehört dazu

Für die Montage der Aggregateträger stehen am Ende des Prozesses neben der aus Dach, Kotflügeln und Türen bestehenden Rohkarosse sowie den weiteren Zulieferteilen des OEMs zahlreiche Teilekisten der Lieferanten bereit. Der Zusammenbau selbst erfolgt auf Basis bereitgestellter Unterlagen, zu denen unter anderem Montageanweisungen, Produktdaten und Manuals, aber auch das Virtual Try-out (VTO) des OEMs gehören. Im VTO sind entsprechende Zusammenbauszenarios nachzuverfolgen, die sowohl für die Routings als auch für die Verifizierung bestimmter Einbausituationen genutzt werden. Etwa wenn es um die genaue Baureihenfolge bei der Türverkleidung inklusive der Fensterheber geht oder wenn Probleme mit nicht passenden Klimaleitungen im Vorderwagen auftreten und ein Abgleich zum Serienstand notwendig wird.

Apropos Serie: Aufbauten von Aggregateträgern weichen naturgemäß vom Serienstand ab. Das betrifft nicht nur „Klassiker“ wie breitere Kotflügel, sondern auch Feinheiten im Detail, beispielsweise was die schon angesprochenen Routings für die Leitungen der Klimaanlage betrifft. „Da gibt es zum Beispiel Abschirmbleche, die anders verschraubt werden müssen“, weiß Dr. Todor Zahariev. Aber auch ansonsten ist man auf handwerkliche Improvisationen eingestellt: „Wir sind zwar im klassischen Sinn keine Modellbauer, sind aber durch Schweißen und Biegearbeiten jederzeit in der Lage, erforderliche Anpassungen vorzunehmen.“

Umfassende Inbetriebnahme

Die eigentliche Inbetriebnahme der Aggregateträger erfolgt durch speziell geschulte Fachkräfte. „Wie bereits erwähnt, haben wir durch die Anbindung an die OEM-Systeme die Möglichkeit, die noch jungfräuliche Kombination von Motor und Karosserie mit der entsprechenden Software zu bedaten und das Ganze anschließend in Betrieb zu nehmen. Das reicht bis hin zur Ansteuerung der Fensterheber und schließt auch das Scharfstellen der Wegfahrsperre ein – eine wesentliche Anforderung im Hinblick auf die Prototypensicherheit.“ Neben der statischen kann in Haldensleben auch eine erste dynamische Inbetriebnahme vorgenommen werden. Diese erfolgt jedoch in der Regel im Rahmen der mehrere Tage dauernden Qualitätsabnahme beim OEM.

Bliebe als nächster logischer Schritt der Aufbau kompletter Prototypen. Eine Option für M Plan? „Das ist für uns durchaus ein weiterführendes Ziel, das wir uns vorstellen können“, bestätigt Dr. Todor Zahariev. „In diesem Zusammenhang müsste dann natürlich auch über notwendige Sicherheitsaspekte wie Sicht- und Fotografierschutz nachgedacht werden.“ Eines jedenfalls scheint sicher: Mit dem Aufbau von Aggregateträgern ist das Ende der (Dienstleistungs-)Fahnenstange bei M Plan Wolfsburg noch lange nicht erreicht.

Ausgabe 2015/04

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