Image: Autonome Landmaschinen arbeiten effizienterM PlanM PlanSmarte Traktoren und autonome Mähdrescher können bald schon Realität sein. | JamesBrey
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Auto­nome Land­ma­schinen arbeiten effi­zi­enter

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Traktoren, die vollauto­ma­tisch Saatgut ausbringen, oder Mähdrescher, die zentimeter­genau Getreide ernten: das ist die Zukunft der Landwirt­schaft. Und sie hat bereits begonnen. Fachleute sprechen von „Precision Farming“.

07. Juni 2018

Autonomes Fahren ist der Zukunfts­trend der Fahrzeug­branche. Und längst nicht nur die Autohersteller befassen sich intensiv mit dem Thema: Auch die Landmaschinen-Branche hat dieses Feld entdeckt und ist der Digitali­sie­rung des Pkw inzwischen um Jahre voraus. In der Agrarwelt heißt der Trend „Precision Farming“, und die Entwicklung vollauto­ma­ti­scher Traktoren, Mähdrescher, Ballenpressen, Dünge- oder Erntegeräte ist längst in vollem Gange. Fachleute sagen voraus, dass im Jahr 2030 jeder zweite Traktor in Deutschland fahrerlos unterwegs sein wird.

Dass die Entwicklung des autonomen Fahrens gerade im Agrarbereich so rasant vonstatten­geht, hat einen einfachen Grund: Auf Feld, Acker oder Wiese gilt keine Straßenver­kehrs­ord­nung. Damit ist der Einsatz vollauto­ma­ti­scher Maschinen sehr viel einfacher möglich als auf der Straße. Bereits vor einem Jahr stellte die amerikani­sche Firma Case IH eine Traktor-Studie vor, die gar keine Fahrerka­bine mehr hat. Das allerdings ist die fernere Zukunft.

Vollauto­ma­ti­siertes Ernten und Säen

Beim deutschen Landmaschi­nen­her­steller Claas aus Harsewinkel heißt es, dass man auf absehbare Zeit noch nicht auf den Fahrer verzichten könne: Erstens müsse auch ein autonomer Traktor über öffentliche Straßen erst einmal zum Einsatzort gefahren oder von einem Acker zum nächsten überführt werden, zweitens sei es sinnvoll, dass die Hightech-Geräte von einem Fachmann im Führerhaus überwacht würden, der vom Lenken, Gas geben, Bremsen jedoch entlastet wird.

Und auch die eigentliche Arbeit auf dem Acker erledigt die Maschine immer öfter komplett alleine. Per DGPS-Signal – das sind hochpräzise Positions­be­stim­mungen – können Mähdrescher beispiels­weise mit einer Genauigkeit von zwei Zentimetern übers Feld navigiert werden. Nicht nur das Lenken geschieht vollauto­ma­tisch, auch die optimale Geschwin­dig­keit wird vom Rechner kontrolliert und laufend angepasst. So werden die Fahrspuren optimal an die jeweilige Fläche angepasst und das Arbeitstempo wird so reguliert, dass ein bestmögli­ches Resultat erzielt wird.

Zudem sind moderne Traktoren und die angehängten Arbeitsge­räte digital miteinander vernetzt. Das hat beispiels­weise zur Folge, dass Dünger gezielt dosiert werden kann, je nachdem, wo auf dem Acker sich das Gespann gerade befindet; oder dass der Traktor eine Ballenpresse mit exakt dem Tempo über ein abgeerntetes Feld bewegt, dass sie an ihrer Auslastungs­grenze arbeitet.

Diese Automation macht den Maschinen­ein­satz einerseits effizienter, andererseits auch umweltfreund­li­cher. Denn wenn Landmaschinen stets auf den exakt gleichen Fahrspuren über die Flächen rollen, wird die Bodenver­dich­tung auf ein Mindestmaß reduziert. Und die Auswertung von Sensordaten ermöglicht eine exakte Verteilung von Saatgut sowie eine an die Bodenbeschaf­fen­heit angepasste Dosierung von Dünger oder Pflanzen­schutz­mit­teln.

Kommunika­tion zwischen Pkw und Traktoren

Das komplexe Zusammen­spiel von Sensoren, Kameras und Hochleis­tungs­rech­nern der vollauto­ma­ti­schen Systeme in Landmaschinen basiert technolo­gisch oft auf Komponenten, die auch in autonom fahrenden Pkw zum Einsatz kommen – und umgekehrt. „Gerade im Bereich Short- und Long-Range-Radar erforschen wir intensiv die Nutzbarkeit der Pkw-Sensoren für Agri-Anwendungs­fälle sowie nötige Anpassungen und nutzen hierfür unsere Expertise aus der Automobil­in­dus­trie“, sagt Michael Ruf, Leiter des Geschäfts­be­reichs Commercial Vehicles & Aftermarket bei Continental.

Auch an anderer Stelle kooperieren Pkw- und Traktoren-Entwickler. Landmaschi­nen­her­steller Claas etwa präsentierte gemeinsam mit BMW ein „Large Vehicle Alert System“, das die Positions­daten landwirt­schaft­li­cher Maschinen und Traktoren in Echtzeit an die Navigati­ons­sys­teme in Fahrzeugen anderer Verkehrs­teil­nehmer in der Nähe übermittelt. So sollen Auto- und Motorrad­fahrer rechtzeitig vor großen Landwirt­schafts­fahr­zeugen oder auch starken Verschmut­zungen auf der Strecke gewarnt werden. Zudem kann das System Umleitungen oder Alternativstre­cken vorschlagen.

Vom Acker auf die Straße – die Digitali­sie­rung und Automati­sie­rung forciert auch diesen Prozess. Und zwar in vielfältigen Varianten.