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NewsHerausforderung Automobil-Industrie 4.0

Digi­ta­li­sie­rung: Die eine Platt­form­lö­sung gibt es (noch) nicht

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Industrie­un­ter­nehmen steuern die Digitali­sie­rung über IT-Plattformen. Keine davon deckt bislang alle Anforderungen alleine ab. Eine Koppelung mehrerer Plattformen liegt daher nahe. Der Pferdefuß dabei sind steigende Aufwände für die Systemin­te­gra­tion.

25. September 2018

Der Fortschritt in Sachen Digitali­sie­rung entscheidet darüber, ob sich ein Unternehmen im Wettbewerb durchsetzt – das gilt auch für die Automobil­branche. Alleine mit guten Produkten werden sich künftig nur schwer Geschäfts­er­folge erzielen lassen. „Unternehmen wollen dem Kampf um Stückpreise entgehen, indem sie zu ihren Produkten ergänzende Services anbieten, die Mehrwert schaffen“, berichtet Lorenz Beckmann, Consulter für S/4HANA und die SAP Cloud Platform beim SAP-Systemhaus Itelligence. „Damit lassen sich höhere Deckungs­bei­träge erzielen als mit dem Produkt selbst.“

Ergänzende Services werten Produkte auf

Die Beispiele für solche Services sind vielfältig. Auf der Plattform Vehicle Insight vernetzt SAP Unternehmen und Assets der Mobilität. Geodaten sowie Informationen zu Fahrzeugen, Ladegewicht und geschätzter Ankunfts­zeit optimieren die Logistik, zudem erhalten Speditionen Daten zu Tankstopps und zum wirtschaft­li­chen Fahren ihrer Flotte.

Geht es um Maschinen, wollen die Hersteller nicht mehr das Gerät selbst verkaufen, sondern das, was es kann. Also beispiels­weise keine Kompressoren mehr, sondern Druckluft. Kommuniziert die Maschine über das Internet mit dem Hersteller, so analysiert dieser das Nutzungs­ver­halten und macht Vorschläge, wie der Kunde das gewünschte Ergebnis mit geringeren Kosten erzielt.

Solche Änderungen im Geschäfts­mo­dell schlagen direkt auf die IT-Systeme durch. In der bisherigen Infrastruktur fehlen die Funktionen für diesen Umbau. Cloud-Plattformen helfen aus. SAP bündelt in SAP Leonardo Bausteine zur Digitali­sie­rung wie beispiels­weise Machine Learning, das Internet of Things oder Blockchain und vernetzt diese mit den IT-Systemen in den Rechenzen­tren der Unternehmen.

Lebendige Produktmo­delle und Konstruk­tion im Team

SAPs Modell der Digitali­sie­rung geht vom Geschäfts­pro­zess aus. Dassault Systèmes kommt aus dem Product Lifecycle Management (PLM) und steht für Konstruk­tion und Produktent­ste­hung, wie Andreas Barth, Managing Director EuroCentral bei Dassault Systèmes, berichtet: „Das klassische PLM verwaltet Produktdaten, beispiels­weise die eines Modells einer Pkw-Tür, in einem statischen digitalen Zwilling. Unsere Plattform 3D Experience hingegen visualisiert das lebende Modell, und ein Konstruk­teur kann simulieren, ob eine Tür noch nach Jahren der Benutzung mit einem satten Plopp ins Schloss fällt.“

Ein weiteres Ziel von Dassault ist die Zusammen­ar­beit. „Unsere Plattform bringt Mechanik und Elektrik so zusammen, dass beide Fakultäten die gleiche Sprache sprechen“, erläutert Barth. „Wir verbinden die Daten inklusive der dahinter­lie­genden Semantik. So können die Abteilungen ihre Ergebnisse direkt austauschen.“

Zum Einsatz kommt die 3D Experience-Plattform auch in der Automobil­in­dus­trie. Kreisel, ein österrei­chi­scher Hersteller von Elektromo­bilen, steuert damit Konstruk­tion und Produktent­wick­lung.

Mehrere Plattformen erhöhen den Integrati­ons­auf­wandf

Betriebs­wirt­schaft­liche Software kommt aus der Finanzwelt, und deren Hersteller greifen Themen wie Produkti­ons­pla­nung oder Fertigungs­steue­rung auf. Dassault Systèmes hingegen kommt aus der Konstruk­tion und erweitert sein Feld in Richtung Kollabora­tion und Produktion. „Jeder Hersteller will möglichst viel auf seiner Plattform bündeln“, bekräftigt Barth. „Da niemand alles abbildet, werden die Unternehmen in Zukunft wohl mit mehreren Plattformen arbeiten, die miteinander kommunizieren.“

Auch der SAP-Dienstleister Itelligence geht davon aus, dass die Unternehmen ihre Digitali­sie­rungs­in­itia­tiven mit mehrere Plattformen abbilden: „Wenn eine Plattform nicht sämtliche Bedürfnisse abdeckt, und eine Erweiterung durch Individual­ent­wick­lungen zu aufwändig wird, ist eine Koppelung mehrerer Systeme sinnvoll“, erläutert Hans Rauwolf, der bei Itelligence als Head of Innovation & Portfolio unter anderem Anwendungen rund um das Internet der Dinge für die verarbei­tende Industrie sowie den Maschinen und Anlagenbau entwickelt. „Praxisbei­spiele für derartige Szenarien sind bislang selten, aber die Gespräche mit unseren Kunden zeigen, dass diese Koppelung kommen wird.“ Der Zuwachs an Funktiona­lität bringt allerdings auch einen Nachteil mit sich, denn mit jedem zusätzli­chen IT-System erhöht sich der Aufwand für Integration und Betrieb: „Die Schnittstellen leisten zwar mehr als früher, dennoch sollten Unternehmen die Notwendig­keit mehrerer Plattformen kritisch hinterfra­gen“, warnt Rauwolf.