Image: Daten sind die DNA der modernen MobilitätM PlanM PlanMobiler Datenlieferant: Das Connected Car sammelt und liefert wertvolle Informationen
NewsAutonomes Fahren

Daten sind die DNA der modernen Mobi­lität

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Daten sind der Treibstoff der modernen Mobilität und sie versprechen ein Milliarden-Geschäft. Denn mit jedem Kilometer, die ein „digitales“ Auto zurücklegt, steigt dessen Wert. Im Fokus steht neben neuen Mobilitäts­dienst­leis­tungen auch das unfallfreie Fahren.

08. Januar 2019

Das „größte Potenzial der Digitali­sie­rung ist die Vernetzung mit Datenkapi­tal“, sagt Freddie Geier, ehemals General Manager bei Apple. Damit hat der Visionär die Zukunft der Digitali­sie­rung auf den Punkt gebracht, zugleich aber manche Top-Manager der deutschen Automobil­in­dus­trie verunsichert. Denn seit langem kursieren Gerüchte, dass der US-Konzern mit eigenen Fahrzeugen ins Automobil­ge­schäft einsteigt. Weil die Mobilität von morgen und dabei im Besonderen das selbstfah­rende Automobil von qualifizierten Daten lebt, konkurrieren IT-Unternehmen mit etablierten Automobil­her­stel­lern. Immerhin erfordert das autonome Fahren enorme Datenmengen.

So erzeugt ein Fahrzeug aus der Testflotte für vollauto­ma­ti­siertes Fahren mit entsprechender Sensorik pro Acht-Stunden-Tag rund 40 Terabyte an Datenvolumen. Im späteren Serienein­satz werden weitaus weniger Informationen benötigt. Doch auch die dann noch etwa alle 200 Kilometer anfallenden knapp sieben Terabyte zu beherrschen, ist eine Vorausset­zung, damit das automati­sierte Fahren sicher funktioniert. Vor allem aber sind diese Daten die DNA für Services rund um die Mobilität, mit denen sich enorme Summen verdienen lassen. Laut Dr. Juergen Reiner, Partner bei der Unterneh­mens­be­ra­tung Oliver Wyman, addiert sich „weltweit die Summe an Mobilitäts-Services bis 2030 auf jährlich circa 400 Milliarden Euro Umsatzvo­lu­men“. Dies zeigt wie lukrativ das Geschäft mit Car Sharing, Parken, Miete, intermodalen Services, Fahrdiensten etc. ist. Die Digitali­sie­rung der Mobilität ist dabei die einzige Möglichkeit, auf diesen Wertepool zuzugreifen. Mobilität ist die Zukunft, das Auto Mittel zum Zweck.

Lukrative Geschäfts­mo­delle mit fahrbezo­genen Daten

So dienen die fahrbezo­genen Daten nicht nur für das Optimieren bevorste­hender Werkstatt­ser­vices oder dem Abschluss individu­eller Versiche­rungs­leis­tungen. Auch mit hoch personali­sierten Diensten wie der automati­sierten Routenpla­nung auf Basis persönli­cher Termine und Vorgaben oder dem Übermitteln des 'Share Live Trip Status', bei der ausgewählte Personen via SMS die aktuelle Position in einer Kartenan­sicht erhalten, erschließt sich die Automobil­branche neue Geschäfts­mo­delle.

Im Erprobungs­sta­dium sind aber auch hochauto­ma­ti­sierte Mobilitäts­sys­teme. So sieht Smart-Chefin Annette Winkler „spätestens in der Mitte der nächsten Dekade“ den Smart Vision EQ autonom als Robotertaxi auf der Straße fahren. Die 2,69 Meter lange Elektro-Studie ist ihrer Ansicht nach die Zukunft von Sharing-Diensten wie Car2Go. Dass das autonom fahrende Automobil mit seiner optischen Sensorik auch tagesaktuell den Zustand der Straßen dokumentiert, hilft nicht nur dem Hersteller zur besseren Verkehrs­pla­nung, auch das Straßenbauamt profitiert von diesen Informationen.

