Ein Bike nur für gewisse Stunden Bei schönem Wetter führt Felix Jost seine Yamaha aus. | Pixeleye Industries // Dirk Behlau
Car Stories

Felix Jost

Yamaha SR 500 48 T: Motorrad mit Kultstatus

Lesezeit ca.: 4 Minuten

„So was wird heute gar nicht mehr gebaut“, schwärmt Felix Jost. Unser Mitarbeiter der M Plan-Niederlassung Stuttgart meint damit vor allem den Motor seiner Yamaha SR 500 48 T. Dessen Stärke, aber auch seine Einfachheit faszinieren den Technikfan immer wieder – beim Fahren ebenso wie beim Pflegen und Instandhalten.

30. August 2017

Schon immer hatte Felix Jost von einem Oldtimer auf zwei Rädern geträumt. Die Yamaha SR 500 48 T, Baujahr 1990, erfüllte schließlich alle Kriterien, die für den 28-Jährigen wichtig sind. „Wenn man Maschinenbau studiert hat und die ganze Entwicklung kennt, dann ist das für mich der Motor überhaupt.“ Felix Jost, der sich als Ingenieur täglich mit technischen Innovationen und Motoren als hochkomplexen Gebilden beschäftigt, reizt gerade die Faszination des Einfachen: 500 Kubik mit einem Zylinder und 4-Takt-Motor. „So etwas wird heute nicht mehr gebaut, ist aber stark, robust und trotzdem aktuell“, sagt er mit leuchtenden Augen.

Ein Technikfan durch und durch

Um zu verstehen, was Felix Jost an diesem simplen Motor so fasziniert, muss man wissen, dass sich sein Faible für Technik wie ein roter Faden durch seine Biografie zieht. Schon als Kind galt seine ganze Hingabe der Hot-Wheels-Rennbahn seines Vaters. Mit 16 machte er den Motorrad-Führerschein, nahm das erste Mal den Schraubenschlüssel selbst in die Hand, um kleine Umbaumaßnahmen an seiner Cagiva Mito EVO, der kleinen Ducati-Schwester, vorzunehmen. Nach dem Hauptschulabschluss war Felix Jost zweierlei klar: sein Herz schlägt für Motoren, insbesondere für Kolbenmaschinen – und er will hart arbeiten, um Ingenieurwissenschaften zu studieren. Ein ungewöhnlicher Weg, den er aber konsequent bis zum Abschluss als Master of Science verfolgte. Seine Passion für Two Wheeler wurde befeuert durch berufliche Aufenthalte in der Forschungsabteilung eines Unternehmens, das Kolben für Otto- und Dieselmotoren herstellt sowie bei einer weiteren beruflichen Station im Bereich der Vorentwicklung von Steuergeräten und Motorkomponenten von Zweirädern. Aktuell ist Felix Jost bei M Plan als Produktentwickler von Abgasanlagen tätig. Dem Technikfan „macht das Riesen-Spaß.“

500 Kubik mit einem Zylinder und 4-Takt-Motor

Café Racer oder Original

In der Szene gilt die Yamaha SR 500 48 T wegen ihrer Einfachheit und klaren Linie als besonders geeignet für den Umbau zum momentan sehr angesagten Café Racer. Doch einen Café Racer hat Felix Jost mit seiner Maschine so gar nicht im Sinn. Obwohl er mit Used-Lederjacke und Schalenhelm stilmäßig eher retro unterwegs ist und nicht der Typ ist, der sich mit einer nagelneuen Rennkombi auf sein Bike setzt, „weil es falsch aussehen würde“, geht es ihm darum, den Originalzustand beizubehalten. Und in diesem befindet sich seine Maschine auch. Sie hat zwar 28 Jahre auf dem Buckel, aber nur knapp über 30.000 km auf dem Tacho. Das Bike hatte Felix Jost nach langem Suchen über eine Anzeige gefunden und sofort zugeschlagen. Nachdem er Lenker, Sitzbank, Blinker und Federbeine austauschen musste, gilt seine ganze Aufmerksamkeit nun der Instandhaltung.

Ein Bike nur für gewisse Stunden

Felix Jost mottet sein Bike in der kalten Jahreszeit nicht einfach in der Garage ein. Er „packt es ein und versetzt es in den Winterschlaf“. Die Wortwahl verrät viel darüber, wie wichtig dem 28-Jährigen der perfekte Zustand seiner Yamaha SR 500 48 T ist. „Auch wenn mein Bike alltagstauglich ist – ich bin ein Schönwetterfahrer. Bei Regen steht die Maschine in der Garage.“ Die Zeit nutzt er dann für Pflege und Instandhaltung. Wenn das Wetter es zulässt, wird das Bike auch für alltägliche Fahrten, etwa zum Einkaufen, an den Badesee oder für eine längere Tour herausgeholt. Dann ist er „mal Cruiser, mal Aufdreher“. Die wenigen Aufbauten an der Yamaha SR 500 48 T erlauben eine aufrechte Sitzposition: „Man kann sich zurücklehnen und die Natur genießen, sich aber auch mal richtig in die Kurven legen.“ In jedem Fall ist das Motorradfahren für ihn „eine intensive Erfahrung“. Dabei ist dem 28-Jährigen, der bereits zweimal die Alpen mit dem Mountainbike überquert hat, immer auch die Nähe zur Natur wichtig.

Yamaha SR 500 48 T: Motorrad mit Kultstatus

Träume mit Benzingeruch

Fragt man Felix Jost nach seinen Träumen, bekommt man prompt diese Antwort: „Ich hätte gerne eine Maschine, bei der ich keine Bauchschmerzen haben muss.“ Damit meint er ein Zweirad zum „Immer-Fahren“. Eines, bei dem er sich nicht ständig Gedanken über die Abnutzung machen muss. Vorstellbar wäre ein aktuelles Naked-Bike. Aber schon jetzt steht fest: Felix Josts nächstes Projekt wird vier Räder haben. Ein alter Porsche vielleicht, ein 911er, luftgekühlt, das wär´s…