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Car StoriesVom „hässlichen Entlein“ zum Kult

Citroën 2CV

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„Guck mal, eine Ente!“ – Entdeckt man sie heutzutage auf der Straße, entlockt sie einem begeisterte Ausrufe und ein Lächeln. Gehörte die Ente in den 90er-Jahren noch zum Stadtbild, ist sie mittlerweile regelrecht aus dem Verkehr verschwunden. Schade eigentlich, der Citroën 2CV war ein beliebtes Kult-Auto, viele verbinden mit ihm Jugender­in­ne­rungen an die Ära vor der Jahrtausend­wende.

28. Dezember 2016

Günstig zu haben

Vorgestellt wurde die Ente 1948 auf dem Pariser Autosalon. „Eine Konserven­dose, Modell freies Campen für vier Sardinen“, so das Urteil der Presse. In der Tat hatte man ganz bewusst nicht viele Gedanken an das Aussehen verschwendet. Aber das konnte den Siegeszug des frontange­trie­benen 2CV mit dem luftgekühlten Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor nicht aufhalten. Das Geheimnis seines Erfolges: neben der simplen Technik sicher der günstige Kaufpreis.

Minimalismus für Landwirte

Geringe Kosten hatten für die Autobauer in den Nachkriegs­jahren Priorität, entsprechend minimalis­tisch waren die Vorgaben an die Konstruk­teure: „Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln bietet." Es sollte zudem mindestens 60 km/h schnell sein und möglichst nur 3 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen. Der Wunsch zur Einfachheit ging so weit, dass man sogar den Anlasser wegließ, denn schließlich waren Landwirte meist verheiratet und „haben Frauen, die die Kurbel bedienen können“, so der Hersteller. Der einzige Scheiben­wi­scher wurde über die ankuppel­bare Tachowelle betrieben. Im Stand musste man dann per Handrad wischen. Auch an der Verkleidung des Tankstut­zens wurde gespart, so dass die Gefahr bestand, ihn beim Einladen des „Zentners Kartoffeln“ zu beschädigen. Außenspiegel und Winker hielt man für überflüssig, ein Frontschein­werfer erfüllte den französi­schen Mindeststan­dard.

Das Studenten-Auto

Natürlich wurde der 2CV im Laufe der Jahrzehnte stetig weiterent­wi­ckelt und erfreute sich als weinrot-schwarze Charleston-Ente im Deutschland der 80er- und 90er-Jahre größter Beliebtheit in Studenten­kreisen. Nicht nur entsprach das Auto deren schmalem Geldbeutel, es stand auch für eine gewisse unangepasste und konsumkri­ti­sche Haltung.

Auch auf der Kinolein­wand ein Hit

Die Ente spielte immer wieder in Filmen eine Rolle, besonders in denen von Louis de Funès, z.B. im „Gendarm von St. Tropez“ aus dem Jahr 1964. Unvergessen die Filmszene, in der die Mutter Oberin mit Nonnen-Flügelhaube am Steuer der Ente über die Küstenstraßen der Côte d’Azur brettert und dabei ein Teil nach dem anderen verliert. Bis nur noch Fragmente der Karosserie und die Lenksäule übrig bleiben. Aber sie kommt schließlich an – ohne Hinterreifen, Dach, Kühlerhaube und Rückbank.

Warum die Ente „Ente“ heißt

Einem niederlän­di­schen Journalisten soll 1948 beim Anblick des Autos der Ausspruch „De lelijke eend!“ entfahren sein: „Das hässliche Entlein“ – in Anlehnung an das gleichna­mige Märchen von Hans Christian Andersen. Der Name setzte sich im nordeuro­päi­schen Raum durch, während in Südeuropa von den „zwei Pferden“, den „dos caballos“ „due cavalli“ und in Frankreich von den „deux cheval“ die Rede war. In der Schweiz machte man einfach ein „Döschwo“ daraus„.

Die Ente rollte 1990 nach über 5 Millionen verkauften Exemplaren das letzte Mal vom Band. Ihr wurde posthum eine Sonderbrief­marke gewidmet. In Frankreich wurde sie als „Auto des 20. Jahrhunderts“ ausgezeichnet.