Image: In der Formel E entsteht die Elektromobilität der ZukunftM PlanM PlanInnovationen aus der Formel E finden immer öfter den Weg in Serienfahrzeuge | antoniokhr
NewsRennserie als Forschungslabor

In der Formel E entsteht die Elek­tro­mo­bi­lität der Zukunft

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Am Pfingstwo­chen­ende macht die Formel E, die erste elektrische Rennserie der Welt, erneut in Berlin Station. Anfangs belächelt, nimmt das Elektro-Spektakel jetzt richtig Fahrt auf. Immer mehr Hersteller steigen ein – vor allem aus Deutschland.

09. Mai 2018

„Die Formel E ist nicht einfach nur eine elektrisch Rennserie, sie ist Teil der elektrischen Revolution in der Autoindus­trie.“ So sieht es Alejandro Agag, der spanische Sportmanager und Gründer der Formel E. Als die Rennserie vor vier Jahren startete, schlug ihr erhebliche Skepsis entgegen. Wer wartete schon auf eine neue Motorsport­ver­an­stal­tung, dazu noch ohne Motorendonner und irre Höchstge­schwin­dig­keiten? Heute stellt sich die Frage nicht mehr: Die Formel E bietet spektaku­lären Sport mit krassen Überholma­nö­vern auf engen Stadtkursen, saubere Renntechnik und eine rundum gute Show. Das auf 225 km/h limitierte Tempo und die maximal 245 PS der E-Motoren sind kein Thema mehr, es geht längst um viel mehr.

Serienfahr­zeuge profitieren vom Technolo­gie­transfer

Für die Hersteller speist sich die Attrakti­vität der Formel E vor allem aus dem Technolo­gie­transfer von den elektrisch angetrie­benen Rennwagen in die Serienent­wick­lung von E-Autos. Xavier Mestelan, Technischer Direktor des Formel-E-Teams DS Performance, sagt: „Fast alles, was wir in der Formel E lernen, macht auch die Hybrid- und Elektroan­triebe ganz normaler Pkw effizienter und besser.“ DS, Renault, Jaguar, Mahindra und seit dieser Saison auch Audi treten mittlerweile mit Werksteams bei der Formel E an.

In Zukunft wird das Feld noch dichter und hochkarä­tiger werden, denn BMW wird im nächsten Jahr einsteigen, eine Saison später dann auch noch Mercedes und Porsche, so dass ab 2019 allein vier deutsche Hersteller in der Formel E um Siege und Punkte konkurrieren werden – das gibt es in keiner anderen großen Motorsport­serie.

„Die Entwicklung der Formel E auf der sportlich-technischen Seite geht genau in die richtige Richtung“, heißt es dazu in München. Denn auch BMW will den Rennsport nutzen, um das dort gewonnene Know-how sogleich in die Elektro-Modelle zu implantieren. Die hausinterne Organisa­tion wurde bereits darauf abgestimmt: Die Formel-E-Rennabtei­lung liegt in direkter Nachbarschaft zu den Entwicklungs­büros der E-Auto-Ingenieure.

Interessant für Autokonzerne ist die Rennserie auch deshalb, weil Formel-E-Chef Agag ein präzises und vor allem langfristig geltendes Reglement aufgestellt hat. Das erhöht die Planungs­si­cher­heit und senkt die Kosten. So fahren beispiels­weise alle Teams mit einem Einheits­auto und einem identischem Akku. Bislang liegt dessen Kapazität bei 28 kWh, was vorläufig noch einen Autotausch zur Mitte des Rennens nötig macht. Ab der kommenden Saison wird dieser Tausch entfallen, denn kann kommen 54-kWh-Akkus zum Einsatz.

Für alle gleich sind auch die Reifen, die profiliert und damit gleicher­maßen für trockene Pisten und für Nässe geeignet sind. Außerdem handelt es sich um 18-Zoll-Pneus – das ist auch bei Pkw eine gängige Größe, und genau deshalb wurde sie für die Rennwagen gewählt: um den Transfer von Entwicklungen aus der Formel E in die Serienfer­ti­gung zu erleichtern.

Beim Antrieb ist die Innovati­ons­kraft der Hersteller gefragt

Technolo­gisch austoben dürfen sich die Ingenieure der einzelnen Teams beim Antrieb, denn Motor, Getriebe, Inverter, Kühlsystem und die dazugehö­rige Software sind – im Rahmen der vorgegebenen Eckdaten – für eigene Entwicklungen freigegeben. Hier werden die Spielräume genutzt, es gibt Solo- und Twin-Motoren, es gibt Ein- oder Mehrgang­ge­triebe, und natürlich tüftelt jedes Teams an einer besonders effizienten und leistungs­starken Steuerung des Gesamtsys­tems.

Etliche der Innovationen, die dabei erdacht und erprobt werden, dürften später auch in elektrischen Serienmo­dellen für mehr Effizienz, Reichweite oder Dynamik sorgen. Ganz im Sinne des Formel-E-Erfinders Agag, der kürzlich in einem Interview mit dem Sportportal spox.com sagte: „In zehn bis fünfzehn Jahren werden wir die wichtigste Motorsport­serie überhaupt sein, weil wir die Automobil­in­dus­trie der Zukunft repräsen­tieren.“ Das klingt ambitioniert – und durchaus logisch.

Rennen in den Metropolen der Welt Am 13. September 2014 wurde das erste Formel-E-Rennen in Peking gestartet. Inzwischen bestreitet die elektrische Rennserie ihre vierte Saison, die Finalrennen werden am 28. und 29. Juli in Montreal stattfinden. Das ist, neben der völlig neuen Rennwagen­technik, die andere große Innovation der Formel E: Die Kurse schlängeln sich mitten durch Metropolen, darunter Marrakesch, Rom, Paris, Berlin, Zürich und New York. Aktuell gehen vier deutsche Fahrer in der Formel E an den Start: Daniel Abt, Nick Heidfeld, Andrée Lotterer und Marco Engel.