Image: Was passiert mit ausrangierten Elektroauto Batterien?M PlanM PlanNeue Ideen geben verbrauchten E-Batterien ein zweites Leben | Firstsignal
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Was passiert mit ausran­gierten Elek­tro­auto Batte­rien?

Lesezeit ca.: 3 Minuten

Noch ist Elektromo­bi­lität ein Nischenphä­nomen. Doch wenn künftig immer mehr E-Autos auf den Markt kommen, fallen bald auch immer mehr Alt-Akkus an. Die lassen sich recyceln – oder einer „Second-Life-Nutzung“ zuführen.

31. Januar 2018

Rund 23.000 Elektroautos wurden 2017 in Deutschland neu zugelassen. Mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Das ist eine vergleichs­weise geringe Zahl angesichts der mehr als drei Millionen Pkw-Neuzulas­sungen insgesamt, doch sie macht deutlich: Elektroautos sind ein Wachstums­markt. Und parallel dazu werden sich weitere neue Märkte entwickeln – zum Beispiel der des Recyclings von Elektroauto-Akkus.

Denn die so genannten Traktions­bat­te­rien sind nicht nur das zentrale Bauteil eines E-Fahrzeugs. Die großen, oft mehrere hundert Kilogramm schweren Akkus stecken auch voller Wertstoffe. Aluminium, Kupfer, Grafit, Kunststoffe und vor allem die seltenen Metalle Lithium und Kobalt kommen in den meisten Akkus vor. Das macht sie nicht nur teuer in der Herstellung, sondern auch dann noch wertvoll, wenn das Elektroauto still gelegt wird. Eine Wiederver­wer­tung lohnt sich also, allerdings erfordert es einen hohen Aufwand und die Beherrschung komplexer Prozesse. Die Frage ist also, wo und wie ein effektives Autobatterie Recycling möglich ist.

Recycling­ver­fahren sind bisher sehr teuer

„Die Verfahren, um große Lithium-Ionen-Akkus zu recyceln, sind extrem kompliziert und entsprechend kostspie­lig“, sagt Alois Grinschgl, Projektleiter Elektroalt­ge­räte bei dem österrei­chi­schen Recycling-Unternehmen Sauberma­cher in Feldkirchen bei Graz, das sich seit 1993 mit der Entsorgung von Batterien beschäftigt. „Das Zerlegen und Wiederauf­be­reiten von einer Tonne Lithium-Ionen-Akkus kostet bis zu mehrere Tausend Euro“, sagt Grinschgl, „das rechnet sich bislang nur, wenn der Akku einen hohen Kobaltan­teil hat.“

Der einfache Grund: Lithium ist auf dem Weltmarkt zu billig, als dass sich die Rückgewin­nung aus Alt-Batterien derzeit schon lohnen würde. Bei Kobalt sieht das anders aus, weshalb das Recycling von kobalthal­tigen Akkus heute bereits wirtschaft­lich betrieben werden kann. Sauberma­cher recycelt derzeit einige Hundert Tonnen Großbatte­rien pro Jahr bei der 2015 übernommenen Wiederver­wer­tungs­firma Redux in Offenbach. Für eine Wiederauf­be­rei­tung im industri­ellen Stil ist das jedoch noch eine viel zu geringe Menge. Zumal einige Techniken des Extrahie­rens von Rohstoffen aus den Batterie­zellen noch im Forschungs­sta­dium stecken und bislang nur mit sehr teuren, hydrometall­ur­gi­schen oder chemischen Verfahren möglich sind.

Neue Ideen für Entsorgung und Wiederver­wer­tung

Allerdings wächst mit jedem neuen Elektroauto das Potenzial für das Geschäfts­mo­dell Akku-Recycling. Zumal die EU eine Wiederver­wer­tungs­quote von 50 Prozent der Batterie­zellen vorschreibt. Diese Quote wird aktuell gerade so erfüllt, vor allem durch die Rückgewin­nung der verbauten Metalle, also etwa der Aluminium-Zellgehäuse und der Kupfer-Aluminium-Folien in den Zellen selbst. Um die seltenen Metalle (u.a. Lithium und Kobalt) in der Beschich­tung dieser Folien, der so genannten Schwarzmasse, zurückge­winnen zu können, bedarf es der schon erwähnten, chemischen Methoden. Damit dies künftig einfacher möglich ist, wird in diversen Forschungs­pro­jekten an Beschich­tungen gearbeitet, deren Bestandteile sich später leichter voneinander trennen lassen.

Ein anderer Weg, ausrangierte Auto-Akkus weiter zu verwerten, ist die so genannte „Second-Life-Nutzung“. Denn wenn Batterien ihren Leistungs­zenit überschritten haben, sind sie zwar im Auto unbrauchbar, doch Strom speichern können sie nach wie vor. Solche schwächeren Akkus werden dann zu großen Stromspei­chern zusammen­ge­schlossen und als stationäre Energiere­ser­voire genutzt. Das Recycling­un­ter­nehmen Remondis beispiels­weise betreibt seit gut einem Jahr im westfäli­schen Lünen einen Stromspei­cher aus tausend Akkus des Elektro-Smart. Auch die Batterien des BMW i3 sind so konzipiert, dass sie einfach gestapelt und miteinander gekoppelt werden können. Der Energiekon­zern Vattenfall hat bereits einen solchen Stromspei­cher aus ehemaligen BMW-i3-Akkus in Betrieb genommen.