Image: Smarte Lösungen für die Informationsflut im CockpitM PlanM PlanDie Informationsflut im digitalisierten Cockpit der Zukunft muss gebändigt werden. | metamorworks
NewsExperteninterview

Smarte Lösungen für die Infor­ma­ti­ons­flut im Cockpit

Lesezeit ca.: 4 Minuten

Im Cockpit laufen als Folge einer zunehmenden Vernetzung und Digitali­sie­rung immer mehr Informationen zusammen. Was bedeutet das für die Gestaltung von Mensch-Maschine-Schnittstellen (engl.: Human Machine Interface, kurz: HMI) im Auto? Das und mehr wollten wir von Dr. Heinz Abel, Head of Cross Product Solutions in der Division Interior von Continental, wissen.

24. Mai 2018
Dr. Heinz Abel, Head of Cross Product Solutions in der Division Interior von ContinentalDr. Heinz Abel

Herr Abel, dank Vernetzung und Digitali­sie­rung sind in Autos immer mehr Informationen verfügbar, vom Warnsignal eines Fahreras­sis­tenz­sys­tems bis hin zur Nachricht eines Facebook-Freundes. Wird das nicht irgendwann zu viel, gerade auch hinsicht­lich der Sicherheit und des Fahrkomforts?

Das Informati­ons­an­gebot im Auto wird weiter zunehmen. Ab welchem Level die verfügbaren Informationen als lästig oder zu viel empfunden werden, ist von Fahrer zu Fahrer individuell verschieden. Für Continental stehen Fahrkomfort, Fahrsicher­heit, und damit eine optimale Mensch-Maschine-Interaktion, im Zentrum der Entwicklungen. Steht viel Information zur Verfügung, müssen wir deren Darstellung so gestalten, dass der Fahrer die wichtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Anzeigeort erhält. So wird der Fahrer in Zukunft nicht alle verfügbaren Informationen angezeigt bekommen, sondern situations­ab­hängig immer nur das, was gerade für die jeweilige Fahrsitua­tion relevant ist.

Continental unterhält in der Division Interior einen eigenen Geschäfts­be­reich Instrumen­ta­tion & Driver HMI, um dem Fahrer alle relevanten Informationen möglichst komfortabel nahezubringen. Beschreiben Sie bitte die größten Herausfor­de­rungen dabei.

Eine große Herausfor­de­rung ist sicherlich der gesamte Wandel, der sich momentan in der Automobil­in­dus­trie vollzieht. Das Spektrum reicht von automati­siertem Fahren, Digitali­sie­rung und E-Mobilität bis hin zur ganzheit­li­chen Vernetzung von Fahrzeugen. Mit einem darauf ausgerich­teten Produktport­folio müssen wir diesem Wandel gerecht werden, um weiterhin stark am Markt zu agieren. Gleichzeitig haben Konsumenten durch die moderne Unterhal­tungs­elek­tronik ganz neue Ansprüche an ihr Fahrzeug. Diesen müssen wir entsprechen und bereits bekannte Technolo­gien so weiterent­wi­ckeln, dass sie auch den automobilen Anforderungen genügen.

Welche Rolle werden intelligente HMI-Lösungen künftig generell spielen, gerade auch im Spannungs­feld autonomes Fahren?

Eine große Rolle. Oberste Priorität haben auch dabei die Wünsche und der Schutz des Fahrers sowie die Sicherheit aller Verkehrs­teil­nehmer um ihn herum. In der Übergangs­phase von heute zum fahrerlosen, vollauto­nomen Fahren wird der Fahrer zum kritischen Nutzer und Überwacher im Cockpit und muss jederzeit darüber Bescheid wissen, wie das Fahrzeug agiert und in welchem Fahrmodus es sich gerade befindet. Transparenz und Situations-Bewusstsein sind für uns deshalb die bedeutenden Schlagworte bei der Entwicklung neuer Konzepte für den ganzheit­li­chen Dialog zwischen Fahrer und Auto, denn nur so werden die Menschen Vertrauen in das automati­sierte Fahren fassen. Und die Systeme müssen den aktuellen Fahrerzu­stand jederzeit berücksich­tigen, um beispiels­weise die sensible Übergangs­phase, wenn der Fahrer nach einer automati­sierten Fahrphase wieder selbst übernehmen muss, sicher zu gestalten. Dies geschieht, indem alle relevanten Informationen visuell, akustisch und haptisch übermittelt werden.

In welche Richtung führt der Trend? Was ist an neuen Lösungsan­sätzen in den kommenden Jahren zu erwarten?

Wie in der Consumer-Elektronik wird das Thema Sprachsteue­rung auch immer wichtiger für die Kommunika­tion zwischen Fahrer und Fahrzeug. So haben wir mit unserer sogenannten ‚Digital Companion‘-Funktion einen persönli­chen digitalen Assistenten wie den Cloud-basierten Voice-Service eines namhaften Anbieters integriert und so eine Lösung für einen natürlichen Dialog zwischen Fahrer und Fahrzeug geschaffen. Auf dem Gebiet der Fahrerin­for­ma­tion werden die Head-up-Displays, kurz: HUDs, immer weiter entwickelt, erhalten ein größeres virtuelles Bild, höhere Leuchtkraft und nehmen damit zusätzliche Anzeigefunk­tionen auf. Einen echten Meilenstein werden Augmented-Reality-Head-up-Displays bilden, denn sie helfen gerade auch im Zusammen­hang mit automati­siertem Fahren, Vertrauen zu schaffen und den Übergang zwischen Selbstfahren und automati­siertem Fahren sicher zu gestalten. Die im "AR-HUD" angezeigte Fahrinfor­ma­tion verschmilzt dann quasi mit der Fahrsitua­tion, zum Beispiel indem der Navigati­ons­pfeil scheinbar direkt auf die Straße gelegt wird. Das klassische Kombi-Instrument wird sich sehr zügig in Richtung Full Digital Cluster, kurz: FDC, weiterent­wi­ckeln. Gleichzeitig sehen wir den Trend, dass das FDC verstärkt mit dem Anzeigesystem in der Mittelkon­sole verschmilzt. Dies führt bis zur Integration in ein großes Display, das sich über die gesamte Cockpitfläche erstreckt.

Schauen wir noch weiter in die Zukunft: Autos fahren vollautonom…

Wenn wir weiter in die Zukunft blicken und an Cockpits mit wegklappendem oder ganz ohne Lenkrad denken, muss es Lösungen wie unser Smart Control geben. Das sind Elemente, mit denen während des automati­sierten Fahrmodus bestimmte Fahrmanöver eingeleitet werden können. Mit fortschrei­tender Digitali­sie­rung ist natürlich ein nicht mehr wegzuden­kender Trend die Vernetzung des Fahrzeugs mit der Cloud, was zahlreiche neue Nutzungs­mög­lich­keiten für die Passagiere bietet.