Image: Mini-Mobile: Klein denkenAutos werden immer größer. Innovative Mini-Mobile könnten eine Trendwende einleiten. | mdkstock
E-MobilitätKleinstfahrzeuge für den Stadtverkehr von morgen

Mini-Mobile: Klein denken

Lesezeit ca.: 3 Minuten

In vielen Städten droht der Verkehrs­kol­laps. Weil zugleich der Mobilitäts­be­darf steigt, arbeiten zahlreiche Unternehmen an Mikro-Mobilen. Die Kleinstfahr­zeuge sollen den Stadtver­kehr der Zukunft effizienter machen.

26. Februar 2020

Wer regelmäßig mit dem Auto fährt, den wird die Zahl nicht überraschen: 120 Stunden standen deutsche Autofahrer im Schnitt allein in innerstäd­ti­schen Staus, wie eine Analyse des auf Verkehrs­daten speziali­sierten Unterneh­mens Inrix für das Jahr 2018 ergab. Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Die Verkehrs­lage in deutschen Städten hat sich im vergangenen Jahr weiter verschlech­tert, wie der Traffic Index des Navigati­ons­un­ter­neh­mens TomTom zeigt. Kurz gefasst lautet die Diagnose: In vielen Städten droht der Verkehrs­kol­laps. Und in einigen besonders belasteten Metropolen wird bereits über radikale Maßnahmen nachgedacht, nämlich über Fahrverbote, ähnlich wie sie für ältere Diesel-Pkw bereits in Mailand, London, Rotterdam, Brüssel, Oslo, Prag, Wien oder Barcelona in Kraft sind.

Mehr Autonomie durch ultrakom­paktes Elektroauto

„Wegen Überfüllung gesperrt“ – eine derartige Regulierung wollen vor allem Automobil­her­steller unbedingt vermeiden. Ihr Ansatz: Kleinstfahr­zeuge. Denn der Grund für immer vollere Straßen und Parkplätze sind nicht nur immer mehr, sondern zugleich auch immer größere Autos. Soll der Verkehr in Zukunft flüssig durch die Städte fließen, muss also deutlich kleiner gedacht werden. Das haben inzwischen nicht nur etablierte Autobauer erkannt, sondern auch Zuliefer­un­ter­nehmen und Start-ups. Entwickelt werden die unterschied­lichsten Fahrzeuge: Vom klassischen Kleinstwagen nach Art des Smart, der bereits vor 23 Jahren auf den Markt kam, bis hin zum elektrisch unterstützten Lastenrad für den Kurzstre­cken-Lieferver­kehr.

In die Mikro-Mobilitäts-Nische drängt beispiels­weise auch Toyota. Der japanische Autohersteller hat angekündigt, noch in diesem Jahr ein 2,49 Meter kurzes, zweisitziges E-Fahrzeug auf den Markt zu bringen. „Mit dem ultrakom­pakten Elektroauto offerieren wir ein Fahrzeug, das den Kunden nicht nur mehr Autonomie verleiht, sondern auch weniger Platz benötigt und die Lärm- und Umweltbe­las­tung verringert", sagt Toyota-Entwicklungs­chef Akihiro Yanaka zu dem Projekt. Da der Wagen rein für den Stadtver­kehr konzipiert ist, wird er mit einer Reichweite von 100 Kilometer und einer Höchstge­schwin­dig­keit von 60 km/h antreten.

Begünstigen Fahrverbote den Wunsch nach Kleinstmo­bilen?

Ähnlich positioniert sind auch der in Schweden entwickelte, 3,20 Meter lange Elektro-Dreisitzer Uniti One, für den bereits Vorbestel­lungen (Basispreis 17.767 Euro) angenommen werden, oder der in Aachen produzierte, 3,34 Meter lange Viersitzer e.Go Life (Basispreis 17.900 Euro), der ebenfalls rein elektrisch fährt. Der italieni­sche Hersteller Fiat wiederum arbeitet aktuell daran, die vor knapp einem Jahr vorgestellte Elektro-Studie Concept Centoventi (Länge 3,68 Meter) zur Serienreife zu bringen. Frühestens im nächsten Jahr könnte das Auto auf die Straße kommen.

Der Erfolg solcher Kleinstmo­bile wird vor allem davon abhängen, ob beispiels­weise Städte Zonen ausweisen, in die Fahrzeuge ab einer bestimmen Länge – etwa vier Meter – nicht mehr einfahren dürfen. Dann würden Kleinstfahr­zeuge alternativlos für alle, die weiterhin individuell in der Stadt mobil sein möchten oder müssen. Und wenn dies in großem Stil geschieht, wenn also in Zukunft sehr viele Menschen plötzlich ein sehr kleines Fahrzeug besitzen möchten, werden die Mini-Mobile auch als Geschäfts­mo­dell interessant.

Innovationen für Lieferfahr­zeuge

Und es geht ja nicht nur um neue Ansätze des Individu­al­ver­kehrs, sondern auch um Innovationen für Lieferfahr­zeuge. Der Automobil­zu­lie­ferer Schaeffler etwa hat das vierrädrige Pedelec Bio-Hybrid entwickelt – sowohl in einer zweisitzigen Pendler- als auch in einer einsitzigen Cargo-Variante. Derzeit laufen die letzten Praxistests, Ende 2020 soll die Serienfer­ti­gung der halbverklei­deten Vehikel beginnen.

Auch die Berliner Firma Citkar hat ein Pedelec entwickelt, das wahlweise mit einer Ladefläche oder Ladebox ausgestattet wird. Der "Loadster" erlaubt bis zu 250 Kilogramm Nutzlast inklusive Fahrer, eine E-Maschine mit Wechselakku und eine elektrische Unterstüt­zung bis 25 km/h. Der Verkauf soll in den nächsten Monaten beginnen. Und auch VW arbeitet an einem Lastenfahrrad. Das Cargo E-Bike wird gerade einem Praxistest in Hannover unterzogen, anschlie­ßend soll es in Serie gehen.