Image: Ausflug zu den Wurzeln eines einzigartigen LifestylesM PlanM PlanImmer stilecht – hier leben die guten alten Hot Rod-Zeiten auf
Car StoriesHot-Rod-Szene

Ausflug zu den Wurzeln eines einzig­ar­tigen Life­styles

Lesezeit ca.: 3 Minuten

Hot Rods und Custom Cars erfreuen sich der Beliebtheit eines immer größer werdenden Publikums. Festivals wachsen und gedeihen an allen Ecken und Enden Europas. So lockte zum Beispiel das Hot Rod Hayride-Festival die Szene über Jahre in die englische Grafschaft Surrey und erinnerte an die Anfänge des Modding-Trends.

19. Juli 2018

Hayride - Eine Fahrt auf dem Heuballen

Dröhnende Endschall­dämpfer, röhrende Flathead V8-Motoren und Karosserien von vor 1950, die mit schmalen Oldtimer-Diagonal­reifen den Staub im Oval der Rennstrecke aufwirbeln: Willkommen beim Hot Rod Hayride–Festival. Das Publikum in der benzinge­schwän­gerten Luft: Tätowierte Frauen mit Frisuren und Kleidern der 1950er, tätowierte Männer im Vintage-Jeans-Look mit Bowling-Hemd. Diese extrover­tierte Szene präsentierte sich hier selbstbe­wusst und wippte zu den Rockabilly-Beats, die sich aus den Lautspre­chern über das Gelände ergießen.

Jedes Jahr im Juli feierte sich die Hot-Rod-Szene hier selbst und huldigte den Anfängen des Hot Roddings, also dem Modifizieren von Autos von vor 1940 bis zum Geht-nicht-mehr: chopping, channeling, lowering, sectioning und cleaning. Das sind die Dinge, die man mit den Autos macht bis sie schließlich Hot Rods sind. Auf dem Hot Rod Hayride konnte man sie dann bewundern. Das zweitätige Event wartete aber auch mit Parties, Musik, Mode und spaßigen Renn-Events auf.

Doch warum wurde die Veranstal­tung eigentlich Hayride, also Heuballen-Fahrt genannt? Traditio­nel­ler­weise ist die Hayride in Kanada und den USA eine Spaß-Fahrt auf dem Anhänger eines Traktors anlässlich des Erntedank­festes. Dabei sitzt man auf einem Heuballen und wird mit dem Traktor durch die Gegend gezogen. Wahrschein­lich war der Spaßfaktor der Hayride das entschei­dende Moment für die Namensge­bung des Festivals.

Männer, die ihre Träume leben

Es ist ein Klischee, dass Männer zu großen Jungs werden, wenn es um Maschinen auf zwei oder vier Rädern geht. Aber irgendwie ist auch wirklich was dran. Vor allem in der Hot-Rodding-Szene sind den Schrauber-Träumen oft kaum Grenzen gesetzt. Fast schon spielerisch werden Teile eingebaut und modifiziert, von denen vorher keiner gedacht hätte, dass sie in dieser Zusammen­set­zung einen Wahnsinns-Fahrspaß bringen und obendrein ein Hingucker sind. Erlaubt ist alles, was Spaß macht, dröhnt und röhrt. So ist es heute.

Schaut man auf die Anfänge des Hot Roddings zurück, wurde vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Not eine Tugend gemacht. Während im Nachkriegs-Deutschland froh war, wer ein rostiges Fahrrad hatte, sah es in den USA schon ein wenig besser aus. Autos gab es zwar nicht wie Sand am Meer, aber die Situation war wesentlich entspannter. Vor allem in L.A. begannen Auto-Begeisterte alles Mögliche zusammen­zu­schrauben, was sich so finden ließ an mehr oder weniger schrottreifen Autos. Als Grundlage diente in den meisten Fällen ein Ford Model T, das man vor allem schneller machen wollte.

Der Hot Rod-Virus breitete sich in Windeseile von L.A. über die Staaten und schließlich bis nach Europa aus. Hier entstand in den 50er Jahren eine lebhafte Hot Rod-Szene. Da auch heute noch die 50er-Jahre eng mit dem Lebensstil der heutigen Custom Culture verbunden sind, sind die modischen Insignien der Rockabil­lies bis heute stilprägend in der Szene: Jeans, Karohemd, Tattoos, Pomade. Bei den Damen: gerne Petticoat und Riesenwas­ser­welle über der Stirn. Dazu natürlich Rock´n´Roll. Die Szene ist lebendig und präsentiert sich auch genauso auf den einschlä­gigen Events.

Nothing lasts forever – auch nicht das Hayride-Festival

Spaß  hin oder her: Nichts hält für immer – leider trifft dies auch für das Hot Rod Hayride-Festival zu. 2016 mussten sich Besucher und Organisa­toren von dem für dieses Event perfekten Veranstal­tungsort in Bisley, Surrey verabschieden, weil es andere Pläne für dessen Nutzung gab. Also wich man im darauffol­genden Jahr auf ein anderes Gelände aus, das jedoch nicht die Vorausset­zungen für einen ordentli­chen Hot Rod Hayride erfüllte. Auf ihrer Webseite kündigen die Veranstalter aktuell an, dass es ab 2018 vorerst kein weiteres Hayride mehr geben wird und dass man alle Fans aufrufe, sich beim Atomic Festival im nächsten Jahr zu treffen, wo das Programm allen Kustom Kulture-Fans mehr als recht sein.