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Car StoriesChevrolet Delray 2-Door von 1958

Ein Stra­ßen­kreuzer wie er im Buche steht

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„Straßenkreu­zer“ - dieses Wort gibt es nur, weil es Autos wie den Chevrolet Delray gibt. Umgangssprach­lich bezeichnet man damit großvolu­mige Spritfresser US-amerikani­scher Herkunft, die unsere hiesige Vorstellung von „vernünftigen Ausmaßen“ bei weitem übertreffen. Also Autos, die deutlich länger als 5 Meter sind und sich mit ihren prunkvoll verchromten breiten Kühlergrills und den imposanten Heckflossen wie Schlacht­schiffe durch die Straßen pflügen. Der Chevrolet Delray 2-Door von 1958 ist so einer. Wir zeigen ihn hier restauriert als „Lowbrow“.

03. April 2017

Ein Wagen für die obere Mittelklasse

Was haben Michael Jackson, Madonna, Sharon Stone und der Chevrolet Delray gemeinsam? Sie sind Kinder des Jahrgangs 1958. Eisenhower ist US-Präsident, die meisten Amerikaner haben einen Fernseher, der „Kalte Krieg“ bestimmt die Welt-Politik - und (noch) nicht die Sorge um das Ende fossiler Brennstoffe. Fit hält man sich mit Hulahoop und Rock ´n´ Roll, aus dem Radio tönen Elvis Presley und die Everly Brothers. Vom Krieg hat man sich wirtschaft­lich erholt, es gibt eine solide amerikani­sche Mittelklasse mit Geld und dem Bedürfnis nach mindestens einem fahrbaren Untersatz pro Familie. Und: es ist die Zeit der Straßenkreuzer. Auto-Industrie­städte wie Detroit boomen. Hier befindet sich der Firmensitz von General Motors (GM), dem die Marke Chevrolet angehört. GM, seit Jahrzehnten mit Ford im Wettstreit um die Vorherrschaft auf dem Automarkt, ersinnt mit dem Chevrolet Delray ein weiteres Modell für die zahlungs­kräf­tige Mittelklasse. Wie die Verkaufs­bro­schüre verkündet, sogar standard­mäßig mit Blinker. Hervorge­hoben wird dort auch die temperament­volle Performance dank V-8-Motor bei den 1200er-Serien und die Karosserie made by Fisher Body, einem Stellmacher, um den viele Autokonzerne gebuhlt hatten und der schließlich GM den Vorrang gegeben hatte.

Lowbrow als Kunstform, auch am Auto

In den 50er-Jahren entstand in Los Angeles eine neue Kunstform, die man auch als Popsurrea­lismus bezeichnen kann. Ihre Ursprünge hatte „Lowbrow“ unter anderem in der Surfkultur und gilt als Gegenent­wurf zur „Highbrow“-Art, also der intellek­tu­ellen Version von Kunst. Lowbrow ist Pop, Comic, Subkultur und nimmt sich selbst nicht so ernst wie die etablierte Kunst. Dies zeigt sich auch in der Lowbrow-Kunst am Auto. Unser Chevrolet Delray 2-Door Sedan wurde zwar im Lowbrow-Stil hergerichtet, aber alles andere als anspruchslos. Der Künstler Moe, der den Wagen tatsächlich als Familien­kut­sche im beschauli­chen hessischen Groß-Gerau benutzt, kreierte den „Flammenjob“ mit viel Liebe zum Detail aus Autolacken verschie­dener Hersteller.

Ein schnelles Ende

Die Produktion des Chevrolet Delray wurde schon 1958 wieder eingestellt. Auch zugunsten des Impalas, der Luxusver­sion eines Bel Airs, ausgestattet mit noch mehr Chrom und Trim. Der Chevrolet Impala erwies sich als besonders erfolgrei­ches Modell für GM, aber das ist eine andere Geschichte ...