Mit dem vernetzten Auto unfallfrei ans Ziel

Mit jedem gefahrenen Kilometer steigt demnach der Wert des Gesamtsys­tems „vernetztes Automobil“. Das weiß auch BMW-Entwicklungs­chef Klaus Fröhlich, der auf einer Bilanzpres­se­kon­fe­renz in München erklärte, dass das Auto immer mehr Daten generieren wird. Das Ziel sind Informationen, die aus den intern (Sensoren) wie auch extern erlangten Daten gewonnen werden und für das autonome Fahren ebenso bedeutend sind wie für hochgenaues Kartenma­te­rial und entsprechende Services. Dabei sollen digitale Dienste nicht nur den Zugang zu einem Multi-Milliarden­markt garantieren. Auch das Unfallri­siko soll deutlich reduziert werden.

Spezielle Sensorsys­teme, wie sie das israelische Unternehmen Mobileye entwickelt, überwachen dazu das nähere Umfeld des Fahrzeugs. Damit sind autonome Fahrfunk­tionen nach Level 3 möglich wie sie etwa Tesla anbietet. Zwar haben diese elektrisch angetrie­benen Fahrzeuge noch genügend Motorleis­tung. Doch im digitalen Auto ist das Terabyte künftig wichtiger als die PS. Auch deshalb wird derzeit alles miteinander vernetzt: Das Smartphone mit dem Auto, der Reifen mit der Werkstatt, die App für sicheres Fahren mit einer Datenbank.

Daten aus dem Fahrzeug sind das „missing link“ zum Kunden

Mit welcher Vehemenz etablierte Automobil­her­steller in das Geschäft mit den Daten einsteigen, zeigen die Summen, die seit mehreren Jahren in das vernetzte Automobil investiert werden. Jüngstes Beispiel ist das Entwicklungs­zen­trum für selbstfah­rende Autos, das BMW in Unterschlei­ßheim bei München eröffnet hat. Inklusive eines der größten Rechenzen­tren in Deutschland, um die annähernd 16 Terabyte zu speichern, die dort ein Fahrzeug aus der Flotte für hochauto­ma­ti­siertes Fahren an einem Acht-Stunden-Tag erzeugt.

Rund 1800 Entwickler und Software-Ingenieure werden dort in Zukunft damit beschäftigt sein, die Informationen aus den Steuerge­räten auszulesen, in die Cloud hochzuladen, auszuwerten und aus den Informationen neue Funktionen für das selbstfah­rende Auto zu programmieren. Aber auch Kommunika­tion und Vernetzung, die Konnekti­vität mit anderen Verkehrs­teil­neh­mern, Familie, Freunden oder Geschäfts­part­nern sind zunehmend gefragt. Die Digitali­sie­rung ist neben der Umwelt- und Klimaver­träg­lich­keit der Fahrzeuge derzeit der bestimmende technolo­gi­sche Megatrend in der Autoindus­trie. Und die fahrbezo­genen Informationen aus dem Fahrzeug sind das „missing link zum Kunden“, wie es ein Branchen­in­sider auf den Punkt bringt.

Daten sind der Treibstoff der modernen Mobilität

Dass von der geschickten Datennut­zung in besonderem Maße auch die Autoindus­trie profitiert, davon sind die Analysten der Deutschen Bank überzeugt. In ihrem „Deutschland Monitor: Das digitale Auto“, erwarten sie, dass die für das „digitale Auto“ notwendigen Technolo­gien das Umsatzwachstum in der Autoindus­trie begünstigen werden. Allerdings werden noch „mehrere Jahrzehnte vergehen, bis das ‚digitale Auto‘ den Pkw-Bestand durchdrungen hat; vor 2040 wird dies wohl nicht der Fall sein“. Trotz dieser Zeitspanne hält die Deutsche Bank das autonome Fahren für keine Utopie mehr.