Image: 1970 Dodge Charger 500-2 - ein kurzes Leben auf der ÜberholspurM PlanM PlanBringt ordentlich Drehmoment auf den Asphalt: der Dodge Charger 500-2
Car StoriesBad Boy und Beschleunigungs-Meister

1970 Dodge Charger 500-2 - ein kurzes Leben auf der Über­hol­spur

Lesezeit ca.: 3 Minuten

Der Dodge Charger ist ein klassisches Muscle Car, also ein Mittelklas­se­wagen mit ordentlich Wumms unter der Haube. Seine Zielgruppe: die Jugend. Die fährt mit dem Dodge Charger morgens zur Highschool und abends zu Adrenalin-haltigen Drag Races und Ampelrennen.

19. September 2018

Die Lage in den USA im Geburtsjahr des Dodge Charger ist ambivalent. 1970 tobt der Vietnamkrieg, Richard Nixon ist der umstrittene US-Präsident einer über diesen Krieg gespaltenen Gesellschaft. Die Beatles trennen sich, Janis Joplin und Jimi Hendrix sterben mit gerade mal 27 Jahren. Gleichzeitig halten Fortschritt und Wohlstand Einzug. Apollo 13 fliegt zum Mond, die ersten Personal Computer und Videospiele erobern den Markt. Der Zweite Weltkrieg ist weit weg und wer nicht in Vietnam kämpft oder gegen diesen Krieg rebelliert, lebt als Jugendli­cher in recht ruhigen Zeiten. Und meist mit eigenem fahrbaren Untersatz. Schließlich gibt es den Führerschein schon mit 16 Jahren. Und in einem Land, in dem der öffentliche Personen­ver­kehr bis heute nicht flächende­ckend ausgebaut ist, muss es eben für jedes Familien­mit­glied ein eigenes Auto geben.

1970 sind Muscle Cars der Renner und zwar in mehrfacher Hinsicht. Sie verkaufen sich nicht nur gut, sie sind auch bestens geeignet für Viertelmeilen-Rennen, die Drag Races. Für viele Jugendliche in diesen Zeiten sind sie der kleine Kick im beschauli­chen Suburbia-Leben…

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Von innerer Leere, Langeweile, und dem Gefühl, von den Eltern unverstanden zu sein, handelt der Film „Rebels without a cause“, auf Deutsch „Denn sie wissen nicht, was sie tun“. Film-Rebell James Dean wird 1955 damit zur Legende. Und die sogenannten Drag Races einem breiten Publikum bekannt. In dem legendären Autorennen des Films fährt James Dean als Jim Stark mit einem frisierten Auto gegen seinen Kontrahenten auf eine Klippe zu. Wer zuerst aus dem Auto springt, hat verloren. So und mit einigen Abwandlungen fahren Jugendliche zwischen 1950 bis in die 1970er Jahren teilweise riskante, aber aufregende Autorennen.

Der Dodge Charger mit seinen Qualitäten als Beschleu­ni­gungs-Monster eignet sich ganz besonders für diese Drag Races, bei denen aus dem Stand über eine Distanz von meist einer Viertelmeile beschleu­nigt wird. Diese Rennen werden oft an einer Ampel gestartet und gehen dann über eine vorher vereinbarte Distanz bis zum nächsten Häuserblock oder der nächsten Kreuzung. Für diese Ampelrennen sind Muscle Cars wie der Dodge Charger natürlich hervorra­gend geeignet.

Bad Boy und King der Viertelmeile

Der Dodge Charger 500-2 kommt 1970 als Super-Car auf den Markt. Die Bezeichnung Muscle Car wird erst im Nachhinein eingeführt. Beide Namen klingen aber absolut plausibel, wenn man sich das Model mal genauer ansieht. Eingeführt als preisgüns­tiger, aber stark motorisierter Mittelklas­se­wagen präsentiert sich dieses Sportcoupé äußerst attraktiv. Die Karosserie kommt ohne viel Tamtam und B-Säule aus und hat diesen unvergleich­lich coolen Rückenschwung. Und dann der charakte­ris­ti­sche Kühlergrill mit der verchromten Zierleiste und den bei Tageslicht darin versenkten Scheinwer­fern – ein Statement auf vier Rädern. Die klassische Stoßstange ist ersetzt durch einen durchgehenden Rahmen.

Dieser Look macht den Dodge Charger zur Ikone, auch im Film. Zum Beispiel in Quentin Tarantinos „Death Proof“, wo er vom Serienkiller Stuntman Mike gefahren wird. Die Verfolgungs­jagd zwischen einem Ford Mustang und dem Dodge Charger des Bad Boys Steve McQueen im Thriller „Bullitt“ ist eine der aufregendsten der Filmgeschichte.

Aber auch die inneren Werte dieses Modells haben es in sich: der im Charger verbaute V8 leistet zwischen 230 und 426 PS. Die sieben Liter Hubraum machen ihn in Sachen Drehmoment zum König an jeder Ampel. Doch seine Ära ist schnell wieder vorbei: die Ölkrise, ein erhöhtes Umweltbe­wusst­sein sowie steigende Versiche­rungs­prä­mien lassen die Verkaufs­zahlen sinken. Ähnlich wie Janis Joplin und Jimi Hendrix lebt der 1970er Dodge Charger auf der Überholspur, stirbt jung und muss nicht vor aller Augen altern. Vermutlich auch das ein Teil seines Mythos´.