Markus Scheer lehnt an seinem blauen Porsche 911.Einhundertprozent Besitzerstolz: Markus Scheer und der 911. | Pixeleye Industries // Dirk Behlau
„Keiner braucht ihn, jeder will ihn“

Bleibt in der Familie: Porsche 911

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Ferry Porsches Spruch „Keiner braucht ihn, jeder will ihn“ gefällt auch Markus Scheer, Mitarbeiter der Niederlassung München. Die Liebe zum Porsche ist ihm schon in die Wiege gelegt worden. Der heute 30-Jährige war „nicht das bravste Baby“ – doch setzte man ihn in den Familien-Porsche, gab er sofort Ruhe und schlief ein. „Sicher kommt meine Liebe zu Porsche und besonders zum 911er daher“, sagt er und lächelt dabei selig.

20. November 2017

Klingt ungewöhnlich, ist aber wahr: Bei Markus Scheers Familie hieß die „Familienkutsche“ Porsche 911. Statt sich wie andere Paare mit Kindern, einen Kombi zuzulegen, fuhren die Scheers mit Kind und Kegel stilvoll und mit ordentlich PS unter der Haube einen Neunelfer, Baujahr 1972 – das wunderschöne „Urmodell“ des Porsche 911 mit den hübschen „Fuchsfelgen“. Zumindest bis zum zweiten Kind. Als sich Nummer Drei ankündigt, wird der seit 1982 im Familienbesitz befindliche Wagen in der Garage des großmütterlichen Hauses für mehr als 20 Jahre in den Dornröschenschlaf versetzt. Als das Haus verkauft wird und damit der Stellplatz wegfällt, will der Vater das ehemalige Familienauto verkaufen. Doch Markus Scheer stellt sich quer: „Wenn du verkaufst, komme ich nicht mehr nach Hause“, so die nicht ganz ernstgemeinte Warnung. Doch sie zeigt Wirkung: Der Wagen steht schließlich vor Markus Scheers Haustür in München.

Markus Scheers und sein Oldtimer-Porsche

Das G-Modell als „Fahr-Porsche“

Nachdem der ehemalige Familien-Porsche zum reinen Restaurationsprojekt geworden ist, steht für Markus Scheer im Sommer 2015 fest, dass nun noch ein zweiter Neunelfer her muss. Einzige Bedingung: er muss fahrbereit sein. „Ich will nicht nur restaurieren, sondern auch das Porsche-Fahren erleben.“ Dabei ist der ehemalige Zeitsoldat keiner, der die Herausforderung scheut – im Gegenteil. Nach einem Motorradunfall dienstunfähig, wechselt der studierte Elektrotechniker von der Bundeswehr in den Ingenieurberuf. Tauscht Kaserne gegen Automobilkonzern. Die Automobilbranche ist für ihn ein Kindheitstraum. Und so „verguckt“ er sich in einen Porsche 911, den er online in den Kleinanzeigen findet. Ein G-Modell, das sich von der F-Reihe besonders in den Faltenbalgstoßstangen unterscheidet, die ab 1973 aufgrund US-amerikanischer Zulassungsvorschriften notwendig wurden. Der Wagen stammt aus einem Nachlass, ist fahrbereit und der Preis stimmt auch. Ölwechsel, ein wenig Feintuning an der Elektrik sowie ein Wechsel der Bremsen und Achsmanschetten, schon kann es losgehen. „Das Herz stand dahinter. Und ich habe nach wie vor viel Spaß mit dem Auto.“

Markus Scheer und die Liebe zu Porsche

Der „PorScheer“

Markus Scheer fasziniert es, dass Technik und Design des Porsche 911 nach wie vor Bestand haben. „Der Porsche 911 war seiner Zeit voraus. Deswegen haben ja auch so viele als Oldtimer überlebt.“ Grundlegende Änderungen am „Urmodell“ blieben bis 1989 aus, erklärt er. Aber zuletzt gingen die Verkaufszahlen zurück und die Technik war nicht mehr zeitgemäß. Daher wurde ein neues Modell entwickelt – der 964.

Markus Scheers Neunelfer hat durch den auffälligen Schriftzug „PorScheer“ ganz besonderes „Kopf-Dreher-Potential“. Die Idee war, den Schriftzug „Carrera“ mit seinem Nachnamen zu vereinen. Ein Freund konnte den Wunsch mit dem charakteristischen Schrifttyp schließlich realisieren. „Viele Leute wissen damit zunächst nichts anzufangen, bis sie auf der Fahrerseite meinen und auf der Beifahrerseite den Namen meiner Freundin entdecken. Dann ist der Fall schnell klar.“ Also ganz im Stil vieler DTM- und Rallyefahrer, die sich ihre Namen auf die Fenster ihrer Fahrzeuge kleben. Die Frage, ob er denn auch Rennen fahre, verneint Markus Scheer.

Das G-Modell als „Fahr-Porsche“

Schrauben am Oldtimer-Porsche

Auch wenn er manchmal vom Fahren „einen Tinnitus“ bekommt, mag Markus Scheer den Sound seines Neunelfers, der nicht nur dem luftgekühlten Heckmotor geschuldet ist, sondern auch dem kurzen Weg zum Endschalldämpfer, der gegen ein sportlicheres Modell getauscht wurde. Außerdem: Kein ABS, keine Servolenkung – und damit starker Kontrast zu seinem Job als Fahrzeugdiagnose- und Fehlerspeicheranalyst. Auf der Arbeit gehe es um Innovationen. „Alles ist hochtechnisiert. Wir arbeiten mit Laptops an den Fahrzeugen, die alle unterschiedlich sind und die man nicht mehr selbst reparieren kann.“ Ein Spagat, wie er findet. Umso mehr schätzt er den Motor seines Porsche 911. „Kennst du einen Motor von damals, kennst du sie alle und kannst selbst was dran machen.“ In einem ehemaligen Heustall hat sich Markus Scheer ein „Stadl“ für seine Autos mit drei Garagen und einer Hebebühne eingerichtet. Hier schraubt er an seinem „Restaurations-Neunelfer“ aus dem Scheerschen Familienbesitz, seinem „Fahr-Porsche 911“ und einem Karman Ghia Baujahr 1971, der zum Weiterverkauf bestimmt ist. Dabei kann er so richtig abschalten. Auch, weil es hier so ganz anders zugeht als in seinem Berufsalltag. „Mein Job ist Hightech, aber in meinem Auto-Stadl gibt es nur zwei Steckdosen.“