Image: Caravaning-Branche: Auf dem Weg in die digitale ZukunftM PlanM PlanDie Zeiten, in denen man in Wohnwagen und Wohnmobil auf digitalen Komfort verzichten musste, sind vorbei. | LeonidKos
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Cara­va­ning-Branche: Auf dem Weg in die digi­tale Zukunft

Lesezeit ca.: 3 Minuten

Urlaub im mobilen Eigenheim wird immer beliebter, die Caravaning-Branche boomt. Und ständig befeuern Innovationen den Trend, denn Wohnwagen und Reisemobile werden immer komforta­bler, individu­eller – und digitaler.

21. Juni 2018

Urlaub im Wohnwagen, das bedeutete früher schmale Betten, wackelige Klapptische und überforderte Gasbrenner. Nur echte Camping-Fans verbrachten so die Ferien, wer es sich leisten konnte, urlaubte in Hotels oder Pensionen. Das hat sich komplett gewandelt: Heute bieten riesige Hotelres­sorts Billigur­laub an, doch wer auf Individua­lität und Komfort Wert legt, verreist mit einem mobilen Smart Home.

Die großen Caravaning-Messen haben sich zu Hightech-Leistungs­schauen entwickelt. Hersteller zeigen dort Freizeit­mo­bile mit Ceran-Kochfeldern und raffiniert integrierten Duschen, mit Fußboden­hei­zung oder nach außen ausklapp­baren Bettnischen, mit stufenlos dimmbaren Panorama­scheiben und riesigen Flatscreens. Wer es darauf anlegt, kann in modernen Wohnwagen oder Wohnmobilen längst einen 5-Sterne-Urlaub verbringen, denn die Hersteller und Zubehör-Anbieter haben inzwischen auch ausgefal­lenste Verwöhnde­tails im Angebot.

Rollende Luxus-Wohnräume mit App-Steuerung und Wlan-Hotspot

Die wesentli­chen Trends der Caravaning-Branche unterscheiden sich dabei kaum von jenen der Autoindus­trie: Es geht um Leichtbau, Komfort und vor allem die digitale Vernetzung. Sandwich-Werkstoffe und Glasfaser­rahmen, ausziehbare Wohnraum-Erweiterungen, Solarpanels an den Außenwänden sowie natürlich alle Arten von digitalen Steuerungen gehören zu den jüngsten Innovationen.

So lassen sich die Füllstände von Gas-, Frisch- oder Abwasser­tanks sowie die Akkuspan­nung per App abrufen. Die Highend-Klimaanlage wird ebenfalls via Smartphone oder Tabletcom­puter gesteuert, und natürlich liefern Rundumka­meras einen schnellen Überblick über Wohnwagen oder Reisemobil auf das mobile Endgerät. VW zeigte unlängst eine Campingmobil-Studie auf Crafter-Basis, die nicht nur über einen integrierten Wlan-Hotspot und einen eingebauten Beamer verfügt, sondern bei der auch diverse Lichtsze­na­rien via Digitalsteue­rung konfiguriert und abgerufen werden können. Sozusagen eine Auswahl zwischen Wohn-, Lese-, Lounge- oder Schlummer­at­mo­sphäre per Wischbewe­gung.

Noch weiter in die Zukunft denkt beispiels­weise der Hersteller Hymer aus Bad Waldsee und greift einen weiteren Trend aus der Autobranche auf: das vollauto­ma­ti­sche Fahren. Auf dem Caravan Salon in Düsseldorf im vergangenen Herbst entwarf das Unternehmen Szenarien vom "autonomen Fahren und vernetzten Reisen". Nach diesen Vorstellungen wird das Wohnmobil der Zukunft von selbst über malerische Küstenstraßen rollen, die aussichts­reichsten Parkplätze zum Rasten ansteuern und gegen Abend auf einen freien Stellplatz der nächst gelegenen Campingan­lage rollen.

Zweistel­liges Wachstum angestrebt

Die beschrie­benen Neuheiten – und wohl auch die digitalen Aussichten – locken auch Menschen an, die einen Campingur­laub bislang eher nicht in Betracht zogen. Und die neuen Kunden animieren wiederum die Hersteller zu immer neuen Annehmlich­keiten. Was die Caravaning-Branche, in der in Deutschland rund 95.000 Beschäftigte arbeiten, insgesamt beflügelt. 2017 wuchsen die Neuzulas­sungen von Wohnwagen und Reisemobilen in Deutschland um 15,3 Prozent; insgesamt kamen 63.264 Freizeit­mo­bile neu auf die Straßen – so viele wie noch nie. Allein die Wohnmobil-Zulassungen haben sich, im Vergleich zu jenen im Jahr 2010, verdoppelt. Nach Ansicht von Branchen­ken­nern wird sich dieser Trend fortsetzen. "Wir streben 2018 erneut ein zweistel­liges Wachstum an", sagt Daniel Onggowinarso, Geschäfts­führer des Caravaning Industrie Verbands (CIVD). Wenn es so käme, wäre es das achte Rekordjahr in Folge für die Reisemobil­her­steller und das das fünfte in Folge für die Wohnwagen­bauer.