Image: Stephan Linder und sein 58er Ford 100 Shortbed Hot RodM PlanM PlanDer 58er Ford 100 „Rusty“ stellt den Car Hunter Stephan Linder vor besondere Herausforderungen. | Peter Hildebrandt
Car StoriesEin Therapie-Auto für den Car-Hunter

Stephan Linder und sein 58er Ford 100 Shortbed Hot Rod

Lesezeit ca.: 4 Minuten

Ein privater Fuhrpark mit zehn Autos, eine Motorhalle mit Old- und Youngtimern, die „hübsch gemacht“ zum Verkauf bereitstehen und eine knallrote MZ, die mitten im Wohnzimmer thront: Willkommen bei Stephan Linder im oberbayri­schen Schönau! Gemeinsam mit seiner Frau Jana hat sich der Autofan hier mit viel Leidenschaft und Expertise ein feines Auto-Imperium aufgebaut.

17. Mai 2018

Den Wert seiner privaten Sammlung bemisst Stepan Linder nicht in Euro. Vielmehr spielt für ihn der ideelle Faktor eine wichtige Rolle. Über seine „Babies“ auf vier Rädern sagt er: „Alle haben ihren eigenen Charme und ihre eigene Geschichte.“ Ein „Lieblings­kind“ hat er nicht. Jedes Fahrzeug hat TÜV, ist angemeldet und wird regelmäßig bewegt. Denn: „Autos müssen gefahren werden, sonst gehen sie kaputt.“ Zur Flotte gehört nun schon seit 15 Jahren ein alter Jaguar, ferner eine S-Klasse, ebenso wie der Hot Rod „Rusty“, den wir später noch genauer unter die Lupe nehmen werden.

Vom Rennfahrer zum bestens vernetzten Car-Hunter

Stephan Linders eigentli­cher Job hat nichts mit Autos zu tun. Der Verkauf von hochwertigem Zubehör sowie der Handel und die Vermittlung von Young- und Oldtimern ist ein Nebenerwerb, sein zweites, aber stetig wachsendes Standbein. Sein Spezialge­biet: Rennwagen und exotische Fahrzeuge. Unter Letzteren sind limitierte Sonderedi­tionen zu verstehen oder Fahrzeuge, die von den Herstellern nur an bestimmte Kundenkreise vergeben werden, wie es etwa Ferrari handhabt. Aufgrund seiner Rennfahrer-Vergangen­heit ist Stephan Linder bestens vernetzt und kann für seine Kunden weltweit Raritäten aufspüren. Ein solcher Spezialauf­trag war das Auffinden des Original-Rallyewa­gens von Walther Röhrl, von dem es weltweit nur fünf Exemplare gibt.

Linder hat keine Webseite. Er arbeitet auf Empfehlung und das Geschäft wächst, auch, weil momentan immer mehr Menschen das Auto als Wertanlage entdecken. Besonders Porsche sei wertstabil und gewinne zusehends an Wert. Oft nimmt Stephan Linder bei Reisen ins Ausland einen Gutachter mit, da vor allem teure Porsche wie der 27RS gerne gefälscht werden.

Ford Taunus von Thomas D aufgehübscht

Eine weitere Leidenschaft des Auto-Kenners ist das „Car-Detailing“, also das hochwertige und detailge­naue Aufbereiten von Fahrzeugen. In seinem Showroom, einer sehenswerten Motorhalle mit Gewölbe, Säulen und Naturstein­böden, ist nicht nur sein aktueller zum Verkauf gedachter Fahrzeug­be­stand ausgestellt, hier findet auch das liebevolle Finishing der Chrom- und Kunststoff­teile statt. „High Glossing“ nennt er das und erklärt: „Ich mache die Autos hübsch.“ Zum Beispiel auch den Ford Taunus von Freund Thomas D von den Fantasti­schen Vier, der für die Stuttgarter Messe „Retro Classics“ in Szene gesetzt und verkauft werden sollte.

Stephan Linders Detailing-Akzente im Ford 100 „Rusty“Mit viel Liebe zum Detail hat Stephan Linder den Ford 100 nach seinem Geschmack ausgestaltet.

„Rusty“, das Therapie-Auto

Ehefrau Jana teilt nicht nur die Leidenschaft für Autos, sie ist auch im Geschäft mit dabei, kümmert sich um die Zahlen. Oder wie Linder sagt: „Sie guckt in die Excel-Tabellen, ich unter die Motorhaube.“ Manchmal, findet sie, übertreibt ihr Mann es ein bisschen mit seiner Liebe zum Aufhübschen und Polieren. Etwa, wenn die beiden auf eine Auto-Veranstal­tung fahren und Stephan Linder bei der Ankunft erst mal eine halbe Stunde lang das Auto wienert, statt sich umzusehen und ein Bierchen zu zischen. Da ist „Rusty“, der Ford Hot Rod, ein wahres Therapie-Auto für ihn: Für den unverwech­sel­baren Rost-Look wurde der Lack des Ford Pick-ups mit Salzsäure entfernt und anschlie­ßend ultramatter Militärflug­zeug-Lack aufgetragen. „Der Wagen sieht aus als würde er stetig weiterrosten und fühlt sich total rau an“, sagt Stephan Linder. Unter dem Lack verbirgt sich ein 58er Ford 100 Shortbed, also mit kurzer Ladefläche. Ansonsten ist nach bester Hot Rod-Manier nichts mehr original an diesem Wagen: Bremsanlage, Hinter- und Vorderachse stammen von Jaguar, der Motor ist ein aufgebohrter und gestrokter 351er Ford V8 Windsor, die zwei Sidepipes hängen an einer handgemachten Auspuffan­lage. Der Clou: „Rusty“ hat eine elektrische Servolen­kung, die sich per Kippschalter an- und ausschalten lässt.

Gebaut wurde das Fahrzeug in einer Berliner Ein-Mann-Hot-Rod-Werkstatt. Beim Detailing legte Linder dann noch einmal selbst Hand an: Unter die Motorhaube schraubte er als Gag eine Machete, das Dashboard ziert ein hawaiiani­sches Hula-Pärchen, die Ladefläche ist mit Heuballen und Seeräuber­schatz­truhe ausgestattet. Als Beiboot für Rusty tat Stephan Linder nach längerem Suchen ein Moped von 1961 auf, hergestellt vom eigentlich für seine Waschmaschinen bekannten Unternehmen Miele.

Das Geheimnis des Erfolgs

Wenn Stephan Linder von Autos und seinem Unternehmen spricht, hört man, wie viel Herzblut darin steckt. Er spricht von „purer Passion“ und „wahrer Leidenschaft“, die ihn antreibt. So putzt und poliert er regelmäßig Autos von Kunden, die in seiner Motorhalle untergestellt sind – ohne dafür ein Entgelt zu erwarten. Es soll alles einfach nur schön aussehen. „Wenn man nur an den Euro denkt, funktioniert‘s nicht“, sagt er. Worte, die man ihm voll und ganz abnimmt.