Image: Intelligente Kommandozentrale der Smart-CarsM PlanM PlanDas Cockpit der Smart-Cars wird auch mit Gesten und Sprache bedient werden. | metamorworks
NewsWenn das Lenkrad mitdenkt

Intel­li­gente Komman­do­zen­trale der Smart-Cars

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Rundinstru­mente, Tasten, Schalter – das wird es nicht mehr lange im Auto geben. Cockpit und Armaturen­tafel verändern sich komplett, denn nur so kann der Fahrer die zunehmende Informati­ons­flut im Auto überblicken und steuern.

07. November 2018

Insgesamt vier Bildschirme, der größte davon ist 1,25 Meter breit und 25 Zentimeter hoch und erstreckt sich praktisch über die gesamte Armaturen­tafel, machen das chinesische Elektroauto Byton zum ersten Fahrzeug einer neuen Ära. Der Wagen hat keine Knöpfe, Schalter, Regler oder Tasten mehr – stattdessen verfügt er über Sprachbe­die­nung, Sensorfelder, Gesichts- und Gestener­ken­nung. Noch ist der Byton, der Anfang 2018 auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellt wurde und Ende 2019 in Serie gehen soll, ein Konzeptauto. Doch was Cockpit und Bedienele­mente angeht, nimmt der Prototyp die Zukunft vorweg.

Eine Zukunft, die von vielen Unternehmen mitgestaltet wird. „Wir räumen im Cockpit auf. Je komplexer die Technik in modernen Fahrzeugen, umso einfacher und intuitiver muss die Bedienung sein“, sagt zum Beispiel auch Dr. Steffen Berns, Vorsitzender des Bereichs­vor­stands von Bosch Car Multimedia. Es gehe dabei nicht um das schlichte Ersetzten von mechanischen Reglern und Schaltern durch Touchscreens oder Schrifter­ken­nungs­pads. Denn letztere sind oft umständli­cher und weniger intuitiv vom Fahrer zu bedienen als ein klassischer Knopf; und alles, was die Aufmerksam­keit des Fahrers vom Verkehr ablenkt, ist riskant. Doch je ausgereifter und schlauer die neuen Schnittstellen werden, desto mehr können sie dazu beitragen, die Informati­ons­flut im Auto zu kanalisieren, den Fahrer zu entlasten, den Komfort zu erhöhen und die Sicherheit zu verbessern.

Gesten und Sprache werden wichtiger

Der Zulieferer ZF beispiels­weise hat kürzlich einen Lenkrad-Prototypen vorgestellt, in dem ein LCD-Display integriert ist und das zudem auf Gestensteue­rung reagiert. Ein kurzes Tippen etwa aktiviert die Hupe, eine Wischbewe­gung regelt die Musiklaut­stärke oder die Gebläsee­in­stel­lung. Grafische Signale auf dem mittig platzierten Bildschirm wiederum unterstützen und bestätigen die Aktionen des Fahrers. Ein LED-Lichtband im Lenkradkranz zeigt durch seine Farbe an, ob sich der Wagen im autonomen Fahrmodus (blau) befindet oder ob er manuell gesteuert wird (weiß). Rotes Licht wiederum bedeutet einen Warnhinweis. Gelbes Blinklicht könnte beispiels­weise auf wichtige Fahrhinweise aufmerksam machen. Durch elektroni­sche Kapazitäts­sen­soren erkennt das System, wo genau der Fahrer das Lenkrad berührt und vor allem, ob er momentan das Auto im Griff hat oder ob der Wagen automatisch unterwegs ist. „Wenn sich neue automati­sierte Funktionen immer weiter verbreiten, ist hochmoderne Technik im Lenkrad wichtig“, sagt Jürgen Krebs, Vice President of Engineering for Steering Wheel Systems and Driver Airbags.

Neben Gesten und Berührungen soll die menschliche Stimme zu einem wesentli­chen Instrument bei der Steuerung und Bedienung zukünftiger Autos werden. Als erster Zulieferer weltweit integriert die französi­sche Firma Faurecia Amazons Sprachas­sis­tentin Alexa ab sofort als festen Bestandteil im Fahrzeug. Via Sprachsteue­rung können so beispiels­weise neue Navigati­ons­ziele eingeben, ein Film bestellt oder Anrufe getätigt werden. Damit gestalten die Zuliefer­un­ter­nehmen Faurecia und Parrot Automotive einen fließenden Übergang zwischen Smart Home und Smart Car.

Die fka Forschungs­ge­sell­schaft Kraftfahrt­wesen mbH Aachen wiederum hat eine Bildschirm­dar­stel­lung entwickelt, bei der sich auf den ersten Blick der Eingriff von Assistenz­sys­temen erfassen lässt. Der Fahrer sieht auf einem Head-up-Display das Auto von oben in einer Art 360°-Rundumper­spek­tive – und erkennt unmittelbar und intuitiv, wie sich das Fahrzeug bewegt und welche Fahrassis­tenten aktiviert sind.

An solchen Projekten wird vor allem zweierlei deutlich: Erstens, dass die Cockpits und Armaturen­ta­feln kommender Autogene­ra­tionen nichts mehr mit dem altbekannten Layout aus Rundinstru­menten hinterm Lenkrad und einem Bedienfeld oberhalb der Mittelkon­sole zu tun haben werden. Und zweitens, dass derzeit zwar viele innovative Einzellö­sungen entwickelt werden, es aber darauf ankommen wird, Lenkrad und Head-up-Display, Touchscreens und Pads sowie Berührungen, Gesten und die Stimme des Fahrers möglichst logisch und selbstver­ständ­lich zu kombinieren, damit das Autofahren in Zukunft wirklich entspannter, komforta­bler und sicherer wird.