VW Bulli T2b Westfalia „Tim“ VW T2b Westfalia: ein Traum, nicht nur für Camping-Fans. | Pixeleye Industries // Dirk Behlau
Car Stories

Kai Lied

VW T2b Westfalia: Bulli für alle Fälle

Lesezeit ca.: 3 Minuten

Kai Lied passt zu seinem Fahrzeug wie der sprichwörtliche Deckel auf den Topf. Nicht weiter verwunderlich, dass der 35-Jährige gelernte Techniker Maschinenbau auf einem Festival von einer Besucherin zu hören bekam, als er sich mit seinem VW T2b Westfalia durch die Menschenmassen schob: „Er ist genau der Typ, den man am Steuer eines VW Bullis erwartet.“

25. September 2017

Das kann man auf jeden Fall als Kompliment nehmen. Kai Lied mag das Individuelle, bloß kein Mainstream. Darum hat er sich wohl auch in den Bulli verguckt. Wie kein anderes Fahrzeug aus den 70er-Jahren verbindet man mit dem VW Camper die nach Freiheit schmeckenden Zeiten der Flower-Power-Bewegung – er war der Festival-Bulli der Hippies schlechthin. Und auch Kai Lied mit seinem Hipster-Bart strahlt die Aura dieser Zeit aus. Dazu passt, dass er seinen VW T2b Westfalia gerne zu Festivals mitnimmt. Dann schlafen auch mal bis zu vier Personen darin. Eine Irland-Rundfahrt hat der Camper ebenfalls schon hinter sich, immer mit Kai Lieds Mountainbike im Gepäck. Als passionierter Radfahrer liebt der 35-Jährige kombinierte Camping-Mountainbike-Touren. Nächstes Wunschziel ist Schottland, denn Whiskey mag er auch ganz gerne...

VW Bulli

Warten auf VW Bulli „Tim“

Lange musste Kai Lied auf den cremeweißen Bulli seines Mountainbike-Kumpels Tim warten. Genauer gesagt: zehn Jahre Zeit, in der er immer wieder beharrlich nachfragte, ob der Freund denn nicht verkaufen wolle. 2008 war es dann soweit: Kai Lieds Kumpel fragte ihn, ob er noch interessiert sei. Noch bevor er die Frage zu Ende stellen konnte, hatte dieser dann schon „ja“ gesagt. Tim, wie der Bus seitdem heißt, wechselte sofort den Besitzer. Und das weitgehend im Originalzustand. „Die Ausstattung ist wie von Westfalia aus dem Werk.“ Nur der Kühlschrank wurde ausgetauscht und Tim ist seit 1976 auch schon einmal lackiert worden, selbstverständlich mit dem Originallack. Kai Lied ist es wichtig, „dass der Camper authentisch ist.“

VW Bulli T2b Westfalia

Mit Panzertape und Kabelbinder

Er sei schon immer ein Bulli-Fan gewesen, gesteht uns Kai Lied direkt zu Beginn unserer Begegnung. Und das, obwohl seine Eltern gar keine Camper gewesen sind. Allerdings machen ihm neue Campingbusse überhaupt keinen Spaß. „Das Tolle an alten Fahrzeugen und auch am VW T2b Westfalia ist, dass man alles selbst machen kann.“ Meist reichen dem Techniker Maschinenbau Panzertape und Kabelbinder für kleinere Maßnahmen. Aber auch den Motor hat er schon zweimal problemlos ausgebaut, weil dieser stark ölte: „Bus hochbocken, fünf Schrauben rausdrehen, Luftschläuche und Batterie abklemmen. Zwei bis drei Schrauben lösen, dann ist das Getriebe vom Motorblock gelöst – und raus mit dem Motor.“ Beim Laufenlassen des Motors im ausgebauten Zustand zeigte sich letztendlich, dass ein Stopfen an einer Fertigungsbohrung undicht war. Der Bulli ölt zwar immer noch minimal, aber der TÜV gab Kai Lied seinen Segen mit den Worten: „Ein bisschen Schwitzen gehört beim VW-Bulli zum guten Ton.“

VW Bulli T2b Westfalia

Der T1 – ein Objekt der Begierde

Auf die Frage, ob er seinen VW Camper jemals verkaufen würde, sagt Kai Lied zunächst entschieden nein. Doch dann bekommen seine Augen plötzlich diesen besonderen Glanz und er sagt uns zunächst ein wenig zögerlich: „Ich würde ihn verkaufen, wenn mir jemand 50.000 Euro dafür anbietet.“ Denn dann könnte er sich einen Bulli der begehrten T1-Reihe kaufen. Und die sind nun mal so teuer. „Mittlerweile muss man für einen vergammelten T1 ohne Motor und Getriebe, der irgendwo im Wald liegt und durch den ein Baum hindurch wächst, schon etwa 15.000 Euro hinlegen, nur weil er eine Fahrgestellnummer hat.“ Und dann sagt Kai Lied, dem sehr am Originalzustand seiner Fahrzeuge gelegen ist, noch etwas Erstaunliches: Dem T1, wenn er denn einen hätte, würde er einen Elektromotor einbauen. Eine attraktive Zukunftsvision: ein Fahrzeug im Originalzustand mit einem modernen E-Motor. Vielleicht wird ja was draus, denn: Gegensätze ziehen sich an...

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