Steffen Ratschan vor seinem „Lucern blue“-farbenen Trans AMTrans AM: Liebe auf den ersten Blick. | Pixeleye Industries // Dirk Behlau
Car StoriesDetroit heart, Stuttgart mind

Wie ein Statement: Pontiac Firebird Formula 400 / Trans Am

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Steffen Ratschan, Niederlassungsleiter bei M Plan in Stuttgart, ist keiner, der ein Blatt vor den Mund nimmt. „Ich hab sie immer verlacht, die US-Automobiltechnik, das Grobschlächtige daran.“ Und doch steht – nach 3-jähriger Wartezeit und vielen Aufs und Abs – ein solcher Ami-Schlitten nun in seiner Garage: ein Pontiac Firebird Formula 400, vollrestauriert und umgebaut zum Trans Am. Wie kommt´s?

23. Oktober 2017

„Als deutscher Ingenieur in Stuttgart, in der Tradition von Daimler und Porsche stehend, muss man deutsche Technik lieben“, findet Steffen Ratschan. Erst als er anfing, sich mit US-amerikanischen Fahrzeugen zu beschäftigen, ging ihm auf, „wie cool amerikanische Oldtimer sind.“ Während im Nachkriegs-Deutschland VW Käfer unterwegs waren, fuhren die US-Amerikaner sechs Meter lange Straßenkreuzer mit V8-Motoren, Automatikgetriebe, elektrischen Fensterhebern und Klimaanlage, schwärmt der 35-Jährige.Von sich selbst sagt er, er sei im Kopf Stuttgarter und ein absoluter Fan von Weissach und Affalterbach, aber im Herzen eher ein Detroiter. Denn Fahrzeuge wie sein Trans Am „entfachen Emotionen.“

Das Auto ist als Performance-Fahrzeug gedacht

Steffen Ratschan liebt Gegensätze. Es bereitet ihm sichtliches Vergnügen zu betonen, dass er einerseits dem Stereotyp des Ingenieurs entspricht: der Job in der schwäbischen Automobilindustrie, das Reihenhaus, in dem er mit seiner Frau lebt. Aber dann, sagt er, öffnet er seine Garage – und dort steht „das blechgewordene Statement gegen das Auto-Establishment hier in Stuttgart.“ Was er damit meint, ist die absolute Unvernunft, die sein Pontiac Trans Am stellvertretend für die gesamte US-Automobilbranche repräsentiert: „Die riesigen Motoren, das ist ja obszön, übertrieben, nichts von alldem bräuchte man!“ Ein V8-Motor mit 7,5 l Hubraum und 400 PS – „Diese Leistung kriegt man heute auch aus einem 1,4er raus.“ Das geht gegen jede Stuttgarter Ingenieurs-Vernunft. Doch Steffen Ratschan fasziniert einfach der Klang dieser riesigen Motoren, deren „brachiale Power“. Und natürlich die tollen Designs der Bel Airs, Camaros, Chargers und Firebirds. Mit seinem Trans Am unternimmt Steffen Ratschan Ausfahrten, zusammen mit Freunden, die er allesamt als „Petrol-Heads“ bezeichnet. Besonders gerne nimmt er an dem „Stuttgart Night Cruise“ teil, bei denen es neben „Benzin-Gesprächen“ auch darum geht, gemeinsam zu fahren. Manchmal in Kolonne mit bis zu 80 US-Autos.

Trans AM wie ein Statement

Steffen Ratschan ist glücklich mit seinem Trans Am, hat jedoch auch eine leidvolle 3-jährige Kauf- und Restaurationsgeschichte hinter sich – denn der Wagen war ursprünglich ein Formula 400. Aufgrund schlechter Beratung habe er diesen damals gekauft mit dem Ziel, ihn zum Trans Am zu klonen. Eine Erfahrung, die er so nicht wiederholen würde. Der Kauf lief 2013 über einen US-Importeur, der zunächst nicht termingerecht lieferte. Als der Wagen aus Kalifornien schließlich nach Deutschland kam, war er zwar fahrbereit – jedoch nach US-Maßstäben. Und dann der optische Zustand: zentimeterdick aufgetragene Spachtelmasse – der US-Restaurateur hatte diese achtlos im Radlauf abgeschabt. Die Vollrestauration des Trans Am legte Steffen Ratschan in die Hände eines Restaurators in Deutschland. „Das hätte ich selbst nicht gekonnt.“ Ganze zwei Jahre dauert die Instandsetzung und verbrannte neben Zeit auch jede Menge Geld.

V8-Motor mit 7,5 l Hubraum und 400 PS

Nun steht er da, der Trans Am wie ein Statement, auf einem Performance-Fahrwerk von Hotchkis mit neu aufgebauter Karosserie in originaler Lackfarbe namens „Lucerne Blue“ und neuen Rädern sowie Reifen. Das Auto ist als Performance-Fahrzeug gedacht, daher ist das TH 400 Getriebe original, der Motor neu. Ein 0-Meilen-Aggregat – „Nun hat er echte 900 Meilen runter“, sagt Steffen Ratschan. Eingebaut ist ein original Pontiac-Block mit 455 cubic inch Hubraum, also etwa 7,5 Liter. Der Motor wurde um diesen Block herum neu aufgebaut. Im Trans Am stecken in Ermangelung von Originalen viele neue Repro-Teile. „Aber das ist mir schnuppe, mir kommt es darauf an, dass er gut fahrbar ist.“ Und auch hier merkt man, dass die Maxime „Detroit heart, Stuttgart mind“ gut zusammen gehen. Das gilt auch für das Body-Kit und die für die Formula 400 so charakteristischen Schnorchel auf der Haube. Und, wie steht´s mit weiteren Träumen? Ja, die gibt es, sagt Steffen Ratschan, aber nach drei Jahren Wartezeit auf den Firebird müsse es jetzt erst mal gut sein. Womit wieder ein bisschen „Stuttgart mind“, also die Vernunft, ins Spiel kommt.

Schlüssel und Radio vom Trans AM