Image: Vielfältig und lebendig – Die Kustom Kulture ForeverM PlanM PlanEin stimmiger Rahmen für das „Kustom Kulture Forever“-Festival: die Zeche Ewald in Herten. | Pixeleye Industries // Dirk Behlau
Car StoriesJährliches Treffen der Customizing-Szene

Viel­fältig und lebendig – Die Kustom Kulture Forever

Lesezeit ca.: 3 Minuten

Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, kommt jedes Jahr im Mai die internatio­nale Customizing-Szene zum „Kustom Kulture Forever“-Festival zusammen. Hier wird gezeigt und geschaut, was gerade gebacken ist. Die Zeche Ewald in Herten wird dann zum Schauplatz für alles, was die Kustom Kulture zu bieten hat. Vorrangig natürlich ein ganzes Panoptikum an sehr individu­ellen Fahrzeugen. Doch die Kustom Kulture-Szene und das Festival sind viel mehr als das.

02. Januar 2018

Keine Frage, im Mittelpunkt der Kustom Kulture stehen die nach individu­ellen Wünschen maßgeschnei­derten und veredelten Autos und Motorräder. Einleuch­tend also, dass die Ursprünge bis zum Hot Rodding der 1950er Jahre zurückrei­chen. Damals begann man in den USA, vorzugsweise Fahrzeuge der Jahrgänge 1920 bis 1940 gnadenlos zu modifizieren, und schnell zu machen. Aus dieser Hot Rodding-Szene entwickelten sich unterschied­liche Stilrich­tungen, die ihren Niederschlag auch in Mode, Kunst, Musik und dem Style ihrer Protagonisten fanden. Frisuren, Klamotten, Musik und dazu das passende Kustom-Car oder -Bike: All das zusammen ist identitäts­stif­tend und schafft Zugehörig­keit zu einer der vielen Subkulturen der Kustom Kulture-Szene. Seien es die Drag-Racer der 1960er, also die Fahrer von Beschleu­ni­gungs­rennen, die Rocker, Lowrider und Mods der 1970er-Jahre oder die Rockabil­lies und Metalheads der 1980er- und 1990er-Jahre. Aus diesen Richtungen entstand ein fruchtbares Biotop aus Schrauber-Legenden, Drag-Racern, Tattoo-Künstlern, Autopain­tern und Musikern, die sich vom Begriff der Kustom Kulture repräsen­tiert sehen.

Die Leidenschaft mit anderen teilen – Kustom Kulture Forever

Von der Lebendig- und Vielfältig­keit dieser Szene überzeugen sich jedes Jahr im Mai beim „Kustom Kulture Forever“-Festival in Herten mehrere Tausend internatio­nale Fans der US-Kultur. Zahlreiche Autoclubs von Italien bis England reisen geschlossen und mit ihren Kustom Cars, Hot Rods und Motorrädern an. Das Gelände der Zeche Ewald in Herten verwandelt sich dann in eine große Showfläche für Schätzchen mit vier oder zwei Rädern, immer umrissen von einem ganz klaren Konzept. Hier die Anmeldekri­te­rien für die Showfläche der Kustom Kulture Forever 2018: Hot Rods und Kustom Cars von vor 1965, Lowrider der Jahrgänge bis 1979, Vans im strictly 1960-70-Style sowie pre 1979 radical aircooled VW’s und zahlreiche Chopper- und Bobber-Bikes in der Motorcycle-Show. Bei solch reichhal­tigem Angebot können einem schon die Augen rausfallen. Selbstver­ständ­lich kommt man aber nicht nur zum Zeigen und Anschauen der Fahrzeuge nach Herten, sondern auch zum Feiern. In den Partyzelten gibt’s Musik und Drinks bis zum Abwinken. Und damit keiner mehr Heimfahren muss, kann man sich gleich ins mitgebrachte Zelt auf der Camping-Site legen. Skate-Sessions auf der Miniramp gehören ebenso zu dem Festival wie das feine internatio­nale Line-up an Kustom Kulture-Künstlern: im kommenden Jahr wären da z.B. der Ledermacher aus dem Schwarzwald, Carpainter, Pinstriper und Tattoo-Künstler aus ganz Europa, Fotografen und viele mehr. Sammler und Fans der Szene kommen auf dem „Kustom Kulture Forever“ ganz sicher auf ihre Kosten.

Aufnahme verschiedener Hot Rods auf dem Gelände der Zeche Ewald in Herten bei der „Kustom Kulture Forever“.Hot Rod at it´s best im bare steel-Look: zwei Schätzchen älteren Jahrgangs auf der „Kustom Kulture Forever“-Autoshow.

Customizing – ein gesellschaft­li­cher Trend über die Auto-Szene hinaus

Wo man auch hinschaut: In der Car-Szene wird derzeit viel gechopped, gechanneled, gelowered und runterge­rippt bis nichts mehr so ist, wie es war. Meistens kommt dann auch noch der Lack runter, zugunsten eines bare steel-Looks. Kustom Cars, Hot Rods und im Bikebereich vor allem auch die Café Racer erleben auf Messen, Shows und in den Garagen einen ungebrochenen Aufschwung. Der Wunsch, das Leben den eigenen Bedürfnissen anzupassen statt mit den Gegebenheiten Kompromisse einzugehen, zieht sich mittlerweile weit in andere Bereich hinein. Im Drogerie­markt kann ich das Duschgel mit meinem Konterfei bedrucken lassen, mein Müsli kann ich mir individuell im Internet oder Shop zusammen­stellen. Möbel und Software­pro­dukte werden immer mehr auf die besonderen Bedürfnisse des jeweiligen Users zugeschnitten. Doch am Ende ist ein customized Cadillac oder ein Ford Model T Hot Rod dann doch ein wenig aufregender als Müsli und Duschgel…