Image: 1962 Mercury Monterey – Sprint-Star seiner ZeitSchlicht aber sportlich: der Mercury Monterey
Car StoriesSchön viel PS unter der Haube

1962 Mercury Monterey – Sprint-Star seiner Zeit

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Das Jahr 1962 war in den USA ein besonders gutes Verkaufs­jahr für die Autobranche. Obwohl US-Bürger im Schnitt 3125 Dollar für einen Neuwagen hinblättern mussten, was in keinem Verhältnis zu ihrem Jahresein­kommen stand, boomte der Automobil­markt. Im Autobauer-US-Staat Michigan wurden ständig neue Modelle entwickelt. Darunter der Mercury Monterey.

26. Februar 2019

Als Wagen der oberen Mittelklasse sollte der Mercury Monterey den Pontiac-Verkaufs­schlager Grand Prix auf die Plätze verweisen. Der Plan der zum Mutterkon­zern Ford gehörenden Automarke Mercury ging aber nicht ganz auf. Die Stückzahlen blieben niedrig. Woran es lag? Vermutlich am automobilen Überangebot der Zeit, denn die Autobauer lieferten eine unglaubliche Vielfalt an Modellen.

Dearborne gibt den Takt vor

Ganz klar, es gibt Autos aus den 1950er und 1960er Jahren, die mit weitaus mehr Heckflosse aufwarten können als unser Modell hier. Der drei Jahre ältere 1959er Mercury bietet diesbezüg­lich von hinten einen ganz anderen Wow-Effekt. Doch hat der 1962 Mercury Monterey durchaus eine charmante Heckansicht, wenn auch wesentlich dezenter. Die stromlini­en­för­mige „Düse“, aus der die Hecklichter herausschauen zusammen mit der durchgehenden Chromleiste, würden auch einem Weltraum­fahr­zeug gut stehen. Vom Design her liegt der Mercury Monterey voll am Puls der Zeit: Raumfahrt ist ein Riesenthema. Weltweit rüstet man sich für die ersten bemannten Mondflüge. In der 1962 erstmalig ausgestrahlten Zeichentrick­serie „Die Jetsons“ fliegt die gleichna­mige Familie in ähnlich aussehenden Jets durch ihren orbitalen Alltag.

Aber in den 60ern ist nicht nur alles, was mit dem Weltall zu tun hat, hip. Es gibt einen weiteren automobilen Trend aus Dearborne, dem Epizentrum der US-Autoindus­trie: das sportliche Auto. Unter dieser Überschrift wird der Mercury Monterey gebaut. Ein stattliches Coupé mit Vinyldach und Leder-Innenaus­stat­tung - und mitunter ordentlich Wumms unter der Haube: Standard­mäßig ist ein 4,8-Liter-V8 mit 172 PS verbaut, eine 5,8- und eine 6,4-Liter-Version mit bis zu 304 PS stehen ebenfalls zur Auswahl. So geht der Monterey als solides Muscle Car durch. Also als ein auf eine eher jüngere Zielgruppe zugeschnit­tener, stark motorisierter Mittelklasse-Wagen. Diese auch Supercars genannten Autos, wurden von ihren jugendli­chen Fahrern gerne beim motorisierten Kräftemessen eingesetzt – bei Ampelsprints oder Viertelmei­len­rennen. Der Mercury Monterey mischte hier ordentlich mit und schwängerte die Luft der schachbrett­artig verlaufenden US-Straßen mit Benzin.

In der Auto- und Heimatstadt Henry Fords, Dearborne, ersinnt man in der Zeit auch unzählige Limousinen, Coupés und Cabriolets, von deren Design und Ausstattung man in Europa nur träumen kann: serienreife Tempomaten, elektrische Fensterheber und Schiebedä­cher, Klimaanlagen, Ledersitze mit elektrischem Verstell­me­cha­nismus. Auf dieser Seite des großen Teichs, wo man alles noch per Hand kurbelte, absoluter Luxus.

S-55: Der Wagen mit dem Bucketseat

Vieles, was heute selbstver­ständ­lich ist, war im Jahre 1962 noch eine Innovation. Kartoffel­chips mit Geschmacks­rich­tung etwa. Sogar in den USA. Dort kamen übrigens in besagtem Jahr die ersten Salz-und-Essig-Chips auf den Markt. Aber das nur nebenbei.

Der S-55, die Performance-Variante des Mercury Monterey, wartete neben einem bis zu 334 PS starkem Motor auch mit einer Neuheit auf: den sogenannten Bucketseats. Diese waren tatsächlich eine kleine Innovation, kannte man vorher durchgehende (und sehr Pärchen-freundliche) Sitzbänke in den Autos. Allein schon die ledernen Bucketseats machen unseren Mercury Monterey zu einem Hingucker. Farblich abgestimmt auf den blauen Lack, findet sich dieselbe Farbe im Leder der Bucketseats wieder. Überhaupt, von Innen macht der Monterey einiges her. Die durchgehende Chromleiste am Armaturen­brett sorgt für einen markanten Look. Ebenso das schöne, in einen äußeren Kreis und einen inneren verchromten Halbkreis unterteilte Lenkrad. Aber was für die Halbstarken damals hauptsäch­lich zählte, waren die inneren Werte des Mercury Monterey: der satte Hubraum unter der Haube, die eine erfolgreiche „Viertelmeile“ versprachen.