Professor Christian Schäfers (Hochschule Osnabrück) und Christoph Lucas-Melcher (Niederlassungsleiter M Plan Osnabrück von M Plan) Professor Christian Schäfers (Hochschule Osnabrück) und Christoph Lucas-Melcher (Niederlassungsleiter M Plan Osnabrück von M Plan)
Erfahrungsberichte

Projekt Delta-Alpha

Klebetechnologien

Lesezeit ca.: 3 Minuten

Mitarbeiter von M Plan entwickeln gemeinsam mit Forschern der Hochschule Osnabrück neue Klebetechnologien für den Automobil-Leichtbau.

17. Mai 2016

Schneller, schicker, größer: Das war lange Zeit das Mantra der Automobilindustrie bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge. Heute gilt vor allem: Leichter müssen sie sein, die Autos von heute und morgen. Diät beim Autobau ist Pflicht, weil sich so Rohstoffe einsparen lassen. Leichtbau ist das wirksamste Mittel, um den Spritverbrauch zu senken und die Umweltressourcen zu schonen. M Plan hat diesen Trend bereits früh erkannt und arbeitet seit Jahren sehr erfolgreich an der Entwicklung neuer Fertigungsmethoden im Leichtbau.

Seit sechs Jahren besteht eine Kooperation der Niederlassung Osnabrück mit dem Kompetenzzentrum für Leichtbau, Antriebstechnik und Betriebsfestigkeit der Hochschule Osnabrück. Ein gemeinsames Team von Ingenieuren und Wissenschaftlern treibt insbesondere die Forschung und Entwicklung im Bereich Klebetechnologie voran. Denn damit man eine substantielle Gewichtsersparnis bei neuen Automodellen erzielen kann, müssen neue Werkstoffe eingesetzt, Komponenten müssen neu konstruiert – und vor allem intelligent miteinander verbunden werden. „Innovative Klebetechnologen sind ein wesentliches Forschungsfeld in der Automobilindustrie“, sagt Christoph Lucas-Melcher, Leiter der M Plan-Niederlassung Osnabrück. „Bereits heute haben wir bis zu 200 Meter Klebekanten in modernen Autos, und es werden immer mehr. Für M Plan ist entscheidend, hier Know-how aufzubauen und als kompetenter Entwicklungspartner aufzutreten.“

Klebetechnik als Schlüsseltechnologie

Dafür nutzen Ingenieure von M Plan die umfangreiche Laborinfrastruktur der Hochschule Osnabrück: Hier stehen im Kompetenzzentrum für Leichtbau Öfen zum OEM-gerechten Temperieren von Werkstoffen, Klima- und Umweltsimulationskammern, Prüfmaschinen für Zug-, Druck- und Biegeversuche und ein Betriebsfestigkeitsprüfstand.

„Die moderne Hybridbauweise, bei der zum Beispiel zunehmend Aluminium oder Karbon statt Stahl für wesentliche Bauteile der Karosserie verwendet werden, erfordert ein hohes Maß an innovativen Entwicklungen, an Präzision in der Forschung“, erklärt Professor Christian Schäfers von der Hochschule Osnabrück.

Die Klebetechnik gilt als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts, heißt es auch beim deutschen Industrieverband Klebstoffe. Erst aufgrund der besonderen Fähigkeit von Klebstoffen, verschiedene Werkstoffkombinationen sicher, energieeffizient und dauerhaft zu verbinden, sind innovative Leichtbaukonstruktionen möglich geworden.

M Plan und die Hochschule Osnabrück haben nun eine neue Fertigungsmethode für das Aluminiumdach eines Volumenmodells eines großen deutschen Automobilherstellers entwickelt. Hier wurde eine völlig neue Methode der Verklebung geschaffen, die es erlaubt, das Dach bereits im Rohbau auf die Karosserie via Klebverbindung zu montieren, so dass es zum Lackieren und anschließenden Trocknen im heißen Ofen nicht wieder abgenommen werden muss – wie es bisher Standard ist. „So sparen wir zwei aufwendige Arbeitsschritte“, sagt Christoph Lucas-Melcher. Das Problem, das es zu lösen galt, trägt intern den Namen „Delta-Alpha“ und beschreibt eine Crux der sogenannten Ausdehnungskoeffizienten. „Bislang steht die Industrie vor dem Problem, dass Materialien wie Stahl und Aluminium sich unter Hitze verschieden ausdehnen und sich Beulen bilden können, wenn die Komponenten bereits vor dem Lackiervorgang verklebt werden. Das konnten wir in gemeinsamer Entwicklungsarbeit mit M Plan beheben“, ergänzt Professor Schäfers.

Die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Entwicklungsdienstleister und Hochschule hat zudem noch einen weiteren Vorteil: Pro Jahr schreiben etwa sechs Studenten ihre Bachelorarbeit zu neuen Fertigungs- und Klebetechnologien in enger Anbindung an M Plan – und wechseln nach erfolgreichem Abschluss ins Unternehmen. Rund 30 neue Mitarbeiter, ausgebildet an der Hochschule Osnabrück, konnte M Plan in den vergangenen Jahren begrüßen.

Ausgabe 2016/01

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