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Car StoriesTriumph Spitfire 1500

Wenn Kinder­träume wahr werden – Der Spit­fire

Lesezeit ca.: 4 Minuten

Sammler und Schrauber aus Leidenschaft: Unser Fahrzeuga­kus­tiker Tobias Olschewski aus der Niederlas­sung Stuttgart hat schon einige Wagen in seiner Garage stehen. Zwei Exemplare mit ganz besonderer Geschichte stellen wir hier mit stolzer Brust in unseren Car Stories inside vor. Den Anfang macht der Triumph Spitfire 1500.

20. April 2016

Innerhalb von zwei Wochen hatte Tobias Olschewski seinen Oldtimer komplett zerlegt. Das war der „einfache Teil“. Die gesamte Restaura­tion hat sechs Jahre gedauert. Sechs sehr, sehr lange Jahre. „Da gab’s Leute, die haben schon darüber gelacht“, muss er lächelnd eingestehen. Doch: Ein Mann, ein Wort. Entgegen einiger Erwartungen stand der Spitfire dann eines Tages fertig bei ihm vor der Tür. Da sind die Nachbarn sogar zusammen­ge­laufen und haben das Ergebnis bestaunt. Wer zuletzt lacht, hat manchmal einfach den längeren Atem – und in diesem Fall eine besonders hohe Benzinkon­zen­tra­tion im Blut. 

Sein Triumph Spitfire aus dem Jahr 1979 ist ein optisches Highlight. Hier wurde restauriert, was das Zeug hält. Das war am Anfang gar nicht so geplant, verrät der KFZ-Meister. Nach einem Besuch auf einem Oldtimer­treffen, zusammen mit seinen Eltern, war der damals 12-Jährige ganz hin und weg von dem britischen Klassiker. Als er ihn sich dann schließlich mit 19 Jahren zulegte, sollte er vor allen Dingen einfach nur fahrtaug­lich gemacht werden. Pragmati­scher Ansatz, der eigentliche Wahnsinn ging erst im Nachgang los. Bei einem weiteren Oldtimer­treffen, als er den komplett hergerich­teten Spitfire eines anderen Besitzers sah, packte ihn das Fieber – Herausfor­de­rung angenommen! 

Restaurieter Triumph Spitfire 1500

Klar ist: Wer ein bequemes und komforta­bles Auto will, ist bei einem Spitfire an der falschen Adresse. Durch die damals kostengüns­ti­gere Produktion ist das Stück aus englischem Hause eine ganz schöne Herausfor­de­rung. Es muss gezähmt werden. Hier entbrennt wahrschein­lich nur bei wahrer Liebe für die Materie heiße Leidenschaft. Für die meisten anderen kann solch ein Auto beim Fahren auch zum absoluten Hassobjekt werden. Trotz der großartigen Optik. Früher galt der Spitfire eher als Studenten­auto: Also häufig produziert und im Rahmen meist eher bescheidener Möglichkeiten. Dafür kam Tobias Olschewski aber problemlos an Ersatzteile.

Um diesen Spitfire wieder startklar und nach seinen Wünschen ansehnlich zu machen, hat der Stuttgarter einiges an dem Wagen vorgenommen. Angefangen hat er mit der sogenannten „Frame Off Restaura­tion“, einer Restaura­tion von Kopf bis Fuß, bei dem Rahmen und den Achsen. Nach neun Monaten war er fertig – auch mit dem Motor. Die Karosserie war dann sehr aufwendig. Das Abtragen des alten Lacks hat insgesamt fünf Monate gedauert. Seine Motivation: „Schönes Wetter, das Auto in dem Zustand, wie es jetzt ist, und dann reinsteigen und losfahren.“ Erst nach zwei Jahren kam zusammen, was zusammen gehört: Die Karosserie und das Fahrzeug feierten Hochzeit. Nun fehlte noch neuer Lack und der Einbau der Innenaus­stat­tung sowie der Anbauteile. Tobias hatte jede Schraube des Wagens in der Hand und kennt seinen Spitfire in- und auswendig. Die erste Ausfahrt? „Erstmal zur Tankstelle.“

Immer mit dabei, wenn er den Triumph fährt: Ein dünner, gelber Schlauch, den er sich umlegt wie ein Stethoskop. Zwar gibt es Unterdruck­mess­ge­räte, um die Vergaser zu synchroni­sieren, sodass die gleiche Menge Luft pro Zylinder angesaugt wird. Für Tobias Olschewskis Ansprüche sind die Toleranzen der Unterdruck­mess­ge­räte aber zu grob: „Deswegen hab‘ ich hier einfach diesen Schlauch. Ein Ende ins Ohr und das andere in den Vergaser – kann ich dann auch wunderbar kalibrieren.“ Das sei viel genauer als jedes Messgerät. „Es sieht zwar vielleicht ein wenig eigenartig aus, wenn ich mit dem Schlauch im Ohr auf dem Parkplatz stehe, aber so kann ich die korrekte Einstellung viel präziser justieren.“ Tobias Olschewski – der Autodoktor mit selbstge­bautem Spezial-Stethoskop. 

Wenn der Wagen denn dann „gesund“ ist und wie ein Kätzchen schnurrt, geht es am liebsten bei Sonnenschein raus. Olschewski nennt den Spitfire sein „Schönwet­ter­auto“ und „Schlechte-Laune-Killer“. Mal einen miesen Tag gehabt? Unser Autodoktor kennt das richtige Allheilmittel: „100 Meter mit dem Auto und alles ist vergessen.“ Nicht vergessen kann Tobias Olschewski dagegen seinen größten Traum: Einmal in Italien an der Mille Miglia teilnehmen. Leider ist die Startgebühr noch nicht drin. Aber: „In diesem Leben will ich das noch erreichen.“ Bisher hat es mit „dem Träume verwirkli­chen“ ja ganz gut funktioniert. Warum also nicht auch mit diesem?

Tobias Olschewski hat nicht nur diesen einen Traumwagen in seiner Garage stehen. Welche Patienten der Autodoktor sonst noch hegt und pflegt und warum es ihm auch dabei wieder ganz besonders um den Sound geht, das erzählen wir in der nächsten „Car Story inside“…