Aufnahme einer roten Lohner L 125
Car Stories

Lohner L 125

Das Fahrgefühl der 50er-Jahre

Unser Konstrukteur aus der Niederlassung Düsseldorf, Markus Frula, hat ein Faible für „motorisierte Zweiräder“, die gerne ein bisschen Patina haben dürfen. Seine Lohner L 125 vereint beides und ist gleichzeitig ein Stück Nachkriegsgeschichte.

09. Januar 2017

Stilecht – dieses Wort kommt uns zuerst in den Sinn als wir Markus Frula auf seiner knallroten Lohner L 125 mit dem nostalgischen Picknickkorb treffen. Denn Motorroller wie Fahrer versetzen uns direkt in die 50er-Jahre: Elvis Presley, Petticoat, Adenauer und Halbstarke. Und das ist auch so gewollt, denn neben seiner Leidenschaft vor allem für „ältere Fahrzeuge“ liegt Markus Frula die Geschichte der (Fahrzeug-)Technik am Herzen: „Mir geht es mit diesen alten Motorrollern darum, dass diese der eigentliche Beginn der Motorisierung für die breite Bevölkerung waren.“

Pack die Badehose ein

„…und dann nischt wie raus nach Wannsee!“ So heißt es in dem Hit von 1951. Üblicherweise bewältigte der Berliner die Strecke raus zum Wannsee mit dem Fahrrad. Die noch junge Bundesrepublik beginnt in den 50er Jahren gerade erst, sich zu motorisieren. So sind in der Nachkriegszeit neben Fahrrädern vor allem Motorroller auf den Straßen unterwegs. „Sie gaben den Menschen erstmals die Möglichkeit, sauber von A nach B zu kommen.“ Für Markus Frula liegt eben genau hier der Vorteil gegenüber den in den 50er-Jahren ebenfalls bereits bezahlbaren Motorrädern.

Ein historischer Fuhrpark

Markus Frula, der schon als Kind Sachen auseinandergenommen und wieder zusammengebaut hat, schraubt im großen Stil. Neben einer Werkstatt und einer Halle hat er mehrere Garagen für seine zwölf Motorroller aus den 50er- und 60er-Jahren und die sieben Autos angemietet. Mit der L 125 hat er sich ein weiteres Stück Geschichte in die Werkstatt geholt. Übrigens, ganz modern über Ebay. Ein ziemlicher Glücksgriff, denn die Roller sind äußerst rar. Aber Markus Frula ist mittlerweile so gut mit Gleichgesinnten vernetzt, dass ihm die Sachen „meistens zufliegen“. Geliefert wurde ein völlig kaputter Motorroller, den er bis auf die letzte Schraube auseinandernehmen musste. Bis auf die Chromarbeiten hat er alles selbst gemacht: schweißen, spachteln, lackieren, neue Elektrik, um nur einiges zu nennen. Auf die Authentizität der Teile hat er dabei nicht so viel Wert gelegt, es durften auch Nachbauten sein, denn ihm geht es mehr um das Fahrgefühl.

Der Motorroller mit dem Bug

1954 produzierten die österreichischen Lohner-Werke die erste L 125, deren besonderes Charakteristikum der schöne Bug ist. Eine damalige Fachzeitschrift attestierte dem Modell aufgrund seiner Bugwölbung einen „aerodynamischen Abtrieb, der eine erhöhte Bodenhaftung“ bewirkt, so dass gefährlicher Seitenwind nicht so viel ausrichten kann. Wie dem auch sei, für Markus Frula geht es darum, „diese alte Technik zu erleben und zu fühlen.“ Ein Grund mehr, warum er es bedauert, dass dieser Teil der Motorhistorie aus seiner Sicht zu kurz kommt, gerade auch im Maschinenbaustudium. Umso mehr freut er sich, wenn er mit seinen Liebhaberstücken gerade auch bei jüngeren Kollegen Interesse wecken kann. Denn anders als Käfer und Co sind diese „Brot-und-Butter-Fahrzeuge“ zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Gut, dass es Sammler wie ihn gibt. Fragt man den Rollerliebhaber nach seinen Zielen mit der Lohner L 125, lautet die Antwort: „Jede Fahrt ist das Ziel.“ Zwar nimmt er an kleineren Roller-Treffen teil, meist innerhalb Deutschlands, aber eigentlich geht es ihm nur um das besondere Fahrerlebnis.